Keith Richards 2015 im Studio, Foto: Universal Music

Ein Keith Richards Interview über sein neues Album, die Rolling Stones, Wegbegleiter, Gitarren-Technik und Familie – alles in 7 Kapiteln!

Autor Marc Maron traf den Rolling-Stones-Gitarristen Keith Richards zum Interview, das wir euch hier als autorisierte deutsche Übersetzung liefern!

Wer das Interview mit Keith Richards im Original hören möchte, findet auf dieser Seite den Podcast von Marc Maron. Für die Textversion haben wir zum besseren Verständnis die Fragen und Antworten teilweise neu sortiert. Inhaltlich wurde aber nichts verändert.

Crosseyed Heart – das aktuelle Album

Ich habe mir Dein neues Album einige Male angehört. Es ist alles drauf, was Du liebst: eine Soulballade, Country, eine Reggae-Nummer. Für das erste Stück gehst Du stilistisch noch weiter zurück.

Ja, das ist eine Hommage an Robert Johnson.

Keith Richards: Crosseyed Heart
Keith Richards: sein aktuelles Album “Crosseyed Heart”

Es ist fast wie „Hellhound On My Trail“. Man kann Dein Atmen und Fingerknirschen hören, es ist sehr roh und organisch, als wolltest Du sagen: „Das ist alles, was ich habe – das Riff.“ Es ist fast wie eine Blues-Meditation.

Ich dachte, wenn wir Blues auf dem Album bringen, dann kann es auch direkt der Opener sein. Eine Ouvertüre, wie am Anfang eines Films.

Und dann beendest Du das Album mit „Good Night Irene“ von Lead Belly, einem weiteren Blues, diesmal aber eher im Folk-Blues-Style. 

Ja, ich wollte ein paar klassische amerikanische Folk-Songs. Zu der Zeit hat Tom Waits mir ein dickes Buch über Lead Belly geschickt. Es war gerade angekommen, und ich hatte es auf den Tisch gelegt. Ein paar Stunden später kommt seltsamerweise Pierre de Beauport rein, mein Gitarrentechniker, mit einer 12-saitigen Gitarre. Ich sehe das Buch an, das Tom Waits mir gerade geschickt hatte. Ich sehe die 12-saitige Gitarre an. Da wusste ich: Ich hatte keine Chance – ich musste „Good Night Irene“ spielen, ich hatte den „Auftrag“.

Manche von diesen alten Sachen sind ziemlich eindringlich, fast gespenstisch, oder?

Oh ja, Lead Belly ist ziemlich deep. Und ich habe den Originaltext gefunden, der viel dreckiger ist als die Version, die dann als amerikanischer Folksong bekannt wurde. Man kennt heute eher die gesäuberte Version; sogar die Black and White Minstrels [aus der gleichnamigen BBC-Show, die bis in die 70er Jahre mit rassistischen Blackfacing-Gags arbeitete, Anm. d. Übers.] haben sie gesungen.

Es gibt ein paar Stücke auf dem neuen Album wie „Amnesia“ und „Nothing On Me“, die das Überleben zu feiern scheinen.

(Lacht) Ja, auf eine Art ist das wohl so. Im Grunde geht es aber in „Nothing On Me“ darum, hochgenommen zu werden. Erst als ich die Platte komplett angehört habe, ist mir aufgefallen, dass die Bullen oft auf der Platte vorkommen. In „Robbed Blind” auch.

Aber Du hast es doch [auf die legale Seite] geschafft – Du wirst nicht mehr gesucht, Du bist jetzt bei den „Guten”!

Darauf gibt es keine Garantie…

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