John Petrucci Interview

Mit dem neuen „The Astonishing“-Album hat sich Dream Theater einiges vorgenommen. Wie der Saitenmeister der Band die Aufgaben angegangen hat, lest ihr im John Petrucci Interview!

„Sowas macht man nicht mit jedem Album“, sagt Petrucci trocken über das neue zweiteilige Konzeptalbum „The Astonishing“ [Roadrunner], das Dream Theater kürzlich veröffentlicht hat.

Die Aussage ist natürlich sehr richtig; das 34 Songs umfassende Album ist fast genau 16 Jahre nach dem letzten Konzeptalbum „Metropolis Pt. 2: Scenes from a Memory“ erschienen. Ein Grund, wieso man sich damit so lange Zeit gelassen hat, war laut Petrucci, dass man den Fans einen „besonderen Moment“ geben wollte. Vor zweieinhalb Jahren dann hatte er das Gefühl, die richtige Story zu haben – eine Geschichte von Rebellen, die sich gegen eine Tyrannei auflehnen – und er entschied, dass die Produktion vielschichtige sein müsse: mit Orchester und Chor (arrangiert von David Campbell), einer Multimedia-Tour, sogar ein Videospiel und eine Novelle.

Sich selbst übertrug er die nicht gerade einfachste Aufgabe von allen: Er wollte „The Astonishing“ anders als alle bisherigen Dream Theater-Veröffentlichungen erscheinen lassen – und dabei immer noch wie Dream Theater klingen.

John Petrucci Interview – Die Gitarre als Anhaltspunkt

Eine wahrlich monumentale Aufgabe, der Herr! Also, wie hast du es hinbekommen, die klangliche Welt der Band zu erweitern, gleichzeitig aber den Kern von Dream Theater beizubehalten?

Das war alles die Gitarre. Dieses Projekt ist sehr groß, dramatisch. Wir verlangen von unseren Fans, mehr als zwei Stunden neue Musik zu hören, basierend auf einer Geschichte, die sie nie gelesen haben, und mit uns musikalisch neue Plätze zu besuchen, die sie von uns nicht kennen. Es gibt symphonische Instrumente, Dialog, Soundeffekte, Chöre und weitere Dinge, die nicht Dream Theater-typisch sind.

Ich hatte das Gefühl, ich müsste alles irgendwie „grundieren“, also sollte die Gitarre einfach sehr typisch klingen. Mein Ton sollte durchweg sehr leicht zu identifizieren und sehr konstant sein, also eine Art Klebstoff sein. Der Hörer sollte meine Gitarre hören und direkt wissen, das ist Dream Theater – egal, was sonst noch passiert.

War es eine Herausforderung, den Gitarrensound durch ein ganzes Orchester hindurch hörbar zu machen?

Nicht wirklich, und zwar aus ein paar Gründen. David Campbell sagte zu mir, wenn man echte Menschen mit echten Instrumenten nutzt, ist das Spektrum sehr viel eher zu verwalten, als wenn man nur Samples genommen hätte. Das sei eher eine digitale Quelle, die voll beim Hörer einschlägt. Der Touch und die Dynamiken der Orchestermusiker konnten also sogar Raum schaffen, obwohl viele Leute spielen.

Wenn eine Stelle tatsächlich zu groß wurde, haben wir mit dem EQ ein paar Tricks gemacht, zum Beispiel die tiefen Frequenzen etwas herausgenommen, die ansonsten den Gitarrensound überdeckt hätten. Am wichtigsten war aber das Konzept: das Orchester sollte den dramatischen Effekt verstärken, aber nicht die Band übertönen. Es war also nicht „Symphonic Dream Theater“. Außerdem hatten wir Rich Chycki als Mischer dabei. Er ist ein Meister seines Fachs; die Band geriet also nie in den Hintergrund.

Es ist interessant, dass du ein so großes Konzept – was mit Sicherheit viele verschiedene Gitarrensounds erfordert – nur mit deiner neuen Ernie Ball Music Man Majesty, deinem Signature Mesa/Boogie-Amp, einer Taylor 6-Saiter und 12-Saiter und einem neuen Dunlop Signature Wah angehst. Das war es doch im Großen und Ganzen?

So ziemlich. Aber ein paar coole Sachen sind passiert, die das ermöglichten. Bei den E-Gitarren habe ich meine neueste Signature verwendet, die Music Man Majesty Artisan 6- und 7-Saiter, allesamt unglaubliche Instrumente. Meine JP-15 habe ich für einen Song benutzt, der Rest war alles die Majesty.

John Petrucci Interview: John spielt seine “Majesty”:

John Petrucci Interview – Vergangenes inspiriert Neues

Wie kamst du auf den Gedanken „Okay, ich benutze auf diesem Album nicht für jeden Part eine andere Gitarre“?

Das ist eine gute Frage. Alle meine Signature-Gitarren sind auf ihre Weise toll. Bei der Majesty haben wir einfach alles behalten, was wir über die Jahre bei meinen Gitarren richtig gemacht haben – die Halsform, der Radius, Bundgröße und so weiter. Aber die Majesty ist die erste Neck-Through, und durch das Gewicht, den besseren Zugang zu den höheren Bünden und die Form fühlt sich die Gitarre wie eine Verlängerung meines Körpers an.

Es ist also ein ergonomisches, einfach zu spielendes und sehr lebendiges Instrument. Durch die tolle Resonanz ist sie sehr ausdrucksstark, auch beim Aufnehmen. Ich nahm zwar ein paar andere Modelle mit ins Studio, aber als ich eine der Majesty-Gitarren nahm, dachte ich mir „Wieso suche ich noch? Das ist die Richtige.“

Wie halfen deine älteren Gitarren bei der Entwicklung der Features, die du jetzt hast?

John Petrucci Interview: Die Music Man Majesty
John Petrucci Interview: Petrucci’s Signature-Gitarre, die Music Man Majesty. (Bild: Hersteller)

Einige Prototypen haben wir sehr detailliert entwickelt. Manchmal ging es in den Diskussionen darum, was ich fühlte und von älteren Modellen wusste. Manchmal ging es aber auch um konzeptuelle Dinge:„Wenn wir das ändern, wird es vielleicht etwas komfortabler.“ Die originale Music Man Bridge zum Beispiel hatte individuelle Sattel, die irgendwie quadratisch waren. Da meine Hände ständig auf der Bridge liegen, spürte ich die scharfen Kanten, also rundeten wir sie ab.

Außerdem gucke ich immer, dass man leichter an die hohen Bünde kommt, also änderten wir zwei Dinge. Einmal sind die Hörner etwas kleiner, sodass sie nicht immer an die Handgelenke kommen, aber es ist immer noch angenehm, sie auf die Beine zu legen.

Die andere Idee kam von Sterling [Ball, Music Man CEO]. Jeder redet über das untere Horn, aber keiner schaut sich das obere an. Wenn man in den oberen Bünden bendet, kann dein Daumen nur so weit, bis der Korpus an den Hals kommt. Sterling hatte die Idee, das obere Horn etwas umzuarbeiten, sodass man mit den Händen richtig dahin kommt.

Wie kam es zu der Boogie-Geschichte?

Das ist sehr aufregend. Nachdem ich ihnen ewig in den Ohren lag, einen Signature-Amp zu machen, stimmten sie endlich zu. Der Amp auf dem kompletten Album ist mein Signature-Amp, der Mesa/Boogie JP-2C.

John Petrucci Interview Seite 2: Die Features des JP-2C, sein Signature Wah und Tipps für junge Musiker!