Maroon 5, Foto: Keyboard

Mit ihrem fünften Album “V” haben sich Maroon 5 wieder in alter Besetzung zusammengefunden. Keyboarder Jesse Carmichael ist nach zweijähriger Pause wieder zurückgekehrt. PJ Morton, der 2010 als Tour-Keyboarder zu Maroon 5 dazukam, bleibt weiter dabei. Als sich Carmichael 2012 seine Auszeit gönnte, übernahm er quasi den Vorsitz an den Tasten. Wir trafen Carmichael und Morton zum Maroon 5 Interview in den Conway Recording Studios in Hollywood.

Morton, Sohn eines Pastors aus New Orleans, kam in der Kirche sehr früh mit Musik in Berührung. Seine gefühlvolle Spielweise passte wunderbar in die moderne Mischung aus R&B und Pop, die die Kalifornier spielten. So konzentrierte sich Jesse Carmichael nach seiner Rückkehr bei den Aufnahmen zu “V” mehr auf die Gitarre und überließ Morton die Keyboards. Ergänzt werden die beiden auf Tour durch Sam Farrar, der sich um Sampler, Turntables und Special Effects kümmert.

Maroon 5 Interview: “Sugar” vom “V”-Album:

Maroon 5 Interview – Morton und sein Einfluss auf die Band

Wie kam es dazu, dass ihr seinerzeit Morton als Tour-Keyboarder von Maroon 5 hinzugenommen habt?

Jesse Carmichael: Wir sind eine endlose Zeit mit unheimlich vielen Keyboards getourt. Ich habe dabei versucht, all das, was auf den CDs passierte, live umzusetzen. Irgendwie brauchte ich Unterstützung, da kam PJ gerade recht.

Habt ihr in der Zeit vor PJ viel mit Samples oder Backing Tracks gearbeitet?

JC: Bei den Touren von Maroon 5 zum ersten und auch bei den meisten Gigs zum zweiten Album war alles live. Als wir dann immer größere Hallen bespielten, dachten wir, dass unser Sound mehr Fülle benötigte. Und so ließen wir in den Refrains ein paar Streicher dazu laufen, und ich konnte ich mich auf andere Dinge konzentrieren.

Wer hat sich um die Playback-Tracks gekümmert?

JC: Hinter unserem Drummer Matt Flynn steht ein Ableton Rig. Er startet die Tracks via Pads und wir spielen dazu. Zur Sicherheit verwenden wir zwei Computersysteme, zwischen denen wir umschalten können.

Maroon 5 Interview – PJs Hintergründe

Wie kamst Du ins Spiel, PJ?

Maroon 5 Interview - PJ Morton, Foto: Keyboard
PJ Morton

P.J. Morton: Ich kam nach Fertigstellung des “Hands All Over”-Albums von Maroon 5 dazu und spielte die dazugehörige Tour und war dann auch bei “Overexposed” und “V” mit dabei. Am Anfang hatten Jesse und ich ziemlich umfangreiche Keyboardanlagen. Aber die Musik hat sich verändert, wie es von Album zu Album halt so ist, und wir haben das Bühnensetup verändert.

Wo liegen deine musikalischen Wurzeln?

PJM: Ich bin mit Gospelmusik aufgewachsen. Ich stamme aus New Orleans und so war auch immer Jazz und Soul dabei. Dann fing ich an zu produzieren, arbeitete als Songwriter und hatte mein Solo-Ding. Und dann kamen die Jungs hier auf mich zu.

War es eine große Umstellung von Gospel und Jazz in die Pop-Kultur?

PJM: Nicht wirklich. Ich mochte an Maroon 5 schon immer die gute Mischung aus Pop mit einem gehörigen Schuss Old-School-Soul. Und das können wir live ausleben. Ich spielte von Anfang an eine B3 in der Band, ein Rhodes und ein Wurlitzer. Jesse hat immer ein Clavinet auf der Bühne.

Ich glaube, dass niemand Maroon 5 wirklich kennt, bevor er uns nicht auf der Bühne gesehen hat. Da kann er uns wirklich spielen hören. Das ist was anderes als auf den Aufnahmen.

Maroon 5 Interview – Live ist es anders als im Studio

Welche Stücke dehnt ihr denn auf der Bühne aus?

PJM: Wir spielen Songs, die die Jungs schon seit 15 Jahren bringen, wie z.B. „This Love“ oder so. Da spiele ich Keyboard-Bass und wir bringen Sachen, die nicht auf der Platte waren.

JC: Ja, und du hast „Sunday Morning“ wieder zum Leben erweckt. Da passierten auf einmal ganz andere Dinge.

PJM. Da habe ich meinen Platz gefunden. So  haben wir viele Songs aus dem Katalog aufgefrischt. Sogar “Moves Like Jagger” ist rockiger geworden.

Was ist dein Hauptkeyboard?

PJM: Das ist eindeutig der Yamaha Motif XF8, weil ich da ganzen Pianoparts mit spiele. Dann kommt die Orgel. Mein Hauptsynthesizer ist ein Nord, der immer dabei ist. Es gibt spezielle Maroon-5-Sounds, die immer dabei sind, egal welche Nord-Version wir dabei haben.

JC: Ich mag dich auch am MicroKorg!

PJM: Klar, aber ich spiele ihn nicht so oft. Aber es macht Spaß, damit Synth-Bässe zu spielen.

Jesse, wie hat sich die Wandlung vom Keyboarder zum Gitarristen vollzogen?

Maroon 5 Interview - Jesse Carmichael, Foto: Keyboard
Jesse Carmichael

Als wir auf der Highschool mit der Band anfingen, spielte ich Gitarre. Erst später nach dem Schulabschluss, als wir uns in Maroon 5 umbenannten, ging ich eher an die Keyboards. In den ganzen Jahren spielten Adam und James immer sehr aufwändige Gitarrenparts, bis Adam lieber weniger Gitarre spielen wollte. Und so wurde ich das fehlende Stück in diesem Puzzle.

Maroon 5 Interview – Die Entwicklung des Gears

Auf den früheren Maroon 5 Tourneen habt ihr viel Vintage-Gear gespielt. Hat sich euer Setup verändert in der Zeit?

JC: Sehr stark sogar. Als PJ dazu kam, hatten wir am meisten Zeug auf der Bühne. Da war der Korg OASYS, eine B-3 mit dem Clavinet oben drauf, einen NordLead3, ein MicroKorg und ein Open Labs Neko, quasi ein Windows-PC mit Tasten und Soft Synths.

Welche Soft-Synths waren das?

JC: Da gab es eine große Kontakt-Library und einige Omnisphere-Sachen. Oben drauf kam das Rhodes, dann das Wurlitzer und schließlich der Nord!

Was änderte sich, als PJ dazu kam?

PJM: Die B-3 kam dazu. Jesse kümmerte sich mehr um die Basis mit Pianosounds und ich war mehr für die Synthesizer zuständig.

Und nun ist es der Motif XF8?

PJM: Ja, und der Nord Wave. Nun sind wir auch auf den Nord C2D gekommen, der beste Hammond-Clone, den es gibt. Aber ich habe da draußen alles ausprobiert, ein Rhodes lässt sich nicht ersetzen. Das ist gesetzt, ein 73er Suitcase.

Nutzt du den internen Leslie-Effekt beim Nord oder habt ihr ein richtiges Leslie dabei?

PJM: Wir haben darüber diskutiert, nehmen aber momentan den internen Effekt. Ein richtiges Leslie würde uns aber noch eine Stufe höher bringen.

Was bleibt denn da noch für euren dritten Mann, Sam Farrar, übrig?

JC: Sam triggert über einen Akai ein paar Sounds, die es auf Platte gibt. Dann spielt er noch ein paar Synthesizer-Flächen, die von einem Laptop kommen.

PJM: Manchmal spielt er Dinge, die sonst als Playback liefen. Das macht das Ganze deutlich natürlicher. Er hat ein gutes Rhythmusgefühl. Es gibt viele Sachen, die man programmieren oder von einem Sequenzer kommen lassen kann, aber nichts geht über den Faktor Mensch.

Maroon 5 Interview – Flügel, Keyboards und Death Metaller? Passt!

Auf dem aktuellen Maroon-5-Album “V” gibt es eine Reihe von Songs mit einem sehr prominenten Piano, “Leaving California”, “Feelings”, und “My Heart Is open”.

PJM: „Leaving Califormia“ haben wir zusammen mit Nate Ruess von Fun geschrieben.

JC: Ja, sein Part kam von einem Voice Recorder.

PJM: Er hat die Melodie und den Refrain gesungen und wir haben den Song darum gebaut.

JC: Einige Sachen von externen Songwritern entstehen auf diese Weise. Manchmal schicken sie uns gut produzierte Songs, die wir dann fertigstellen.

Maroon 5, Collage: Keyboard

Nutzt ihr im Studio einen richtigen Flügel?

PJM: Ja, ausschließlich, meistens den Steinway in den Conway Studios.

Wie sah das Keyboard-Setup bei „Feelings” aus?

PJM: Da waren neun Vintage Keyboards beteiligt.

JC: Wir hatten den Prophet-5 und den Roland Juno-106.

PJM: Dann das digitale Mellotron, das M4000D und natürlich der Nord.

JC: Die meisten Keyboards wurden von Shellback, einem der Songwriter, programmiert.

Wer ist das?

JC: Ein junger schwedischer Death-Metaller, der eigentlich Gitarre und Drums spielt. Unser Executive Producer Max Martin und er sind Freunde. Shellback hat auch “Move Like Jagger” geschrieben. Das war sein erster großer Hit.

Maroon 5 Interview: Jesse Carmichael am Moog, Foto: Keyboard

Wie findet ihr Sounds im Studio?

JC: Durch experimentieren. Wir haben neun analoge Synths rumstehen, jeder mit einer Million Möglichkeiten, dazu kommen die Soft-Synths. Manchmal kommt ein Song schon fast fertig arrangiert vom Songwriter, dann optimieren wir das noch.

PJM: Oder wir versuchen die bestehenden Sounds zu verbessern. Manchmal nehmen wir statt den Soft-Synths dann den Juno…

Gab es Situationen, wo ihr dachtet, wir überziehen, wir müssen ein wenig zurückdrehen?

JC: Das kann schon passieren. Im Studio versucht man halt, viele Ideen umzusetzen. Dann muss unser Ton-Ingenieur, Noah Passovoy, genannt “Mailbox”, sehen, was passt. Er schaltet dann ständig zwischen verschiedenen Sound-Systemen hin und her, um zu prüfen, ob irgendetwas auf den Lautsprechern oder Handys, mit denen die Leute draußen Musik hören, funktioniert. Manchmal sagt er halt, dass das im Mix keinen Sinn macht und raus ist es.

Maroon 5 Interview – Der Erfolg der Band, Ratschläge für junge Musiker

Worauf sollte sich ein junger Keyboarder heute konzentrieren?

JC: Man muss eine eigene Art finden. Man muss sich eine Wohlfühlzone schaffen, ohne sich mit anderen Musikern zu vergleichen.

Die Musik von Maroon 5 erreicht mittlerweile ein Riesenpublikum. Wie fühlt sich das an?

JC: Das ist cool. Wir sprachen vor kurzem mit Adam darüber und er sagte etwas, was ich wirklich gut fand. Wir redeten über Klimaveränderungen und Politik und was so los ist heutzutage. Er sagt so etwas wie: „Jeder spielt in diesem großen Puzzle seinen Part. Unsere Aufgabe ist es, den Leuten da draußen Spaß zu bringen, wenn sie uns live hören oder von der CD. Wenn die Leute glücklich sind, dann treffen sie die richtigen Entscheidungen und alles geht in die richtige Richtung.“. Ich mag das.

© Keyboard 5/2015, courtesy of NewBay Media, 2015