Das EHX 22500 Dual Stereo Looper im Test

Looper gibt es in ganz verschiedenen Größen und Ausführungen – aber kann ein Effektpedal alle glücklich machen? Im Electro-Harmonix 22500 Dual Stereo Looper Test schauen wir, ob wir hier die eierlegende Wollmilchsau aller Looper vor uns haben.

Egal, ob zuhause fürs Üben oder Solieren oder auf der Bühne für zusätzliche Instrumente: Looping trifft man immer wieder beim Gitarrenspielen an. Die Anwendungsmöglichkeiten sind zusammen mit der Komplexität der Geräte gewachsen, gleichzeitig ist die Technik an sich immer günstiger geworden. Angefangen als unhandliche Rackgeräte, weiter über einen Boomerang Phase Looper in der Größe eines Skateboards ist man nun an einem Punkt angekommen, wo ein kleines Pedal und eine Gitarre ausreicht, um allen möglichen Unfug anstellen zu können.

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Electro-Harmonix bietet (neben Big Muff, Micro POG für Gitarre, Bass, Keyboards & Co.) momentan vier verschiedene Looper an. Das kleinste Pedal dieser Reihe ist der Electro-Harmonix Nano Looper 360 (mit zwei Einstellungsmöglichkeiten), während der große EHX 45000 direkt vier unabhängige Looptracks, die gleichzeitig gesteuert werden können, bietet.

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Das neueste Pedal, der Electro-Harmonix 22500 Dual Stereo Looper, orientiert sich auch an diesem. Der Electro-Harmonix 22500 entfernt die “producer”-ähnlichen Funktionen des EHX 45000 und fokussiert sich stattdessen auf verständlichere Features, die für einen Performer dann auch einfach zu bedienen sind. Ob das funktioniert, zeigt unser Test.

Electro-Harmonix 22500 Dual Stereo Looper Test – Auf einen Blick

Der Electro-Harmonix 22500 Dual Stereo Looper bietet trotz allem so viele Funktionen, dass man zuerst ein wenig erschlagen sein kann (und einen Testbericht darüber zu schreiben, der nicht in einen Roman ausartet, ist ähnlich schwierig!). Zunächst sei gesagt: Der EHX 22500 bietet zwei Loop-Kanäle, beide stereo mit unendlichen Overdubbing-Möglichkeiten. Diese Kanäle können gleichzeitig oder sequenzartig (zwei verschiedene Parts, die sich wie Strophe und Refrain abwechseln) abgespielt werden. Zudem gibt es im Pedal interessante Effekte wie Reverse, Oktave hoch und runter und ein Decay. Eine eingebaute Drummachine bietet 16 Loops, dann gibt es noch einen Mikrofon-Input und mehr.

Electro-Harmonix 22500 Dual Stereo Looper Test – Hier gibt’s einen kleinen Eindruck vom Pedal:

Mit im Lieferumfang enthalten ist eine 8GB große SDHC-Karte, auf der die unkomprimierten Audiodaten abgelegt werden. Dieser Speicher reicht übrigens für rund 12 Stunden Aufnahmezeit. Falls das zu wenig ist, können Speicherkarten von bis zu 32GB Größe benutzt werden.

Electro-Harmonix 22500 Dual Stereo Looper Test – I/O-Abteilung

Der Electro-Harmonix 22500 Dual Stereo Looper bietet ¼” Stereo Inputs (Line- oder Instrumenten-Level) und das angesprochene Mikrofon-Input mit Trim-Einstellungen. So sind bis zu 27dB Gain möglich; dazu gibt’s außerdem noch einen Phantomspeisungs-Switch. Ein Input Gain-Regler regelt den Gain für beide Kanäle. So kann man das Inputsignal ganz genau einstellen und man verhindert Clipping oder zu leisen Input. Das Pedal hat außerdem für beide Kanäle Clipping-LEDs, die (laut meinen Ohren) ganz knapp vor dem eigentlichen Clippen aufleuchten.

Raus aus dem Pedal geht es mittels True Stereo-Outputs (wobei Left der Mono-Kanal ist), und es gibt auch einen Anschluss für den optionalen 22500 Foot-Controller von EHX – mehr dazu später.

Schön zu sehen: Die Phantomspeisung und der SD-Kartenslot.
Electro-Harmonix 22500 Dual Stereo Looper Test: Auf der Oberseite bietet das Effektpedal unter anderem den Kartenslot und Phantomspeisung.

Electro-Harmonix 22500 Dual Stereo Looper Test – Wir basteln uns einen Loop

In meiner ersten Session mit dem EHX 22500 wählte ich eine leere Bank aus, drückte auf den Loop A-Taster (woraufhin die rote „Recording“-LED leuchtete), und nahm einen viertaktigen Rhythmuspart mit meiner Gitarre auf. Am Ende des letzten Taktes drückte ich dann nochmal auf den Taster, und sofort wurde der Loop wiedergegeben. Das wurde mir durch die grüne „Play“-LED bestätigt. Jetzt konnte ich also lustig über den Loop spielen.

Um einen Overdub zu machen, musste ich nur nochmals den Footswitch betätigen, während der Loop spielte. Alles, was ich jetzt spielte, wurde dem Loop hinzugefügt. Bei einem nochmaligen Betätigen wurde dann wieder alles „nur“ abgespielt. Um einen Overdub wieder zu entfernen, muss man den Footswitch für einige Sekunden gedrückt halten. Wollte ich diesen Overdub wiederholen, musste ich wiederum nur einige Sekunden drücken.

Um es kurz zu machen: Mit nur einer Taste erlaubt der Electro-Harmonix 22500 Dual Stereo Looper es einem, aufzunehmen, abzuspielen, einen Overdub anzulegen sowie Redo- und Undo-Funktionen. Der Stop/Tap-Footswitch stoppt den Loop dann – egal, wo er sich gerade befindet.

Electro-Harmonix 22500 Dual Stereo Looper Test – Der zweite Kanal

Möchte man den zweiten Loop-Kanal integrieren, muss man zunächst zwischen dem Parallel- und dem Sequential-Modus wählen. Der Parallel-Modus ist wie schon erklärt ziemlich eindeutig: Beide Loops werden gleichzeitig abgespielt. Das ist für Anwendungen wie zusätzliche Instrumente, Oktavenspielereien und so weiter gedacht.

Electro-Harmonix 22500 Dual Stereo Looper Test: Das Pedal auf einen Blick.
Electro-Harmonix 22500 Dual Stereo Looper Test: Das Pedal bietet viele Funktionen, ist aber dennnoch einfach zu bedienen.

Der Sequential-Modus beim EHX 22500 baut dagegen praktisch zwei komplett unabhängige Loops auf, zwischen denen man umschalten kann. Das kann man sich vorstellen wie zwei verschiedene Teile eines Songs. Ist das Pedal in diesem Modus, dann wird Loop A wie oben beschrieben aufgenommen. Sobald jedoch Loop B aufgenommen wird, wird Loop A ausgeschaltet. Wenn Loop B dann fertig aufgenommen ist, braucht man nur auf A oder B zu drücken, um zwischen den Parts zu wechseln. Beide Loops können dabei jederzeit mit Overdubs bearbeitet werden, wenn sie gerade abgespielt werden.

Electro-Harmonix 22500 Dual Stereo Looper Test – Arten der Loopaufnahme

Das Effektpedal bietet vier Arten, wie man Loops aufnehmen kann. Bei einigen von diesen bietet das Pedal dann auch noch „Hilfestellungen” an:

  • „Free Form“ erstellt den Loop anhand der Start- und Stop-Punkten, die man selbst mithilfe seines Drückens vorgibt. Hier wird nichts zurechtgebogen.
  • Die „Quantize“-Funktion macht automatisch kleine Anpassungen anhand des analysierten Tempos und Taktlänge. Dadurch werden zu lange oder kurze Pausen am Anfang und Ende eines Loops begradigt.
  • Der „Trigger“-Modus des EHX 22500 startet den Loop, sobald das Pedal ein Signal vom Instrument oder Mikrofon erhält. Das ist ideal für intuitives Aufnehmen.
  • „Loop Lock“ erschafft Loops anhand fertiger Takte der Rhythmusspuren. So hört der Loop immer am nächsten Takt auf, an dem man aufgehört hat.

Insgesamt sind 16 Rhythmusspuren im Electro-Harmonix 22500 Dual Stereo Looper, die einen Loop begleiten oder „führen“ können. Benutzer können aber genauso auch eigene erstellen und sie in das Pedal importieren. Die Einstellungen für diese Spuren umfassen den Typ, Tempo (einstellbar mittels Tap oder mit dem Interface) und Level (Lautstärke im Vergleich zum Loop). Diese von EHX „Rhythms“ genannten Spuren sind nicht auf den Loops aufgenommen, sondern unabhängig synchronisiert. Sie sind hilfreich, ohne abzulenken, ersetzen aber keine echte Rhythmussektion.

Electro-Harmonix 22500 Dual Stereo Looper Test – Weitere Eindrücke im bewegten Bild:

Electro-Harmonix 22500 Dual Stereo Looper Test – Jetzt wird’s seltsam

Jeder Kanal kann den Pitch mithilfe von Oktavenverschiebung verändern oder auch den Loop rückwärts abspielen. Dabei kann man dann sogar Overdubs darüber spielen. Interessant wird es dann so richtig, wenn man einen Loop aufnimmt, rückwärts abspielt, auf einer Gitarre eine Melodie darüber spielt…und dann die Rückwärts-Funktion ausschaltet. So spielt der Loop dann wieder normal, während diesmal der Overdub rückwärts ist!

Manchmal hatte das Pedal Probleme, wenn man Loops rückwärts spielt und diese mit einer Rhythmusspur synchronisiert – das gibt auch EHX offen zu und empfiehlt, die Spur auszuschalten, während der Loop umgedreht ist. Ist alles fertig, kann man ihn wieder anschalten.

Der „Octave“-Modus gibt Nutzern einen Effekt, mit dem die Tonhöhe des Loops eine Oktave höher oder tiefer als das Original eingestellt werden kann. Außerdem kann der Pitch gedoppelt und halbiert werden. Während die Kürzung oder Verlängerung eines Taktes besonders live stets bedacht werden muss, gibt es dem Nutzer gleichzeitig einzigartige Möglichkeiten, einen Song während des Songwritings zu strukturieren oder den Stil eines Instrumentals zu ändern. Das Pitch Shifting selbst klingt sehr natürlich.

Electro-Harmonix 22500 Dual Stereo Looper Test – Overdubbing

Der Overdub-Modus des Electro-Harmonix 22500 Dual Stereo Looper gibt mit jedem neuen Overdub ein wenig „Schmutz“ ab. Das resultiert in schönen Fades und erinnert schon fast an ein Analog Delay. Am besten kann es genutzt werden, wenn man zwei Loop-Kanäle parallel nutzt, in denen dann die Parts langsam ineinander übergehen. Aber auch nur mit einem einzelnen Loop und mehreren Overdubs macht das sehr viel Spaß.

Electro-Harmonix 22500 Dual Stereo Looper Test – Für Gitarre & Co.

Eigentlich klar: Dank der verschiedenen Inputs kann das EHX 22500 nicht nur mit einer Gitarre benutzt werden, sondern auch zum Beispiel mit einem Bass. Dank des Mikrofon-Inputs kann das Effektpedal aber auch ohne Probleme Gesang oder Akustikinstrumente (Harmonikas, Saxofone etc.) verarbeiten.

Der Mikrofoninput geht in den Left-Input und ist als entweder/oder-Schaltung konzipiert (wobei man sein Instrument live einfach durch den rechten Input schicken würde). Der Vorverstärker des Mikrofoninputs und auch die Soundqualität waren sehr gut, sowohl bei Instrumenten als auch bei Gesang. Das Pedal erhielt die Details der Stimme, auch wenn verschiedene Instrumenten-Layer im Spiel waren.

Electro-Harmonix 22500 Dual Stereo Looper Test: Die Switches selber sind komplett leise, verursachen also kein Knacken.
Electro-Harmonix 22500 Dual Stereo Looper Test: Das Effektpedal verursacht beim Betätigen der Schalter kein Knacken – sehr löblich.

Wo wir schon beim Layern sind: Es ist sehr einfach, verschiedene Backingtracks in das Pedal zu importieren. Dadurch ist die Möglichkeit gegeben, Keyboards, Backingvocals und wer-weiß-was-noch im Live-Einsatz zu nutzen. Ich habe schon Leute gesehen, die Amp Modeling betreiben, direkt auf das Effektpedal zugreifen und Backingtracks nutzen, die sie direkt vom Laptop abspielen. Mit dem EHX 22500 Dual Stereo Looper können also locker vier Sets voller Songs „Schlange stehen“ – bei den 100 Bänken kein Problem.

Der optional erhältliche Footcontroller für den Electro-Harmonix Dual Stereo Looper ermöglicht es dann, diese 100 Bänke anzuwählen, ohne die Hände zu benutzen. Das ist besonders nützlich, wenn man vorher aufgenommene Stücke wieder bringen will, die man bereits vorher in einer Performance genutzt hat. Dieses Feature ist sicherlich für den Live-Gebrauch gedacht, aber genauso kann ich es mir vorstellen, dass Leute ihre Übungssongs in den EHX 22500 importieren und es als Übungswerkzeug nutzen.

Electro-Harmonix 22500 Dual Stereo Looper Test – Kritikpunkte

Wie bereits angesprochen, muss man ein wenig aufpassen, wenn man Loops rückwärts abspielt und die bereits vorhandenen Rhythmusspuren nutzt – da kanns schon mal ein wenig Verwirrung geben. Außerdem wäre es schön gewesen, wenn man eine Oktave hoch und runter wählen kann, ohne dass man die halbe oder doppelte Geschwindigkeit auswählen muss.

Electro-Harmonix 22500 Dual Stereo Looper Test – Fazit

Es wäre vermutlich schneller zu sagen, was der EHX 22500 Dual Stereo Looper NICHT kann. Das wäre ein Pitch Shifting ohne Tempoänderung, separate Effekt Loops für die beiden Loop-Kanäle, und einen Song komplett für einen schreiben. Ansonsten aber ist nicht nur so ziemlich alles dabei, sondern der Einstieg ist sehr einfach gehalten – man denke an die ganzen Funktionen eines Footswitchs.

Die paar „Experten“-Einstellungen gehen nach kurzer Zeit auch gut von der Hand. Möchte man nur mal eben ein paar Loops aufnehmen, um zu üben, oder braucht man ein starkes Effektpedal für den Live-Einsatz, Electro-Harmonix gibt einem mehr Funktionen, als man benötigt. Gleichzeitig ist die Art der Steuerung so einfach gehalten, dass das Pedal und seine ganzen Funktionen nie „zu viel“ und störend werden. Es macht stets genau das, was man will – und zwar mit einer sehr einfachen Steuerung und zu einem akzeptablen Preis (ca. 298,- €).