Beschallungstechnik-Grundlagen Teil 2

Während es im ersten Teil um die unterschiedlichen Beschallungsarten und deren Aufbau ging, soll der zweite Teil der Beschallungstechnik-Grundlagen einen Überblick über den Signalfluss in einer Livesituation geben.

Den ersten Teil der Beschallungstechnik-Grundlagen findest du hier: Klick!

Es ist Priorität #1, eine konkrete Vorstellung über die vorhandenen Signalwege ist für einen reibungslosen tontechnischen Ablauf zu haben. Dieser Artikel verschafft einen genauen Plan davon – vom Mikrofon bis zur PA-Anlage!

Beschallungstechnik-Grundlagen – Ampracks

Unter so genannten Ampracks versteht man eine Mehrzahl von Endstufenverstärkern, die meist in einem Rack zusammengefasst sind. Ampracks sind für die Leistungsversorgung der PA-Anlage, der Bühnenbeschallung und allen weiteren passiven Beschallungsanlagen verantwortlich. In Verbindung mit einem Monitorcontroller lassen sich an dieser Stelle im Signalfluss auch weitreichende Einstellungen vornehmen, wie beispielsweise das Einstellen einer Delay Line.

Die Kabelverbindung wird standardmäßig über Speakon-Kabel realisiert. Es ist aber auch möglich, dass herstellereigene Steckerverbindungen vorhanden sein können, da es meist auch eigens entwickelte Endstufen für Beschallungsanlagen gibt.

An einem Amprack wird zusätzlich der Main Out, also der linke und rechte Masterkanal, vom Mischpult für die Hauptbeschallung angeschlossen. Je nach örtlicher Situation werden an dieser Stelle auch die Monitore für die Musiker mit ihrem Signal gespeist.

Abschließend nochmal alle Funktionen eines Ampracks zusammengefasst: Das Amprack ist das letzte Glied in der Signalfluss-Kette vor der Beschallungsanlage und dient der Leistungsversorgung aller passiven Lautsprecher und der Signalspeisung. Zusätzlich können viele weitere Einstellungen mit einem Monitorcontroller vorgenommen werden.

Beschallungstechnik-Grundlagen – Das Mischpult

Um die komplexen Signalvorgänge in einer Live-Situation im Überblick zu behalten, ist es vor allem wichtig, dass man die genaue Signalrichtung vor Augen hat. Eine der größten Hilfen dabei ist das Mischpult. Hier laufen alle Eingangssignale zusammen und auch die Ausgangskanäle sind zumeist alle an diesem Ort zu finden. Bei Eingangssignalen handelt es sich nahezu ausschließlich um Mikrofon- oder Linekanäle von der Bühne. Eine genauere Betrachtung der Bühnenverkabelung erfolgt in einem späteren Abschnitt.

Eine Stagebox kommt
Beschallungstechnik-Grundlagen: Multicore mit Stagebox von Adam Hall (K40 C30).

Bei den Ausgangssignalen ist vor allem der Main Out entscheidend, der für die Hauptbeschallung des Zuschauerraums verantwortlich ist. Aber auch die unterschiedlichen Mixe für die Musiker auf der Bühne sind Ausgänge am Mischpult und müssen ihren Weg zurück auf die Bühne finden. Um nicht alle Kanäle einzeln über die gesamte Distanz bis zum Mischpult verkabeln zu müssen, kommt eine Stagebox zum Einsatz.

Die Aufgabe einer Stagebox besteht darin, die Ein- und Ausgänge des Mischpults auf der Bühne verfügbar zu machen, um so die gesamte Verkabelung zu vereinfachen. Stageboxen gibt es dabei in analogen oder digitalen Varianten.

Die Wahl zwischen analog und digital hängt direkt mit der Wahl des Mischpults (ebenfalls analog oder digital) zusammen. Bei einer analogen Stagebox wird mit einem Multicore-Kabel gearbeitet, welches alle Kanäle in einem Kabel zusammenfasst und so eine analoge Übertragung zwischen dem Mischpult und der Stagebox herstellt.

Eine analoge Stagebox mit Multicore findet man häufig in kleineren Clubs, in denen alles fest verbaut ist. Der Nachteil dabei ist, dass ein solches Multicore-Kabel sehr schwer und träge ist. Zudem müssen die einzelnen Kanäle am Mischpult immer noch einzeln gesteckt werden. Bei analogen Stageboxen ist häufig von 24/8 oder 32/8er die Rede – das bedeutet, dass die Stagebox beispielsweise 24 Inputs und 8 Outputs besitzt.

Beschallungstechnik-Grundlagen: Midas M32.
Beschallungstechnik-Grundlagen: Midas M32.

In den letzten Jahren geht die Entwicklung eindeutig in Richtung der digitalen Stagebox. Der Vorteil ist, dass man lediglich ein dünnes Netzwerkkabel verlegen muss, über das alle Kanäle (In&Out) übertragen werden können. Das spart Zeit und Arbeit.

Mischpult und Stagebox sind als abgestimmtes Set erhältlich und die Konfiguration stellt sich meist als einfach heraus. Auch preislich hat sich hier in den letzten Jahren einiges getan. Als Beispiel sei hier das Behringer X32 oder das nahezu baugleiche Midas M32 mit einem Preis von ca. 3750€ (X32) und rund 6500€ (M32) inklusive dazu gehöriger Stagebox genannt.

Nochmals abschließend zusammengefasst: Die Stagebox verlegt die Ein- und Ausgänge des Mischpults auf die Bühne, um die Kanäle dort einfacher zugänglich zu machen.

Beschallungstechnik-Grundlagen – Die Bühnenverkabelung

Eine der schwierigsten – und häufig auch unübersichtlichsten – Aufgaben ist die Verkabelung der Bühne. Die Aufgabe besteht darin, jedes einzelne Signal auf der Bühne zu erfassen und zu verkabeln. Als Hilfsmittel steht hier, wie eben erlernt, die Stagebox zur Verfügung. Um die Situation zu verdeutlichen, bedienen wir uns an einem Standard-Konzertaufbau: Schlagzeug, Bass, Gitarren, Keys und Gesang.

Erfahrungsgemäß müssen in etwa 20-25 Kanäle verkabelt werden. Bei dieser Anzahl lohnt sich die Verwendung von so genannten Unterverteilungen. Im Grunde ist dies eine weitere Stagebox, die die unterschiedlichen Kanäle auf verschiedene Bereiche der Bühne aufteilt. Vor allem bei der Verkabelung des Schlagzeugs lohnt sich eine Unterverteilung, da dort viele Mikrofonkanäle zusammen laufen.

Aus dem Technical Rider einer Band lassen sich viele wichtige Informationen beziehen, um sich schon vorher einen genauen Plan zu verschaffen, wo man mehrere Unterverteilungen auf der Bühne unterbringen kann. Dadurch lässt sich lästiger Kabelsalat vermeiden.

Zusätzlich zu den Inputs müssen auch die Bühnenmonitore verkabelt werden. Dies geschieht vom Amprack aus meistens per Speakon-Kabel. Auch für die Verkabelung mit Speakon-Kabeln gibt es Unterverteilungen, die bei der ordentlichen Verkabelung helfen. Eine aufgeräumte und strukturierte Verkabelung der Bühne sollte immer das Ziel sein.

Beschallungstechnik-Grundlagen – Die Signalflusskette

Wie beschrieben gibt es in einer Live-Situation unterschiedlichste Signalflusswege. Zum Einen die Inputs auf der Bühne, dann das Mischpult als zentrale Verwaltung aller Signalwege, bis hin zu der Verkabelung der Beschallung für den Zuschauerraum. Die dargestellte Kette zeigt den kompletten Signalfluss.

Hinwege zum Mischpult

Mikrofon-/Linesignal ==> Kabel ==> Unterverteilung auf der Bühne ==> Stagebox (analog oder digital) ==> Multicore/Netzwerkkabel ==> Mischpult

Rückwege aus dem Mischpult:

Pult Out ==> Pre Fader ==> Stage Box ==> Kabel ==> Endstufen Bühnenmonitore ==> Kabel ==> Bühnenmonitore

Pult Out ==> Post Fader ==> Stage Box ==> Kabel ==> Endstufen Hauptbeschallung ==> Kabel ==> Beschallungsanlage