Bühnenmonitore einmessen

Eine der schwierigsten Aufgaben einer Live-Situation ist die richtige Einstellung des Monitormixes. Worauf ihr achten müsst, erfahrt ihr hier.

Vor allem, wenn die Band mit einer eigenen PA arbeitet oder es sich um eine kleine Location handelt, wird es schwer. Egal, ob die Monitormixe vom FoH oder einem separaten Monitorplatz erstellt werden, es gibt einige Möglichkeiten, die Qualität der Mixe zu verbessern, Feedbacks zu reduzieren und eine deutlich angenehmere Show auf die Beine zu stellen.

In diesem Artikel befassen wir uns mit dem so genannten “Einpfeifen” einer Monitoranlage. Dabei konzentrieren wir uns auf die so genannten “Wedges”, also die Floormonitore.

Signalfluss

Ein Monitorsystem bietet eine unkomplizierte Kommunikation zwischen dem Tontechniker und der Band, ermöglicht unterschiedliche Mischungen zwischen dem Zuschauer- und Bühnenbereich und auch verschiedene Mischungen unter den Musikern.

Abbildung 1
Abbildung 1

Abbildung 1 zeigt den vereinfachten Signalfluss eines Signals innerhalb eines Mixchannels. Die umkreisten Pfeile stellen entweder ein Potentiometer oder einen Fader dar. Kopfhörermischungen sollten im Mischpult als „Pre-Fader“ angelegt werden – das ist ein wichtiges Detail, da der individuelle Mix der Musiker bei einem „Post-Fader“-Mix nicht unabhängig vom Main-Mix für das Publikum ist. In der Abbildung 1 ist diese Abhängigkeit ebenfalls zu erkennen. Kann man sich das nicht recht vorstellen, hilft der Vergleich des Signals mit Wasser. Stoppt man die Wasserzufuhr am Fader (Position 4, Abb.1), so kann kein Wasser weiter zum Post-Fader-Send fließen – im Gegensatz zum Pre-Fader-Send.

Einwirkungen von Mikrofonen

Um die Qualität seines Monitormixes zu verbessern spielt auch die Wahl des richtigen Mikrofons eine Rolle. Sehr wichtig sind da die Richtcharakteristiken: So nimmt etwa ein Mikrofon mit Kugelcharakteristik Schallwellen aus jeder Richtung mit der gleichen Energie auf. Aus diesem Grund sind sie nicht gut für die Bühne geeignet, da so leichter Rückkopplungen über den Bühnenmonitor entstehen können. Geeignet für die Bühne sind Charakteristiken mit einer Richtwirkung, zum Beispiel Niere, Superniere oder Hyperniere. Mit den Hintergrundinformationen zu den einzelnen Richtwirkungen lassen sich die Bühnenmonitore effizienter platzieren.

Übersprechungen vermeiden!

Das Mikrofon sollte möglichst so platziert werden, dass ungewollte Übersprechungen verhindert werden. Um Feedbacks und andere Schalleinflüsse zu minimieren, sollte ausreichend Zeit beim Soundcheck für die Platzierung der Mikrofone eingerechnet werden. Das spart während der Veranstaltung selbst Nerven.

Abbildung 2
Abbildung 2

Abbildung 2 zeigt die Positionierung der Monitorboxen zu einem Mikrofon mit Nierencharakteristik. Die größte Signalabdämpfung einer Nierencharakteristik befindet sich im Winkel von 180 Grad zum Mikrofon. Diese Achse wird häufig auch als „Off-Axis“ bezeichnet. An dieser ist die beste Position für die Positionierung einer Monitorbox abzulesen. Häufig sieht man mehrere Monitorboxen nebeneinander, ohne dass dabei an die Richtcharakteristik gedacht wurde. Bei einer Niere kann diese Methode durchaus zu Problemen führen, denn an den Seiten ist die Bedämpfung um 6 dB geringer als in der Off-Axis.

Abbildung 3
Abbildung 3

Sollte ein Supernieren- oder Hypernieren-Mikrofon zum Einsatz kommen, muss die Positionierung der Bühnenmonitore an die veränderten Richtwirkungen der Mikrofone angeglichen werden. Abbildung 3 zeigt die optimale Position von Bühnenmonitoren bei der Verwendung von Super- oder Hypernieren. Es ist zu beachten, dass die maximale Abdämpfung des Signals bei dieser Richtcharakteristik bei 120 Grad liegt.

Bei Betrachtung des Polardiagramms für Supernieren fällt eine kleine Ausdehnung nach hinten auf, es wird also auch Schall von hinten aufgenommen. Somit eignet sich eine Positionierung des Monitors im 180 Grad-Winkel (wie bei einer Niere) nicht für eine Super- oder Hyperniere, weil Feedback entstehen könnte. Für gewöhnlich werden bei der Nutzung von Supernieren zwei Monitore aufgestellt – einer rechts und einer links vom Sänger. Bei einem Hypernierenmikrofon liegt die Off-Axis um die 105 bzw. 255 Grad. Die Wedges sind dementsprechend aufzubauen.

Gain, Feedback und EQ

Nach dem Aufbau kann man seine Aufmerksamkeit auf das eigentliche Einstellen der Monitore legen. In der Veranstaltungstechnik wird der im Folgenden beschriebene Ablauf häufig als „Einpfeifen“ bezeichnet. Zunächst erhöht man die Lautstärke der Monitore so weit, dass man ein gewolltes Feedback erzeugt. Anschließend nutzt man einen EQ, um entstehende Störfrequenzen herauszufiltern.

Das Ziel eines gut eingestellten Monitors ist eine hohe Lautstärke ohne Feedback. Früher war die Technik nicht sehr weit fortgeschritten und der Bühnensound war nicht so wichtig, doch im Laufe der Zeit verbesserte sich nicht nur die Technik, sondern auch die Musiker entwickelten einen deutlich höheren Anspruch an ihren Bühnensound. Trotz verbesserter Technik können Feedbacks natürlich nie ausgeschlossen werden. Deswegen ist ein Einpfeifen der Bühne immer noch wichtig.

Abbildung 4
Abbildung 4

Mittlerweile gibt’s fast ein ungeschriebenes Gesetz: Hinter dem Send Output des Mischpults ist ein Terzbandequalizer in der Signalkette, bevor die Monitorbox erreicht wird. Früher gab es eine Vielzahl von analogen Terzbandequalizern für das Einpfeifen einer Bühne. Abbildung 4 zeigt eine mögliche Verkabelung von Kopfhörerwegen inklusive eines EQs. Für gewöhnlich stellen kleinere Clubs und Veranstaltungsorte bis zu acht Monitorwege zur Verfügung. Das bedeutet auch, dass acht analoge EQs und acht Endstufen für die Monitorboxen benötigt werden. Die Heizung am Monitorplatz ist also bereits gegeben ;-)

Häufig kommt die Frage auf, warum man nicht den Channel-EQ für den Monitorweg verwendet. Dafür gibt es viele Gründe: Zum einen würden sich Änderungen der EQ-Einstellungen auf der PA-Anlage bemerkbar machen. Andererseits ist es von Vorteil, dass sich für den Monitorweg und für den FOH-Mix unterschiedliche EQ-Einstellungen tätigen lassen. Auch die unterschiedlichen Arbeitsweisen von Terzband- bzw. grafischen EQ im Gegensatz zu einem Channel-EQ spielen eine wichtige Rolle. Bei Channel-EQs handelt es sich bei analogen Mischpulten häufig nur um 3-Band-Equalizer, die sich nicht für das Einpfeifen von Monitoren eignen.

Heutzutage gibt es viele Möglichkeiten, um einen EQ im Kopfhörerweg zu realisieren. Nahezu alle digitalen Pulte besitzen einen grafischen EQ für jeden einzelnen Output. Zusätzlich ist es möglich, per Softpatch grafische oder Terzbandequalizer auf frei wählbare Outputs seiner Wahl zu legen. Dadurch lassen sich große analoge Geräte und Verkabelungen einsparen – und bringen mehr Platz auf der Bühne.

Es ist egal, ob man Hardware oder Software nutzt, den Monitormix vom FOoH oder einem separaten Monitorplatz mixt: Der Vorgang des Einpfeifens bleibt überall derselbe (Es sei denn, man kann mit einem iPad mischen, aber das ist ein anderes Thema).

Wahrscheinlich werden wir den Prozess des Einpfeifens für jeden einzelnen Bühnenmonitor machen müssen, auf jeden Fall für die, auf den ein Gesangssignal gegeben wird. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte man allerdings alle Monitore einpfeifen, denn auch am Schlagzeug können durch Kick oder Toms Feedbacks entstehen.

Das Einpfeifen!

Bereite den Mix vor und stelle alle Bänder des EQs auf Flat (0dB). Spreche nun in das Mikrofon vor der jeweiligen Monitorbox und erhöhe das Level am Mischpult Stück für Stück. Sobald der Pegel eine gewisse Lautstärke erreicht hat, bauen sich erste Frequenzen auf, die als störend empfunden werden. Nun ist es an der Zeit, diese zu identifizieren und herauszufiltern. Erfahrene Techniker erkennen diese Frequenzen recht schnell, als Anfänger sollte man einfach ausprobieren oder einen Analyser zur Hilfe nehmen. Spectrum Analyser gibt es mittlerweile sogar als App für das Smartphone, manche Digitalpulte haben auch einen eingebaut.

Gehen wir davon aus, wir sind fortgeschritten und finden die Störfrequenz im ersten Versuch. Nun erhöhen wir langsam, wirklich langsam den Pegel dieser Frequenz. Sollte sich kein Feedback aufbauen, benutzen wir eins der anliegenden Bänder. Sobald die richtige Frequenz gefunden wurde, hört man das entstehende Feedback. Diese Frequenz sollte man nun um ein paar dB absenken. Diesen Vorgang wiederholt man so lange, bis alle störenden Frequenzen ausfindig gemacht wurden. Weiterhin sollte man darauf achten, dass man nicht zu viele Frequenzen heraus zieht, da ansonsten der Sound des Monitors darunter leidet. Mit ein bisschen Übung bekommt man den Monitor auch ohne Feedbacks sehr laut.

Das Einpfeifen von Monitoren muss auf Tour täglich wiederholt werden, denn die Location, Temperatur und weitere Umstände führen dazu, dass jeweils andere Frequenzen Feedbacks verursachen können. Aber im Laufe der Zeit wird man besser darin, versprochen!

Grafische Equalizer

Grafischer-EQ-1

Die am häufigsten verwendete Art von Equalizern für Monitorsysteme sind 31-Band- oder auch Terzbandequalizer genannt. Diese Art von Equalizern hat 31 Bänder, die entweder angehoben oder gesenkt werden können. Jedem Band ist eine feste Frequenz zugewiesen. Der Begriff Terzbandequalizer kommt daher, dass sich pro Oktave drei Frequenzen einstellen lassen, somit sind sie eine große Terz voneinander angelegt. Durch die Anordnung in Terzabständen ergibt sich durch eine festgelegte Bandbreite ein ergonomischer EQ-Verlauf. Die festgelegten Frequenzen eines 31-Band-EQs sind 20, 25, 31.5, 40, 50, 63, 80, 100, 200, 315, 400, 500, 630 und 800 Hz; 1k, 1.25k, 1.6k, 2k, 3.15k, 4k, 5k, 6.3k, 8k, 10k, 12.5k, 18k und 20 kHz.

Grafischer-EQ-2

Ein großer Vorteil von Terzbandequalizern ist, dass man viele Frequenzbänder zur Auswahl hat. Ein Nachteil ist allerdings, dass die Frequenzen einen festen Wert besitzen. Was also, wenn ein Feedback bei 450 Hertz auftritt? Man muss einen Mittelweg zwischen den angrenzenden 400- und 500 Hz-Bändern finden, um das Feedback zu eliminieren. In der Regel sollte dies zwar auch funktionieren – gelingt es jedoch nicht, muss man einen parametrischen EQ nutzen.

Zusätzliche Funktionen eines grafischen EQs sind:

  • Gain: Möglichkeit, das Signal nach der EQ-Bearbeitung zu verstärken
  • Range: Möglichkeit, den Umfang von Cut/Boost einzustellen, beispielsweise zwischen +/-6dB und +/-12dB

Grafische Equalizer haben ihren Namen daher, weil die eingestellten Pegel der Frequenzbänder die grafische Darstellung der EQ-Kurve sind.

Parametrische Equalizer

Parametrischer-EQ
Parametrische EQ-Kurve mit 3 verschiedenen Bandbreiten. Die Frequenz ist für alle 3 Kurven auf 500 Hz eingestellt. Auch der Wert der Anhebung ist bei allen 3 Kurven gleich. Die orange Kurve zeigt eine weite Bandbreite, die blaue Kurve zeigt mittlere Bandbreite und die lila Kurve eine schmale Bandbreite.

Parametrische Equalizer können ebenfalls sehr hilfreich für das Einpfeifen von Monitoren sein. Es gibt drei grundlegende Unterschiede zwischen parametrischen und grafischen EQs. Erstens hat ein parametrischer EQ weniger Bänder; meistens vier bis sieben. Zweitens sind die Frequenzen bei einem parametrischen EQ nicht festgelegt. Und drittens lässt sich die Bandbreite der Anhebung/Absenkung einstellen.

Normalerweise verfügt ein parametrischer EQ über drei verschiedene Einstellmöglichkeiten: Frequenz, Stärke des Cut/Boost, und die Bandbreite, auch Q-Faktor genannt. Mit dem Q-Faktor wird eingestellt, ob das Signal eher schmal- oder breitbandig bearbeitet wird. Je höher der Q-Faktor, desto schmalbandiger ist die Anhebung bzw. Absenkung. Hierbei muss man jedoch vorsichtig sein, da extrem schmalbandige Anhebungen/Absenkungen schnell hörbar werden.

© Electronic Musician, courtesy of NewBay Media, 2015