Lemmy: Das letzte Interview (Foto: BassPlayer.com)

Dieses Interview gab Lemmy kurz vor seinem Tod den amerikanischen “Bass Player”-Magazin. Wir präsentieren es hier in einer offiziell lizensierten deutschen Fassung.

Dies ist eins der letzten Interviews, das Lemmy noch kurz vor seinem Tod unseren Kollegen gab.

Lemmy Interview – Triumph oder Tod

Führt man sich die gesundheitlichen Probleme der letzten Zeit vor Augen, könnte man diese drei Worte persönlich nehmen, aber auf tiefgründige Weise trifft es auch auf Motörheads Vermächtnis zu.

Als Motörhead in den späten 70ern die ersten Platten veröffentlichten, erschien es unwahrscheinlich, dass es die Band rund 40 Jahre und 22 Alben später immer noch geben würde – aber so ist es [Anm. der Redaktion: Mittlerweile hat Mikkey Dee die Auflösung der Band Motörhead bekanntgegeben]. Laut Lemmy (der den Sex, Drugs, and Rock’n’Roll-Ethos verkörperte wie kein anderer, außer vielleicht Keith Richards) kann man die Karriere von Motörhead am besten bezeichnen mit „sturer, verbissener Beharrlichkeit und dem Unwillen, auf Beweise zu hören“.

Lemmy Interview – Die Anfänge

Lemmy wurde als Ian Fraiser Kilmister am 24.12.1945 geboren. Es wurde niemals offiziell bestätigt oder bestritten, aber der Spitzname „Lemmy“ kommt angeblich von dem Satz „Lemme (lend me) a quid until Friday“, da er sich also stets Geld auslieh. 1964 begann er in Liverpool mit Rock’n’Roll (damals noch mit den Rockin’ Vickers) und hatte, kurz bevor er sich den Prog-Rockern Hawkwind anschloss, einen fast schon sagenumwobenen Job als Roadie von Jimi Hendrix.

In Hawkwind wurde er vor allem durch sein Gespür für Melodie und seine einfallsreiche Arbeit mit Akkorden bekannt, vor allem auf Alben wie “Warrior on the Edge of Time”. Nach einer Festnahme in Kanada wurde er 1975 gefeuert.

Lemmy Interview – Motörhead

Kurz danach gründete Lemmy Motörhead, die einige Alben veröffentlichten, bevor sie mit Ace of Spades weithin bekannt wurden. Im Laufe der Karriere wurde Lemmys fast schon gitarrenähnliches Spiel zu einem festen Bestandteil und klarem Erkennungszeichen der Band. Das erste Live-Album „No Sleep ‘Til Hammersmith“ brachte der Band einen Kultstatus ein; Bands wie Metallica bezeichnen Motörhead oft als Vorgänger des Speed Metals.

Auf jeden Fall jedoch waren sie Wegbereiter des New Wave of Britsh Heavy Metal, aber im Gegensatz zu Bands wie Judas Priest ist Motörhead nie ganz im Mainstream angekommen.

Und selbst wenn sie doch etwas „schaffen“, bekommen sie zweifelhafte Komplimente: So bekamen sie 2005 einen Grammy – jedoch „nur“ für ihr Cover von Metallica’s Whiplash. Sie haben 15 Millionen Alben weltweit verkauft, sind aber oft nur Opener für größere Bands.

In der Szene ist Lemmy so groß, dass er von beinahe jedem in irgendeiner Form konsultiert worden ist – sei es Ozzy Osbourne (Lemmy war Co-Writer von vier Hits auf “No More Tears”) oder Dave Grohl (er lud ihn ein, an seiner Supergroup Probot teilzunehmen). Er hat sogar für WWE-Wrestler Triple H Songs geschrieben, und dennoch: Motörhead existierte immer in der Peripherie.

Lemmy beschrieb es so:„Wir sind die ultimative Underdog-Band. Die größte Underdog Underdog-Band, die es jemals gab.“

Lemmy Interview – Bad Magic

Bad Magic ist das 22. Studioalbum von Motörhead, und obwohl es einem bekannten Muster folgt, hat es einen Unterton von Direktheit und Unmittelbarkeit an sich. Das introspektive und beißende „Till the End“ ist ein großartiges Beispiel für Lemmys markanten Ton, der klar durch den Mix schneidet und als Kontrast zu den akustischen Gitarren steht.

Seine Art und Weise, wie er sich Bill Wymans „Sympathy for the Devil“ und den Bassnoten annimmt, ist eine bombastische Hommage an seine frühesten musikalischen Einflüsse. Schnelle und fiese Nummern wie „Thunder and Lightning“ und „Shoot out all of your lights“ sind klassische Motörhead-Songs, die zeigen, dass die Underdogs auch mit 70 Jahren keinen Deut langsamer geworden sind. Für Lemmy war die Mission immer „Triumph oder Tod“.

Wie fangt ihr an, für ein neues Album wie Bad Magic Songs zu schreiben?

Wir machen es immer anders. Manchmal habe ich die Idee für einen Song, mal ist es Phil [Campbell, Gitarre], der einen Riff hat. Manchmal habe ich ein paar Wörter, zu denen wir Musik schreiben, oder wir haben ein paar Riffs, über die ich dann ein paar Textzeilen lege. Ich mache die Texte alleine, aber davon abgesehen macht jeder irgendwas.

Schreibt ihr Material, bevor ihr ins Studio geht?

Wir haben die Riffs immer, bevor wir ins Studio gehen. Wir machen aber auch mal spontan etwas. Bisweilen haben wir auch Riffs, die so nicht spielbar sind, also schlucken wir die bittere Pille und basteln sie uns zurecht.

Lemmy Interview – Der Bass und die besondere Rolle in Motörhead

Nehmt ihr den Bass vor den Vocals auf?

Zzuerst kommen meist die Drums, mit einem Scratchtrack der Gitarren. Dann nehmen wir die Rhythmus-Gitarren neu auf, und dann kommt mein Bass. Dann kommt Phil wieder rein, macht ein paar Soli, und als letztes dann kommen die Vocals. Mickey [Dee, Schlagzeug] war echt entsetzt, als er das zum ersten Mal erlebt hat. „So könnt ihr doch nicht arbeiten!“ – „Klar, können wir“, meinte ich. Wir fangen einfach bei 0 an.

Benutzt ihr ein paar der Vorteile von Aufnahme-Techniken, so wie ein Clicktrack?

Mickey benutzt das manchmal, weil er manchmal etwas schneller wird. Aber eigentlich ist er ziemlich gut. Ich und Phil benutzen es nicht, weil wir es noch nie benutzt haben. Ich weiß noch nicht mal, wie man es benutzt. Es bringt mich raus. Ich hab‘ einen natürlichen Rhythmus, Baby! [lacht]

Spielst du im Studio auf dem Bass andere Sachen als live?

Nein, es ist ziemlich genau das gleiche. Im Studio kann man es so machen, dass man alles hört. Auf der Bühne muss ich manchmal zwei Saiten anschlagen, um es lauter zu machen – die leere Saite und den Ton. Zum Glück schreiben wir viele Songs in E, A und D. [lacht]

Auf Seite 2 geht das Lemmy Interview weiter: Lemmys Spielweise, seine Meinung über den Speed Metal-Einfluss und vieles mehr!