31 Übungen für dein Gitarren-Spiel

Wäre es nicht toll, wenn jemand eine Gitarristen-Checkliste (Gitarre lernen!) erfinden könnte, mit all den kleinen technischen Details, die man kennen, üben und in seinem Repertoire haben sollte?

Du weißt schon, Hybrid Picking, Unison Bendings, Akkord-Umkehrungen usw.? Und wäre es nicht sogar noch toller, wenn alles auf dieser Liste eine kleine Lektion oder Übung enthalten würde, um zu helfen, diese speziellen Dinge zu verbessern?

Man soll nicht behaupten, dass wir uns eine gute Idee entgehen ließen. Deshalb haben wir uns eine Liste mit 31 Übungen ausgedacht, die dein Spiel in allen Bereichen verbessern können – von Greif- und Picking-Patterns bis hin zu Gehörbildung und Theorie. Andere würden ein Buch daraus machen, wir packen es in einen ultimativen Workshop zum Gitarre lernen!
Du kannst diese Liste von vorne bis hinten durcharbeiten oder nur die Themen behandeln, die für dich in diesem Moment nötig erscheinen.

Wie auch immer du diese Übungen benutzt, sie werden deine Fähigkeiten verbessern und dir helfen, ein besserer und vielseitigerer Gitarrist zu werden.

  1. Aufwärmen

Bevor du übst oder auftrittst ist es eine gute Idee, deine Finger einige lediglich technische Übungen machen zu lassen, wie in Abbildung 1, Takt 1, die alle Finger der Greifhand beschäftigt. Dies erfordert einen sehr präzisen Anschlag und eine gute Kontrolle darüber.

Alternativ kannst du deine Greif- (Takt 2) und Pickhand (Takt 3) unabhängig voneinander aufwärmen. Die fürs Aufwärmen benötigte Zeit hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B der Raumtemperatur, oder davon, wie aktiv du an diesem Tag bereits gewesen bist.

Allgemein gilt: je regelmäßiger du übst, umso schneller werden deine Hände für intensives Spielen bereit sein.

Abbildung 1

31 Übungen für dein Gitarren-Spiel, Abbildung 1

  1. Spiele im Fingerstyle

Du möchtest, dass deine cleanen Licks einen wärmeren Sound bekommen? Oder vielleicht möchtest du kontrapunktierte Flächen auf deiner Akustikgitarre spielen? Fingerstyle wird dir bei beidem helfen. Traditionell schreibt die Technik vor, dass der Daumen die Saiten 4-6 spielt, während die übrigen Finger die 3.,2. und 1. Saite versorgen (Abbildung 2A).

Versuche auch, auf der E-Gitarre mit den Fingerspitzen zu spielen. Du erreichst so einen wärmeren Ton, dazu mehr Dynamik und dezente Nuancen. Die Fingerstyle-Technik kann auch für den „Pull and Snap“-Stil verwendet werden, bei der der Zeigefinger die Saite anhebt und dann gegen das Griffbrett knallen lässt, was sehr funky klingt (Abbildung 2B).

Abbildungen 2A & 2B

31 Übungen für dein Gitarren-Spiel, Abbildungen 2A und 2B

  1. Verwende Hybrid Picking

Hybrid Picking ist eine Technik, die oft als Alternative zum Fingerstyle benutzt wird und bei der das Plektrum den Daumen der rechten Hand ersetzt, während der Mittel-, Ring- und (manchmal) der kleine Finger die höheren Saiten zupfen. Hybrid Picking eignet sich ganz besonders bei Country Double Stops (Abbildung 3A), ist aber auch brauchbar, um Rock-Riffs (Abbildung 3B) zu spielen.

Abbildungen 3a & 3b

31 Übungen für dein Gitarren-Spiel, Abbildungen 3a & 3b

  1. Arpeggios

Um einem Solo eine spannende Wendung zu geben, klingt häufig nichts besser, als einen Akkord aufzubrechen und ihn als Arpeggio zu spielen (Abbildung 4A). Ob du nun ein Solo über ein Jazz-Standard spielst (Abbildung 4B) oder dich durch einen Rockjam shreddest, Arpeggios öffnen deine Linien, machen deine Melodien melodiöser und helfen dir, aus der verfluchten Pentatonik-Mühle auszubrechen.

Abbildungen 4A & 4B

31 Übungen für dein Gitarren-Spiel, Abbildungen 4A & 4B

  1. Benutze Hammer Ons

Ist dein Phrasing holprig? An Legato-Techniken zu arbeiten – Hammer-ons, Pull-offs, Slides – wird helfen, das auszubügeln.

Für diejenigen, denen all diese Begriffe neu sind: Bei einem Hammer-on wird ein Ton angeschlagen und danach eine höhere Note auf der gleichen Saite gegriffen, ohne nochmals anzuschlagen (Abbildung 5, Takt 1).

Umgekehrt beinhaltet ein Pull Off, dass zusätzlich zu einer bereits gegriffenen Note ein höherer Ton auf der gleichen Saite gegriffen und angeschlagen wird, um diesen dann mit einer schnellen Bewegung des Fingers loszulassen und den tieferen Ton klingen zu lassen (Abbildung 5, Takt 2). Derweil wird bei einem Legato Slide eine Note angeschlagen und dann gleichmäßig-von oben oder unten-zur zweiten Note gerutscht (Abbildung 5, Takt 3).

Abbildung 5

31 Übungen für dein Gitarren-Spiel, Abbildung 5

  1. Tapping

Tapping-Licks sind in einem Arsenal auffälliger Gitarrentricks unentbehrlich. Der flüssige Sound von zwei Händen, die auf dem Griffbrett spielen ist, außerdem ein drastischer Kontrast zum recht perkussiven Klang eines Plektrums.

In Abbildung 6, Takt 1, ist ein Em-Arpeggio (E-G-H) entlang der ersten Saite angelegt. Positioniere deinen Zeigefinger über dem Griffbrett, dann tappst (Hammer On) du die höchste Note. Die Töne, die den Taps folgen, erreichst du mit Pull-offs des Tapping-Fingers. Arbeite genauso an Bend- und Tap-Bewegungen (Abbildung 6, Takt 2) , wie auch Pick-Tapped-Slides (Abbildung 6, Takt 3).

Abbildung 6

31 Übungen für dein Gitarren-Spiel, Abbildung 6

  1. Alternate Pick (Wechselschlag)

Alternate Picking ist der Schlüssel, um schnelle Single Note-Linien zu meistern und ist auch leichter, als es sich anhört.

Wenn du bereits flotte Viertelnoten mit Abschlägen spielen kannst (Abbildung 7, Takt 1), fügst du einfach zwischen jeden Abschlag einen Aufschlag hinzu und spielst nun Achtelnoten mit Wechselschlag im selben Tempo (Abbildung 7, Takt 2).

Tremolo Picking – rasant angeschlagene Töne (Abbildung 7, Takt 3) – sind ohne Alternate Picking kaum spielbar. Generell gilt: spiele jede Note, die auf den Beat fällt, als Abschlag. Ab jetzt wechselst du strikt zwischen Ab- und Aufschlägen. Daher würde eine synkopierte Achtelpassage so wie in Abbildung 7, Takt 4 gespielt werden.

Abbildung 7

31 Übungen für dein Gitarren-Spiel, Abbildung 7

  1. Bewege dich außerhalb der Tonleiter

Sind die meisten deiner Sololinien von eher durchschnittlicher Qualität, wird es Zeit, einige geschmackvolle Chromatics zu pauken. Das sind Töne, die außerhalb der vorgegebenen Tonart liegen und üblicherweise im Country und Jazz zu hören sind.

Lerne zunächst die chromatische Tonleiter (Abbildung 8A), die aus 12 Tönen besteht, die immer einen Halbtonschritt voneinander entfernt sind.

Vergleiche dies nun mit der C-Dur-Tonleiter (C D E F G A H). Schließlich versuchst du, einige Linien in C zu spielen, bei denen du chromatische Töne als Durchgangstöne spielst – Töne, die die Tonleiter-Noten verbinden (Abbildung 8B).

Abbildungen 8A & 8B

31 Übungen für dein Gitarren-Spiel, Abbildungen 8A & 8B

  1. Überspringe Saiten

Du möchtest dein Spiel etwas aufregender gestalten? Versuche einige String-Skipping-Licks (Pattern, bei denen du eine benachbarte Saite überspringst).

Abbildung 9A stellt ein elementares Shred-Lick mit einem Standard 3-Töne-pro-Saite Fingersatz dar.

Abbildung 9B zeigt das gleiche Konzept, lediglich mit einer weniger vorhersehbaren Melodie.

Abbildungen 9A & 9B

31 Übungen für dein Gitarren-Spiel, Abbildungen 9A & 9B

  1. Halbiere deine Anschläge

Wäre es nicht wunderbar, du könntest die ganze Anzahl deiner Anschläge um 50% reduzieren? Versuche es mit Economy Picking. Verwende einen einzelnen Auf-oder Abschlag, um Töne auf benachbarten Saiten zu spielen, wie in Abbildung 10, Takt 1.

Ebenso erfordert auch das Arpeggio-Lick in Abbildung 10, Takt 2 nur minimale Anschlagbewegungen. Spiele den ersten Ton mit einem Abschlag, lass das Plektrum auf der nächsten Saite ruhen, bevor du auch diese höhere Saite anschlägst.

Diese Bewegung führst du fort, bis alle Saiten angeschlagen wurden. Um zu vermeiden, dass dies klingt, als würdest du einen Akkord strummen, greifst du jede Note einzeln nacheinander und lässt jeden Ton wiederum vor dem kommenden los. Economy Picking kann auch mit Tonleiter-Fragmenten verwendet werden, die eine ungewöhnliche Anzahl von Tönen pro Saite haben (Abbildung 10, Takt 3).

Abbildung 10

31 Übungen für dein Gitarren-Spiel, Abbildung 10

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