Electro-Harmonix Lester K

Viele Modulationseffekte kommen nahe heran an den originalen Leslie-Sound, aber sie sind eben nur das…Annäherungen. Die schnellen Bewegungen eines Chorus Effekts repräsentieren nicht die Luftbewegungen, die ein rotierender Lautsprecher verursacht.

Außerdem hört man nicht den „Schmutz“ der Röhrenvorverstärker. Electro-Harmonix stellen sich gerne Herausforderungen. Deswegen haben sie nicht nur ein, sondern gleich zwei Pedale entwickelt, die den echten Leslie-Sound originalgetreu wiedergeben sollen. Das Lester G wurde extra auf Gitarrensounds ausgelegt (den Testbericht des Electro-Harmonix Lester G gibt’s hier), und das Lester K dementsprechend für Keyboards.

Schauen wir uns mal an, wie der Keyboard-Bruder abschneidet.

Electro-Harmonix Lester K Pedal – Informationen über die Features

Electro-Harmonix Lester K im Test
EHX Lester K

Das Electro-Harmonix Lester K bietet einen True Bypass, eine Buchse für ein Expression Pedal, echte Stereo Outputs, Regler für langsame und schnelle Leslie-Sounds, den Mix zwischen dem Hochtöner und dem Bass, und außerdem sind Gain- und Attack-Einstellungen mittels des Drive-Reglers machbar. Betrieben wird es übrigens mit einem normalen 9V-Netzteil.

Ein wichtiger Teil eines Leslie-Sounds ist ein ordentlicher Gain – damit fangen wir mal an. Wenn der Drive-Regler komplett runtergedreht ist, ist das Signal komplett „clean“. Sobald man den Regler jedoch aufdreht, wird es ziemlich schnell ziemlich dreckig.

Die genaue Overdrive-Schaltung im Electro-Harmonix Lester K ist zwar nicht bekannt, aber man kann ihn gut als einen kernigen, EQ-neutralen Sound beschreiben.

Das Pedal klingt nicht nur einfach nach Röhre, sondern bietet genau den „Drive“, den viele andere Leslie-Simulationen nicht bieten.

Electro-Harmonix Lester K Pedal: Auf die richtigen Einstellungen kommt’s an

Nachdem wir die Preamp-Sektion beschrieben haben, gehen wir über zum Rotary-Teil an sich. Mithilfe von „Balance“ kann man einstellen, wieviel Anteil Hochtonhorn und wieviel Anteil Bass man im Sound haben möchte.

Der Electro-Harmonix Lester K bietet „Slow“- und „Fast“-Einstellungen. Mithilfe des „Slow“-Reglers kann man Rotation der Schallhörner (zwischen 0,1Hz und 3,2Hz) und den Rotor (0,0875Hz-2,8Hz) einstellen. Der „Fast“-Regler bietet Werte von 1,55Hz-24,8 Hz (Rotation) und 1,745 Hz-23,6Hz (Rotor).
Die zwei Geschwindigkeiten werden mittels des Fast/Slow-Switches eingestellt und haben eine bestimmte Anlaufzeit. Das ist ein ganz wichtiges Element, wenn es um die authentische Leslie-Simulation geht.

Ein Wechsel der Geschwindigkeiten zum Beispiel zwischen Strophe und Refrain ist ein toller Effekt, den man unbedingt mal ausprobieren sollte. Das „Bremsen“, ein weiterer Leslie-Klassiker, wird erreicht, indem man den Fast/Slow-Footswitch gedrückt hält. Erst nach Lösen des Footswitchs fährt der Leslie wieder an.

Electro-Harmonix Lester K Pedal: Die Sounds

Die Simulation ist überzeugend. Das Electro-Harmonix Lester K Pedal klingt nicht nach einem Phaser oder einem Tremolo oder sonst was – es klingt nach rotierenden Lautsprechern. Der Doppler-Effekt erzeugt eine leichte Asymmetrie, die den Sounds eine räumliche Note verpasst. Nutzt man die Stereo Outputs, erhält man einen noch massiveren Sound, da die Schallhörner von Amp zu Amp „geworfen“ werden.

Das Electro-Harmonix Lester K verträgt Line-Level-Signale ohne Probleme, und meinen B3-artigen Patches gab er sogar eine gewisse angenehme Wärme. Im Gegensatz zum Electro-Harmonix Lester G fände ich pass-through-Stereo-Inputs toll, aber das ist eher Wunsch als Kritikpunkt.

Electro-Harmonix Lester K Pedal: Kritikpunkte

In seltenen Fällen rauschte das Pedal etwas – das hing wohl mit Line-Inputs und verschiedenen Kabeln zusammen. Das stört einen beim Spielen oder auf der Bühne nicht, aber nimmt man das Electro-Harmonix Lester K mit ins Studio, dann sollte man auf eine saubere Signalkette achten.

Electro-Harmonix Lester K Pedal: Das Fazit

Das Electro-Harmonix Lester K Pedal hat eine etwas schwierige Positionierung im Keyboard-Segment, da viele Modelle bereits Leslie-Effekte mit eingebaut haben. Aber die meisten (wenn nicht alle) davon modulieren den Sound eher und klingen nicht nach einem echten Leslie.

Das Electro-Harmonix Lester K ist dagegen definitiv eins der klanggetreuesten Leslie-Simulationen, die man überhaupt finden kann.

Das Hinzufügen von Features wie das Abbremsen und dem Anlaufen geben dem Sound ein sehr echtes Feeling, der aber gleichzeitig auch wesentlich einfacher zu kontrollieren ist.

Wenn man sich nicht gerade für 1000,-€ einen echten Leslie zulegen und durch die Gegend schleppen möchte, dann ist das Electro-Harmonix Lester K Pedal (ca. 195,-€) definitiv die beste Option, die es gibt. Die New Yorker Firma hat’s eben einfach drauf – sei es mit Pedalen wie dem Big Muff, Fuzz oder Wah Effekte, oder eben mit einer Leslie Nachbildung. Toll!