ACDC im Interview, Foto: James Minchin
ACDC sind 2015 auch in Deutschland wieder auf Tour, Foto: James Minchin

Auf die Gefahr hin, wie ein Pessimist zu klingen, aber 2014 war für Malcolm Young, legendärer Rhythmusgitarrist, Gründungsmitglied und kreatives Rückgrat von ACDC, ein rabenschwarzes Jahr. Aufgrund von Demenz musste er die Band verlassen, wodurch sich die Produktion des 15ten Studioalbums verzögerte.

Als wäre das nicht genug, wurde dann am 6. November 2014 der Schlagzeuger der Band, Phill Rudd, wegen versuchten Mordes und Drogenbesitz angeklagt (die Anklage wurde später mangels Beweisen fallen gelassen). Das schwächte seine Position in der Band. Auch sein Anteil an der Produktion des neuen Albums „Rock Or Burst“ gestaltete sich als schwierig (Rudd tauchte zehn Tage zu spät im Studio auf), was seine Zukunft in der Band in Frage stellte – noch vor seinem Ärger mit dem Gesetz.

Trotz zwei verlorener Bandmitglieder ließ sich AC/DC nicht unterkriegen, ähnlich wie nach dem Tod ihres Sänger Bon Scott im Jahr 1980: Der Neffe Stevie Young sprang ein, um Gitarre im Studio und auf der Bühne zu spielen, und der ehemalige AC/DC-Drummer Chris Slade unterstütze die Band während ihrer Welttournee.

Dem Rest der Band – Gitarrist Angus Young, Sänger Brian Johnson und Bassist Cliff Williams – hätte man es verziehen, wenn sie letztes Jahr ihre Instrumente beiseite gelegt hätten. Immerhin hat man seit der Gründung im Jahr 1973 mehr als 100 Millionen Alben verkauft.

Doch der Ruhestand scheint noch in ferner Zukunft, in Anbetracht ihrer mehr als 40jährigen Präsenz im Rock-Business. AC/DC hat bewiesen, dass sie ihren Zenit längst nicht überschritten haben. Das vorherige Album der Band, “Black Ice”, das ebenfalls wie “Rock Or Burst” von Brendan O’Brien produziert wurde, erreichte Doppelplatin in den USA, stieg auf Platz 1 der Charts in 29 Ländern und wurde für einen Grammy sowie für Brit- und Juno-Awards nominiert.

Als „Rock Or Burst“ am 28. November 2014 veröffentlicht wurde, erreichte es unmittelbar Goldstatus und stieg in mehr als 20 Ländern in die Top Five der Charts, noch weit bevor die Band ihre Konzerttour gestartet hatte. Das Debütvideo des Albums „Play Ball“ erzielte über 6 Millionen Klicks, der Nachfolger „Rock Or Burst“ sogar 7 Millionen, und ihre dritte Videoauskopplung wurde in den ersten 24 Stunden mehr als 160.000 mal angeschaut.

Und wer könnte ihre fulminante Performance bei den Grammy Awards 2015 vergessen, bei der das gesamte Publikum die bekannten Teufelshörner trug?

Von solchen Zahlen können junge, aufstrebende Bands heutzutage nur träumen. Der Fakt, dass sie zu einer erwachsenen Rockband gehören, die laut Gitarre spielen und so derart erfolgreich sind, grenzt fast an ein Wunder. Naja, dennoch ist das alles kein Wunder, sondern das Resultat harter Arbeit, unglaublichem Selbstvertrauen und dem Willen, niemals aufzugeben.

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