Im Circus Roncalli gibt es bei jeder Vorstellung Live-Musik. Musical Director Georg Pommer gewährt uns einen Einblick hinter die Kulissen – oder besser gesagt über die Manege.

Inmitten von hupenden Autoschlangen, an- und abfahrenden Straßenbahnen und dem Einkaufstrubel steht auf dem Kölner Neumarkt regelmäßig ein Ort, der jeden dazu einlädt, wieder Kind zu sein: Der berühmte Circus Roncalli wartet auf Zuschauer. Neben beeindruckender Artistik und begeisternden Clowns gibt es aber auch noch ein Detail, das zum Gesamterlebnis gehört: die Live-Musik. Im Circus Roncalli wird tatsächlich jede Nummer, jedes Kunststück, jeder Clown-Auftritt von live gespielter Musik begleitet.

Herz der achtköpfigen Band ist Georg Pommer. Der gelernte Jazz-Pianist und Musikwissenschaftler ist bereits seit 37 Jahren dabei. Pro Jahr ist er rund neun Monate mit dem Circus Roncalli unterwegs. Dass dort trotzdem nie Langeweile aufkommt, werden wir noch sehen.

Wie kommt man eigentlich zum Circus Roncalli?

Ein Zirkus ist mit Sicherheit kein normaler Arbeitsplatz – und zufällig kommt man dort auch nicht herein. Oder etwa doch? Georg Pommer erzählt uns im Interview, dass Roncalli-Gründer Bernhard Paul ihn entdeckte, während er an verschiedenen Universitäten studierte. So entwickelte sich eine langjährige Freundschaft, die bis heute anhält – und die mit viel Musik verbunden ist. Das alles und mehr erzählt Georg Pommer im ersten Teil unserer Videoreihe, den ihr oben findet.

Das Zirkusleben ist dabei ja doch ein wenig anders: Ständiges Reisen, internationale Kollegen und unübliche Arbeitszeiten bilden da nur den Gipfel des Eisbergs. Dennoch macht das viel von der Faszination Zirkus aus – auch für Georg Pommer, der von diesem Konzept begeistert war und deswegen unbedingt mit dem Circus Roncalli unterwegs sein wollte. Darüber und über die Entwicklung seines Equipments innerhalb der 37 Tourneen berichtet er im zweiten Teil der Videoreihe:

Georg Pommer spielt im Vorzelt des Circus Roncalli, bevor die Vorstellung beginnt.
Georg Pommer spielt im Vorzelt des Circus Roncalli, bevor die Vorstellung beginnt.

Bevor es aber ernst wird und die Vorstellung beginnt, tritt die Band während des Einlasses in einem Vorzelt auf. So werden die Besucher musikalisch schon einmal “aufgewärmt”, während die sich mit Popcorn, Gummibärchen und Getränken versorgen. Georg Pommer hat bereits hier ein beeindruckendes Setup mit einem Wurlitzer-Piano, einem Hammond XK-1C und einem Leslie 21.

Darüber hinaus verrät er etwas über die Produktion hinter den Kulissen: Wer kommt eigentlich auf die Musik für die verschiedenen Nummern? Oder sind das alles Klassiker? Die Antwort: Rund 60% der gesamten Musik stammt aus der Feder von Georg Pommer selbst. Dabei kann es durchaus auch vorkommen, dass die Artisten selbst mit Vorschlägen auf Pommer zukommen.

Für den reibungslosen Ablauf und das Einstudieren der Stücke bleibt insgesamt eher wenig Zeit. Das ganze Orchester muss also konzentriert und effizient üben, damit zur ersten Vorstellung alles sitzt. Je besser eingespielt das Orchester dann ist, desto leichter fällt es ihnen auch, auf Details und Kleinigkeiten während der Nummern zu reagieren.

Was Georg Pommer sonst noch darüber erzählt, erfahrt ihr hier im dritten Teil unserer Videoreihe:

Das angesprochene Interview zu dem, was Georg Pommer neben dem Circus Roncalli macht, findet ihr hier!

Vorhang auf für den Circus Roncalli – und Georg Pommer

So langsam geht es auf die richtige Vorstellung zu. Georg Pommer und seine Band bahnen sich einen Weg durch die

Hier ist Georg Pommer und seine Band während der Vorstellung "zuhause".
Hier ist Georg Pommer und seine Band während der Vorstellung “zuhause”.

Zuschauer und gehen nahe des Künstlereingangs eine steile Treppe hoch. Sein Roland V-Piano und sein Yamaha MOTIF XS6 sind bereits bereit für die Show. Von dem Podest aus hat er einen perfekten Überblick über beinahe das gesamte Zelt – und das er den braucht, werden wir noch sehen.

Wenn die Lichter dann ausgehen und die Vorstellung beginnt, merkt man sehr schnell, dass Georg Pommer und die gesamte Band perfekt eingespielt und hochtalentiert sind. Mit einem kurzen Kopfnicken oder Fingerzeig dirigiert Pommer die Musiker und gibt so Hinweise auf Einsätze, Pausen oder Tempowechsel.

Georg Pommer ganz flexibel

Dauert ein Applaus, ein Umbau oder ein Kunststück länger als geplant, reagiert die Band darauf entsprechend. In unserem Fall war bei einer Nummer das Metronom ausgefallen – bei acht Musikern durchaus keine ganz leichte Situation. Man merkte sofort, dass alle Musiker dann noch ein wenig konzentrierter waren. Aber Georg Pommer leitete die Band gekonnt durch den entsprechenden Song: Nachdem er dem Drummer augenzwinkernd die Anweisung gab, “nicht so sehr zu hetzen”, senkte dieser ganz minimal das Tempo. Hier merkte man dann wirklich das Talent jeden einzelnen Musikers.

Und darüber sind die Artisten selbst auch froh. In der Pause kommen viele von ihnen zu Georg Pommer und bedanken sich für die perfekte Begleitung.

Die Band im Rampenlicht – auch das kommt vor

Übrigens: Bei strikter Begleitung bleibt es nicht. Mehr als einmal steht die Band im Mittelpunkt; mal legt sich ein Clown mit dem Drummer an (und bekommt dafür von der ganzen Band eine Ladung Clownsschuhe an den Kopf geworfen), mal begleitet Georg Pommer vier ausgewählte Zuschauer des Circus Roncalli, die Kuhglocken in die Hand gedrückt bekommen haben. Selbst einen eigenen Auftritt unten in der Manege hat die Band.

Georg Pommer hat von seinem Platz aus die ganze Manege im Blick.
Georg Pommer hat von seinem Platz aus die ganze Manege im Blick.

Nach einem pompösen Finale (natürlich mit der traditionellen Zirkusmusik) ist die Vorstellung zuende – aber die nächste steht schon bevor. Artisten, Clowns, die begeisterten Zuschauer und auch die Band strömen aus dem Zelt, schnappen etwas frische Luft und essen eine Kleinigkeit. Aber bloß die Uhr im Blick haben, denn: The Show must go on!

Ein Tag im Circus Roncalli geht zu Ende

Ein ereignisreicher Tag an einem ereignisreichen Arbeitsplatz – das trifft es wohl ganz gut. Georg Pommer und der Circus Roncalli haben uns einen Einblick gewährt in eine ganz andere (Musiker-)Welt, die zwar nicht für jeden gemacht, aber sehr erfüllend ist.

Dass hier nicht nur Kinder wieder Kinder sein dürfen, ist dank der harten Arbeit vieler Menschen möglich – nicht zuletzt auch dank Georg Pommer und den anderen Musikern.