5 Wege zu Adeles Klaviersound

Die schlichte Eleganz der Klavierparts auf Adeles letztem Album „25“ liefert die perfekte Ergänzung zu ihrer herausragenden Stimme. Wir zeigen ein paar Möglichkeiten, die Art von Adeles Klaviersound in deine eigene Musik einzubauen.

1. Rhythmische Akkorde

Adeles Pianosound: Abb. 1 (Foto: Keyboardmag.com)

Das erste Beispiel unseres Piano-Workshops basiert auf Adeles und Greg Kurstins Mega-Hit „Hello“, dem Opener auf „25“. Der Song beginnt mit einem stetigen, den Gesang umspielenden, rhythmischen Ostinato.

Der im ersten Takt zu findende Rhythmus taucht in der modernen amerikanischen Musik relativ häufig auf: Eine punktierte Viertelnote, gefolgt von einer angebundenen Achtelnote, bringt Bewegung in den Rhythmus.

Die akkordischen Noten stehen in Äolisch-A (A-Moll; A,B,C,D,E,F,G). Wenn du an eigenen Akkordläufen arbeitest, solltest du versuchen, die Noten der verschiedenen Modi als Dreiklänge zu harmonisieren. Auf diese Weise stehen sofort sieben diatonische Akkorde zur Verfügung, die im ausgewählten Schlüssel funktionieren. Die Noten der linken Hand stehen in Oktaven, um dem Bass mehr Druck zu verleihen.

2. Diatonische Harmonien

Adeles Pianosound: Abb. 2 (Foto: Keyboardmag.com)

Im zweiten Beispiel geht es um diatonische Harmonien. Es lehnt sich an Adeles „When We Were Young“, auch von „25“ entnommen, an. Die linke Hand spielt im Bass nur einzelne Töne, um den Sound auszudünnen.

Die von mir gewählte Akkordfolge ist an die Klassik angelehnt und verdeutlicht ein paar interessante harmonische Möglichkeiten, die die Dur-Skala, in diesem Fall B-Dur (Bb, C, D, Eb, F, G, A), mit sich bringt.

Der halbtaktige Rhythmus funktioniert gut mit einer darüber stehenden komplexen Stimme wie der von Adele. Manchmal ist es besser, die Harmonie nur zu skizzieren.

3. Pedal Power

Adeles Pianosound: Abb. 3 (Foto: Keyboardmag.com)

Beispiel 3 kommt mit Sustain Pedal und steht im Dreivierteltakt. Die rechte Hand schlägt die Dreiklänge an, nimmt die Akkorde ins Pedal und spielt die im Takt folgenden Noten leicht. Diese Akkordfolge steht in der Paralleltonart zu G-Dur, E-Moll (E, Fis, G, A, B, C, D) und basiert auf dem Klavierpart in „Remedy“ von Adele und Ryan Tedder.

Lass das Pedal am Ende jedes Taktes vorsichtig los und drück es nach dem Anschlag des darauf folgenden Akkords erneut herunter.

Die allein stehenden Noten sind Arpeggios der Akkorde und haben einen harfenähnlichen Effekt, wenn sie mit Pedal gespielt werden. Der E-Mollakkord im letzten Takt sollte ausklingen.

4. „Bezauberndes“ Delay

Adeles Pianosound: Abb. 4 (Foto: Keyboardmag.com)

Das vierte Beispiel wurde von Adeles „Sweetest Devotion“ inspiriert und sollte mit einem Delay-Effekt auf dem Klavier gespielt werden. Unser Beispiel steht im Viervierteltakt mit einer Delaywiederholung auf jeder Viertelnote. Experimentiere im Part mit dem EQ, zum Beispiel mit einer Betonung der mitteleren Frequenzen, sodass eine gewisse Frequenz stärker hervortritt.

Diese Technik kann den perfekten Raum in einem Mix für einen ungewöhnlichen Klavierpart schaffen.

5. Sus-Akkorde und Synkopen

Adeles Pianosound: Abb. 5 (Foto: Keyboardmag.com)

Beispiel 5 ist eine Studie zur Nutzung von Sus-Akkorden (Vorhaltakkorde) und Synkopierung. Angelehnt an die stechenden Pianorhythmen in Adeles Song „Water Under The Bridge“, wird dieser Teil von einer einfachen One-Note-Basslinie unterstützt und ist durch eine Sechzehntelsynkope am Ende jedes zweiten Taktes gekennzeichnet. Diese Synkope verleiht dem Track eine unterschwellig aggressive Bewegung.

Versuche, die Sechzehntelnoten auf verschiedene Sechzehntelzählzeiten zu verschieben, und achte darauf, wie die Verschiebungen das Grundfeeling verändern. Das Beispiel steht in C-Dur (C, D, E, F, G, A, B) und beinhaltet ein paar ungewöhnliche Akkorde im letzten Takt.

Der A-Moll/D-Chord ist ein D-Moll-9er ohne Terz, der G/A wird von Jazzern 7sus4-Akkord genannt.

Experimentiere, indem du Dreiklänge mit ungewöhnlichen Bassläufen kombinierst und du wirst deine eigenen aufregenden Voicings entwickeln!

Praxistipp Adele-Piano

Brian Charette (Foto: Keyboardmag.com)„Versuche, ein paar dieser Beispiele mit zeitweise gedrücktem linken Pedal zu spielen, mit dem du dem Klavier einen wärmeren, glockenartigeren Klang entlocken kannst“, sagt Keyboarder und Komponist Brian Charette, der schon mit Künstlern wie Joni Mitchell, Michael Buble und Rufus Wainwright performt und aufgenommen hat.

Charette gewann 2014 den „Rising Star Organ Award“ des Downbeat Magazines und feierte kürzlich den Release seines Albums „Alphabet City“.

Sein neues Buch heißt „101 Hammond B-3 Tips: Stuff All the Pros Know and Use“, mehr darüber auf briancharette.com.

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