Vonda Shepard

Musik zu spielen ist sowohl eine Sache für Körper und Geist. Daher muss man sich bei den Vorbereitungen für eine Show auch um diese beiden Bereiche kümmern.

Neben den folgenden musikalischen Tipps kann ich gar nicht genug betonen, wie wichtig es ist, an vier bis fünf Tagen Sport zu machen. Diese “rohe” und mit Schweiß verbundener Aktivität hilft dir dabei, dein Immunsystem aufzubauen und setzt Endorphine frei. Gleichzeitig baut es Stress ab und entspannt sowohl Stimme als auch Körper. Hier sind fünf weitere Tipps, die ich persönlich verwende, um mich auf eine Live-Show vorzubereiten.

1. Routine, Routine, Routine

Neben einer guten körperlichen Verfassung solltest du ein täglich die gleichen Aufwärmübungen machen. Für mich als Sängerin ist die effektivste Methode, die ich gefunden habe, unter der Dusche für 10 Minuten mit dem Summen von Skalen und Arpeggios zu beginnen. Der Wasserdampf öffnet meine Stimme. Dann setze ich mich ans Klavier, um Skalen und Arpeggios richtig zu üben. Dabei starte ich mit geschlossenen Vokalen wie „i“ und „u“ und mache dabei alle zwei Minuten eine Pause. Danach wechsle ich ganz langsam zu offeneren Vokalen wie „e“ und „a“. Dieses konsequente Üben trainiert sowohl die Stimme und auch das Keyboardspiel.

2. Beachte deine Setliste

Für gewöhnlich übe ich zunächst alleine und arbeite eine Setliste zwei oder drei Wochen aus, bevor ich mit den Bandproben beginne. Ich brauche diese Zeit, um mir sicher zu sein, welche Songs mich am meisten emotional berühren. Das kann ein alter Song von meinem ersten Album oder ein ganz neuer Song sein. Dein Publikum kann deine Authentizität und deine Überzeugung fühlen, wenn du spielst – oder eben das Fehlen davon. Wähle also die Songs, bei denen du sicher bist, dass du sie mit deiner Seele füllen kannst. Und so ist es wichtig, dass du deine Setliste ausgeglichen mit altem und neuem Material gestaltest. Über die Jahre habe ich gelernt, dass man eine „freie Stelle“ in seinem Set kreieren kann, an dem man einen neuen Song direkt hinter einem bekannten spielen kann.

3. Geh entspannt auf die Bühne

Der Tag deiner Show beginnt in Wirklichkeit mit der Nacht zuvor. Also achte darauf, ein bisschen Schlaf zu bekommen. Ich habe für gewöhnlich eine Morgenroutine mit Kaffee, Frühstück und Tagebuch schreiben, bevor ich dann ins Fitnesscenter gehe. Aber wenn ich durch den Tourstress erschöpft bin, zögere ich keine Sekunde, schnappe mir meine Ohrstöpsel und mache ein Nickerchen. Vor dem Soundcheck mit der Band wärme ich mich dann gründlich auf und plane das Abendessen drei Stunden vor der Show ein. So fühlt sich mein Körper wohl auf der Bühne.

4. Kenne dein Equipment

Egal, ob du unzählige elektronische Instrumente oder nur ein einziges akustisches spielst: Wichtig ist, dass du das benutzt, was deinen Sound am besten zu deinem Publikum bringt. So habe ich beispielsweise einen sehr präzisen technischen Leitfaden entwickelt, damit ich stets nach mir klinge, egal, wo auf der Welt ich gerade bin. Heutzutage nehme ich sogar immer mein eigenes Piano-Mikrofon mit (das Earthworks PM40T System), das einfach aufzubauen ist, sehr natürlich klingt und störende Nebengeräusche reduziert.

5. Nimm den günstigen Augenblick wahr

Du musst dich nicht an deine festgelegte Setliste, Bühnenprogramm oder die Choreografie halten. Spontan und offen auf der Bühne zu sein ist ein Geschenk für dein Publikum und auch für dich – obwohl es immer gut ist, ein paar lustige Zeilen und eine handvoll tolle Geschichten parat zu haben, um das Eis zu brechen. Als ich in den 80ern mit Al Jarreau gesungen und Keyboard gespielt habe, habe ich so viel gelernt, als ich ihn beobachtete, als er ein neues rhythmisches Pattern mit seiner Stimme vor 16.000 Leuten ausprobierte. Er erlaubte es sich, ganz in dem Moment zu sein, die Magie ist. Wenn ich jetzt einen Song singe, versuche ich, ganz tief in ihn zu sinken. Ich schiebe ablenkende Gedanken beiseite und tauche ganz tief ein – selbst wenn ich den Song schon 5.000 mal gespielt habe.

© Keyboard, courtesy of NewBay Media, 2015