Megadeth Dystopia: Der Workshop zum neuen Album!

Sollten Megadeth nicht auf deiner Liste der größten Twin Lead Guitar-Bands stehen, hast du wahrscheinlich einiges nachzuholen. Im Megadeth Dystopia Workshop haben Mustaine und Loureiro einige Tipps für dich!

Seit dem Debüt des Quartetts 1985 hat sich Chef Dave Mustaine mit einer ganzen Reihe Gitarren-Superhelden wie Chris Poland, Marty Friedman, Glen Drover, Chris Broderick und Al Pitrelli zusammen getan. Gemeinsam schrieben sie währenddessen eines der bahnbrechendsten Kapitel der Metalgitarren-Bibel. Für das neueste Album von Megadeth, “Dystopia”, warb Mustaine die brasilianische Gitarrensensation Kiko Loureiro als seinen neuen Partner an.

Auf guitarheaven.de gibt’s auch ein Interview mit den beiden: Klick hier!

Das Album ist eine Fundgrube halsbrecherischer Thrash-Riffs, klassisch beeinflusster Melodien und wahnsinnigem Dual-Shredding und wird sowohl von Fans als auch Kritikern als Rückkehr zu alter Stärke gefeiert.

Während die Band kürzlich für mehrere Abende in New York gastierte, konnten wir uns mit Mustaine und Loureiro zusammensetzen, um die Feinheiten des Titeltracks Dystopia zu entschlüsseln. Ich habe alles in Standard Tuning notiert, Dave und Kiko stimmen ihre Gitarren jedoch einen ganzen Ton tiefer (D, G, C, F, A, D, tief nach hoch).

Megadeth Dystopia Workshop – Abbildung 1 und 2

Megadeth Dystopia Workshop: Abb. 1A-B

ABBILDUNG 1A zeigt eine Reihe von Barock-ähnlichen Akkord-Voicings, die während des Intros über der offenen D-Saite gespielt werden. Um den Rhythmus der Aufnahme hinzubekommen, solltest du jeden Akkord auf der Zählzeit „Vier-und“ spielen und für acht Schläge halten.

Mustaine sagt, dass die Chord-Sequenz in ABBILDUNG 1B von Beatles-Songs wie „Michelle“ und „Cry baby cry“ inspiriert wurde, und bei der eine absteigende Single Note Linie durch einen ansonsten feststehenden Akkord läuft. Diese liefert die harmonische Struktur hinter der Eröffnungs Figur von „Dystopia“ in ABBILDUNG 2.

Megadeth Dystopia Workshop: Abb. 2

Megadeth Dystopia Workshop – Abbildung 3

Von Mustaine als „kreisförmiges“ Riff beschrieben, sind die in ABBILDUNG 3 beschriebenen Single Notes, die über ein offenes D Drone gespielt werden, eine sparsame, aber effektive Begleitung für die Verse des Songs. Spiele den Ton, der in Takt 1 in Klammern gesetzt ist, in der Wiederholung als Variation des Riffs. Pass auch gut bei den Power Chord Punches von G#5 zu A5 im zweiten Ende auf. Mustaine betont, diese mit mit kurzen Stakkato-Abschlägen zu spielen, damit sie so heavy und brutal wie möglich klingen.

Megadeth Dystopia Workshop: Abb. 3

Megadeth Dystopia Workshop – Abbildung 4

Die treibenden Rhythmen des Verses heben sich schön von der melodischen Triolen-Linie ab, die die Phrase beendet und in ABBILDUNG 4 notiert ist. Verstehe die weiten Notenpaare Intervalle, Quinte, kleine Sexte und kleine Septime in den letzen beiden Takten. Diese verdeutlichen auf clevere Weise G5 und E7 Akkorde.

Megadeth Dystopia Workshop: Abb. 4

Megadeth Dystopia Workshop – Abbildung 5

Für das Solo des Songs tritt Loureiro ins Rampenlicht und beginnt mit einer melodischen Linie. Diese wird über Am und C Harmonien auf nur einer Saite gespielt und ist in ABBILDUNG 5 demonstriert.

Megadeth Dystopia Workshop: Abb. 5

Megadeth Dystopia Workshop – Abbildung 6A-B

Nach der lyrischen Eröffnung schaltet Loureiro mit einer Hybridpicking-Technik, die von seinem Interesse für Fingerstyle und klassische Gitarre entstammt, einen Gang höher. Um diesen Sound zu erreichen, greifst du den D5 Akkord wie in ABBILDUNG 6A beschrieben, mit Zeige-, Mittel- und kleinem Finger und spielst das Arpeggio von tief nach hoch. Loureiro verwendet sein Plektrum, den Mittel- und den Ringfinger, um die Saiten anzuschlagen. Es funktioniert aber auch, wenn man es komplett Fingerstyle mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger zupft. Der Trick ist, den Druck der linken Hand sofort nach jedem Ton zu lösen, um jeder Note ein Stakkato-Attack zu verleihen.

Megadeth Dystopia Workshop: Abb. 6A

Hast du das erstmal drauf, rutscht du es wie in ABBILDUNG 6B gezeigt den Hals hinauf. Dies ist nicht haargenau was Loureiro spielt. Es gibt aber einen Anhaltspunkt, wie du diesen coolen Trick in dein eigenes Solospiel übernehmen kannst.

Megadeth Dystopia Workshop: Abb. 6B

Megadeth Dystopia Workshop – Abbildung 7

Wie in vielen der bekanntesten Megadeth-Songs hat „Dystopia“ im Finale eine komplett andere Tonart und ein anderes Tempo. Das Hauptriff dieses Teils (ABBILDUNG 7) wurde um eine F# Blues Skala gebaut. Es gibt aber einen eingeschobenem A5 Power Chord (der Durterz zum Grundton) und einen G (b9) im letzen Takt für die richtige Portion Dissonanz.

Megadeth Dystopia Workshop: Abb. 7

Megadeth Dystopia Workshop – Abbildung 8

Der Song baut das Finale mit einer Reihe harmonisierter Variationen einer F# Moll Melodie auf. Die letzte zeigen wir in ABBILDUNG 8. Diese Phrase ist doppelt cool, da die harmonische Bewegung auf das ursprüngliche Riff zu Beginn des Songs zurückblickt. Außerdem entschieden sich Mustaine und Loureiro gegen altbewährte Terz-Voicings, sondern spielen hauptsächlich Quarten, die wesentlich spannender klingen.

Megadeth Dystopia Workshop: Abb. 8

Megadeth Dystopia Workshop: Abb. 8B

Megadeth Dystopia Workshop – Abbildung 9

„Dystopia“ bietet an sich schon eine ganze Wagenladung an coolen Gitarrenparts. Zum Schluss wollen wir aber auch noch auf eins von Mustaines neuen Lieblingsriffs schauen. Das ist das irre Opening von „The threat is real“ in ABBILDUNG 9. Um dieses nach dem mittlerem Osten klingende Motiv auf das erforderliche Hyperspeed Tempo zu bringen, beginnst du ganz langsam mit Wechselschlag und beherzigst die Platzierung von Pull Offs und Slides. Mega cool!

Megadeth Dystopia Workshop: Abb. 9

© GuitarPlayer, 07/2016, courtesy of NewBay Media, 2016