Electro-Harmonix Lester G im Test: Die Rotary Speaker-Simulation als Pedal

Keiner schleppt gerne einen Leslie mit sich herum, aber viele wollen den Sound bei sich haben. Im Electro-Harmonix Lester G Test testen wir das Pedal für die Gitarristen.

Viele Modulationseffekte kommen nahe an den Leslie-Sound heran, aber am Ende sind sie eben auch nur das – Annäherungen. Der trillernde Effekt eines Chorus kann eben nicht ganz die sich bewegende Luft in einem rotierenden Leslie ersetzen, von den Röhren-Sounds mal ganz abgesehen.

Electro-Harmonix haben sich noch nie vor einer Herausforderung gedrückt und entwickelten direkt zwei Pedale für alle, die den Leslie-Sound so gerne haben möchten (sich aber nicht mit einem echten System herumplagen wollen). Sowohl der EHX Lester K als auch Lester G bieten einen Rotary-Speaker-Sound im Pedalformat. Der vorliegende Lester G ist für alle Gitarristen gedacht, das Lester K ist entsprechend das Effektpedal für alle Keyboarder.

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Electro-Harmonix Lester G Test: Features

Der EHX Lester G hat eine True Bypass-Funktion, einen Input für Expression-Pedale, echte Stereo-Outputs, dann noch Slow- und Fast-Einstellungen, und man kann die Balance zwischen den Schallhörnern und dem Bass einstellen. Außerdem gibt es noch „Acceleration“, mit der man die Übergangszeit zwischen den zwei Geschwindigkeiten einstellen kann, und außerdem kann man mittels Drive-, Sustain-, Attack- und Squash-Reglern den Gain und Attack einstellen.

Man merkt also, hier gibt’s eine ganze Menge einzustellen. So sind auch eine Vielzahl verschiedener Sounds möglich.

Electro-Harmonix Lester G Test: Auch der Overdrive ist wichtig

Electro-Harmonix Lester G Test: Die obere Hälfte...
Electro-Harmonix Lester G Test: Die obere Hälfte…

Es ist natürlich verlockend, direct den Rotary-Speaker-Effekt auszupacken, aber einer der unterschätzten und trotzdem wichtigen Aspekte des Electro-Harmonix Lester G ist, erst einmal ein “Fundament” zu bauen. Dies kann man mittels der Gain-Sektion auf dem Pedal, die unabhängige Overdrive-Einstellungen und mit den angesprochenen Attack, Sustain und Squash einen Compressor bietet.

Ist der Overdrive ausgeschaltet, kommt das Signal so raus, wie es reingekommen ist. Sobald der Drive-Regler benutzt wird, geht’s dann ziemlich rund. Der Sound des Overdrives ist nicht „übertrieben übertrieben“, hat aber einen netten kernigen, EQ-neutralen Klang, der sehr nach Röhre klingt und den nötigen Wumms hat, den viele Leslie-Simulationen vermissen lassen.

Die Compressor-Schaltung basiert auf dem Electro-Harmonix Soul Preacher, nur ohne den Volume-Regler, und die Attack-Schaltung wurde von einem 3-Wege-Schalter zu einem Drehregler umgebaut. Dadurch kann man den Kompressor genauer einstellen. Der Compressor ist übrigens ein wichtiger Teil des Leslie-Sounds (besonders, wenn man Keyboard-Parts simulieren möchte), da der Attack etwas geglättet und der Sustain verlängert wird. Das ergibt insgesamt einen sanfteren und orgel-ähnlicheren Sound. Das macht letztendlich der Squash-Regler. Der minimale Rolloff in den Höhen sorgt für noch mehr „gitarrenunähnliche“ Sounds.

Electro-Harmonix Lester G Test: Jetzt wird ge-lesliet

Jetzt haben wir unser Fundament und können uns dem Rotary Speaker-Part widmen. Mit Balance regelt man die Balance zwischen dem Bass-Lautsprecher und der Schallhörner. Mithilfe der zwei Geschwindigkeitseinstellungen kann man zwischen schnell und langsam wechseln. Bei Slow kann man die Rotation der Hörner zwischen 0,1Hz und 3,2Hz einstellen, und der Rotor bewegt sich zwischen 0,0875 und 2,8Hz. In der Fast-Einstellung betragen die Werte 1,55Hz respektive 1,475 und 23,6Hz.

Mithilfe des Acceleration-Reglers kann man dann einstellen, wie lange die Lautsprecher brauchen, um von einer Geschwindigkeit zur anderen zu wechseln – ein weiteres wichtiges Leslie-Merkmal. Das kann man zum Beispiel wunderbar benutzt werden, um eine Strophe und einen Refrain klanglich voneinander abzugrenzen. Die Übergänge können dabei fast sofort stattfinden oder bis zu fünf Sekunden dauern.

Electro-Harmonix Lester G Test:...und die untere Hälfte des Pedals.
Electro-Harmonix Lester G Test:…und hier schauen wir dem Effektpedal auf die Füße.

Bremsen kann man durch das Drücken des Fast/Slow-Footswitches. Dadurch wird die Rotation angehalten (wie schnell, hängt auch vom Acceleration-Wert ab), bis der Footswitch losgelassen wird. Dann springt er wieder zum eingestellten Wert.

Electro-Harmonix Lester G Test: Sound

Die Speaker-Simulation ist überzeugend. Der Electro-Harmonix Lester G klingt nicht nach einem Phaser, einem harmonischen Tremolo oder sonst was. Es klingt nach rotierenden Lautsprechern. Der Doppler-Effekt erschafft eine ganz leichte Asymmetrie im Sound, der dadurch wirklich dreidimensional klingt. Benutzt man die Stereo-Outputs, erhält man einen noch weitaus massiveren Sound, da die Hörner dann von Amp zu Amp geworfen werden.

Läuft der Electro-Harmonix Lester G durch einen sehr dreckig klingenden Amp, wird der Effekt etwas geändert. Das lädt dann aber wiederum zum Experimentieren mit der Signalkette ein.

Zum Sound des Electro-Harmonix Lester G gibt’s hier das offizielle Video:

Electro-Harmonix Lester G Test: Fazit

Das Pedal ist durchaus etwas größer und auch nicht das günstigste. Aber das Electro-Harmonix Lester G ist eins der am authentischsten klingenden Rotary-Speaker-Simulationen, die es gibt – und definitiv das vielseitigste und am besten ausgestattete. Mithilfe der Kompression und den kleinen, aber subtilen Einstellungen, die man machen kann, gelingen sowohl Orgel-Töne als auch coole Gitarrentöne.

Klar, man könnte auch einen Overdrive und einen Compressor vor das Lester G packen (obwohl die Acceleration-Einstellungen flöten gehen würde). So hat man aber alles in einem Pedal – und günstiger ist es dann auch allemal.

Man kann sich natürlich immer noch für einen dicken Batzen Geld einen 75kg schweren Leslie kaufen. Für alle aber, die das nicht wollen, ist das Electro-Harmonix Lester G genau das richtige Pedal.