9 Tipps und Tricks für dein Gitarren Delay Pedal

Das Delay ist eins der vielseitigsten und kreativsten Werkzeuge eines Gitarristen. Hier sind 9 Tipps und Tricks für dein Gitarren Delay Pedal!

Egal, wie das Wetter draußen war – meine Oma hatte immer die Heizung an. Genauso habe ich eigentlich immer ein Gitarren Delay Pedal angeschlossen. Für mich sind Gitarren-Delayeffekte meine Lieblings-Spielzeuge, wenn es um Gitarrenzubehör geht.

Als Trainer im NYC Guitar School’s Rock Band-Programm habe ich bemerkt, dass das Delay Pedal das wahrscheinlich am meisten missverstandene, falsch benutzte und niemals richtig „entdeckte“ Gitarren Effektgerät ist – zumindest bei den meisten. Hoffentlich helfen diese 9 Tipps und Tricks für dein Gitarren Delay Pedal dir dabei, dein Delay Pedal richtig einzusetzen!

Fangen wir von vorne an: Ein Delay Pedal verzögert die Signalausgabe des Gitarrensignals. Dieser verzögerte Sound wird oft der „wet“-Sound genannt – der originale Gitarrensound ist der „dry“-Sound. Du spielst eine „dry“-Note, und dein Gitarren Delay Pedal spielt ein „Echo“ der Note ab (das ist das „wet“-Signal).

Die meisten Gitarren Effektgeräte in dieser Richtung bieten drei Parameter, die das „wet“-Signal beeinflussen. Versteht man diese Parameter und was sie genau machen, ist man schon einen großen Schritt weiter.

Tipps und Tricks für dein Gitarren Delay Pedal – Grundlegende Funktionen

Die „Time“ oder „Rate“ genannte Einstellung regelt den zeitlichen Abstand zwischen dem „dry“- und „wet“-Signal. Meistens wird dieser Wert in Millisekunden (ms) angegeben. Normale Einstellungen liegen im Bereich von 50-600ms. Um uns die Sache etwas einfacher zu machen, teilen wir die Delayzeiten in drei Kategorien auf: Kurz (0-200ms), mittel (200-400ms) und lang (400ms und länger).

Der „Mix“- oder „Depth“-Regler (manchmal auch einfach nur „Delay“ genannt) auf deinem Gitarren Delay Pedal stellt ein, wie laut das „wet“-Signal im Vergleich zum trockenen Signal ist. Ist der Mix-Regler zum Beispiel zur Hälfte aufgedreht, dann ist das „wet“-Signal halb so laut wie das originale.

Der „Repeat“-Regler (oft auch „Feedback“ oder „Regeneration“ genannt) hat Auswirkungen darüber, wie oft das verzögerte Signal wiederholt wird. Normalerweise wird es mit jedem Abspielen etwas leiser.

Tipps und Tricks für dein Gitarren Delay Pedal – Slapback

Für mich erfüllt ein Gitarren Delay Pedal hauptsächlich zwei Nutzen, nämlich entweder als kompositorisches oder als “natürliches” Werkzeug. Zuerst gehen wir auf den natürlichen Einsatz ein. Hier reproduziert man mithilfe des Delay-Pedals Umgebungen, in denen Echos entstehen würden.

Warst du jemals schon in einem leeren Raum ohne Teppiche oder Vorhänge, dann kennst du, dass das Echo deiner Wörter schnell auf dich zurückgeworfen wird. Das ist das „Slapback“-Delay. Diese Art von Delay hat ein bisschen Retro-Gefühl an sich und kann einem Gitarrenpart direkt mehr Tiefe verleihen. Und so geht’s:

Da das Echo direkt zu dir zurückkommt, ist eine Time-Einstellung von ca. 150ms richtig. Der zurückgeworfene Sound ist fast genauso laut wie der ursprüngliche, also sollte der Mix auf 60% bis 80% stehen. Meistens hört man nur eine Wiederholung, der Repeat-Regler sollte also ca. auf 20% eingestellt sein.

Tipps und Tricks für dein Gitarren Delay Pedal – Die riesige Kathedrale

Genauso können wir auch größere Sounds analysieren. Jetzt wollen wir zum Beispiel, dass unser Signal klingt, als stünden wir in einer riesigen Kirche oder in einer Bergschlucht. In diesem Fall muss das Signal ja mehr Weg zurücklegen, bis es wieder bei uns ankommt – die Delayzeit wird also länger (350-700ms). Das verzögerte Signal wird außerdem leiser sein – der Mix-Wert sollte zwischen 20% und 40% liegen. Außerdem wird es (anders wie beim Slapback) mehrere Echos geben – den Repeat stellt man dafür auf 50%-75%.

Wichtig: Diese Zahlen sind natürlich nur ungefähre Richtlinien, die von Gerät zu Gerät unterschiedlich sein können.

Tipps und Tricks für dein Gitarren Delay Pedal – Digital vs. Analog

Delay-Effektgeräte kann man in analoge und digitale unterteilen. Ein digitales Delay Pedal geht beim Erstellen der Delay-Signale immer vom originalen Signal aus, während ein analoges Delay Pedal das Delay-Signal selbst weiter bearbeitet.

Ohne es unnötig kompliziert zu machen kann man sagen, dass digitale Delays einen klaren Sound haben, der sich besonders für längere Delayzeiten eignet. Analoge Geräte haben einen wärmeren und kernigen Sound, der für kurze Delay-Anwendungen perfekt ist.

Tipps und Tricks für dein Gitarren Delay Pedal – Kompositorisch

Seinen Sound mithilfe eines Delays zu versüßen ist ja schon sehr hilfreich. Richtig interessant wird es aber, wenn man das Delay wirklich als Teil der Komposition verwendet.

Um diese „Echo-Noten“ wirklich nutzen zu können, muss man sie so einstellen, dass sie rhythmisch passen – dabei ist das gespielte Tempo wichtig, aber auch, welche Notenwerte man erzeugen möchte. Als kleines Beispiel: Eine Minute besteht aus 60.000ms. Wenn das Tempo 100 bpm beträgt und man Viertelnoten als Delay haben möchte, muss man 60.000 durch 100 teilen – also eine Delayzeit von 600ms einstellen.

Ein wenig verwirrt? Kein Problem. Viele der neuen Gitarren Effektgeräte bieten eine „Tap Tempo“-Funktion. Mithilfe dieser kann man die rhythmischen Unterteilungen (Viertelnoten, Achtelnoten, punktierte Viertel etc.) einstellen und dann das Tempo ein“tappen“ (manchmal auch mithilfe eines externen Pedals). So entfällt das Rechnen. In den folgenden Beispielen behalten wir aus Gründen der Einfachheit das Tempo von 100 bpm bei.

Tipps und Tricks für dein Gitarren Delay Pedal – Viertelnoten-Chaos

Wie besprochen, brauchen wir für Viertelnoten eine Delayzeit von 600ms. Ein Mix-Wert von rund 80-100% ist hier ideal, und man sollte drei „wet“-Signale hören.

Wir haben uns hier von „A Day Without Me“ von U2 und auch von Jimmy Page’s Live-Solo in „Dazed and Confused“ inspirieren lassen. Abbildung 1 zeigt, wie das Viertelnoten-Delay einen einzigen Akkord durch einen ganzen Takt transportiert (alle in Klammern angegebenen Noten werden durch das Delay erzeugt).

Tipps und Tricks für dein Gitarren Delay Pedal: Abb. 1 (Foto: Guitar Player)
Tipps und Tricks für dein Gitarren Delay Pedal: Abb. 1. Der Akkord wird mittels des Delays durch den ganzen Takt “geworfen”.

Abbildung 2 zeigt eine viernötige aufsteigende Sequenz einer Dur-Tonleiter. Jede Sequenz startet eine Terz höher. Wenn das Delay die vorherige Sequenz spielt, ergibt das automatisch eine Harmonie.

Tipps und Tricks für dein Gitarren Delay Pedal: Abbildung 2 (Foto: Guitar Player)
Tipps und Tricks für dein Gitarren Delay Pedal: Abb. 2. Automatische Harmonieerzeugung durch ein Delay.

Tipps und Tricks für dein Gitarren Delay Pedal – Triolen-Tricks

Für ein Swing-Feeling stellst du dein Gitarren Delay Pedal auf 400ms, den Mix auf 80-100%, und es sollte nur eine Wiederholung hörbar sein. So liegt die verzögerte Note auf der letzten Triole des Beats. Als angewandte Soundbeispiele kann man hier Roger Waters‘ wummernden Bass in „One of These Days“ von Pink Floyd nennen. Sobald man sich eingegroovt hat, spielst du den Boogie-Woogie-Style aus Abbildung 3.

Tipps und Tricks für dein Gitarren Delay Pedal: Abbildung 3
Tipps und Tricks für dein Gitarren Delay Pedal: Abb. 3. Swing-Feeling á la “One of These Days”.

Tipps und Tricks für dein Gitarren Delay Pedal – Punktierte Achtelnoten

Die große Meisterin aller rhythmischen Delays ist die punktierte Achtelnote (manchmal auch als 3/16-Delay bezeichnet). Für einen Song in 100 bpm muss man eine Delayzeit von 450ms einstellen. Punktierte Achtelnoten landen auf der letzten 16tel-Note des Schlages. Spielt man eine Tonleiter in Achtelnoten, so kann diese schnell schon mal wie eine melodische Sequenz in 16teln klingen. Diese Einstellung wird oft von U2-Gitarrist The Edge benutzt und findet sich in Songs wie „Where the Streets Have No Name“, „I Still Haven’t Found What I’m Looking For“ und vielen anderen.

In Abbildung 4 sieht man eine solche angesprochene Tonleiter in Dur, die in Achtelnoten gespielt wird, dann aber durch das Delay Pedal schön aufgefüllt wird.

Tipps und Tricks für dein Gitarren Delay Pedal: Abbildung 4
Tipps und Tricks für dein Gitarren Delay Pedal: Abb. 4. Punktierte Achtelnoten.

Tipps und Tricks für dein Gitarren Delay Pedal – Noch einen Schritt weiter

Bewährte Delay-Techniken zu erlernen lohnt sich wirklich und kann deinen Sound verbessern. Sobald du die Grundlagen drauf hast, sind die Einsatzmöglichkeiten eines Delays eigentlich unbegrenzt. Die meisten Delay Pedale bieten eine „Stereo Out“-Option. Damit kann man das „dry“-Signal an einen Amp schicken, das „wet“-Signal aber einen anderen. So erhält man ein „Ping Pong“-Stereoeffekt.

Tipps und Tricks für dein Gitarren Delay Pedal: Abbildung 5
Tipps und Tricks für dein Gitarren Delay Pedal: Abb. 5. So nutzt man die Stereo-Out-Funktion optimal aus.

Wenn man das Signal zwischen dem „wet“-Signal-Out und dem Amp-Input noch weiter bearbeitet, wird der Prozess noch abenteuerlicher und kreativer. In Abbildung 5 sieht man, wie ich ein Octave-Pedal integriert habe, dass das Signal eine Oktave höher spielt.

Abbildung 6 ist dann das Resultat davon: Eine coole Phrase entsteht, indem ich das „wet“-Signal eines Viertelnoten-Delays (600ms) für die Oktavensprünge der Achtelnoten und Powerchords nutze.

Tipps und Tricks für dein Gitarren Delay Pedal: Abbildung 6
Tipps und Tricks für dein Gitarren Delay Pedal: Abb. 6. Oktavsprünge und Powerchords

 

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