Roland Juno DS Test der 61-Tasten-Version

Mit dem Juno-DS stellt Roland nach rund 7 Jahren wieder ein neues Modell im Segment der „erschwinglichen“ Workstations vor. Bereits der Vorgänger des Roland Juno-DS, der Di, war sehr erfolgreich, weil er drei Bedingungen erfüllte: Guter Preis, gute Features und gute Transportabilität. Ob das hier auch so passt, verrät unser Roland Juno-DS Test.

Wohlüberlegt hat man beim Roland Juno-DS die Highlights des Vorgängermodells übernommen und um moderne Features erweitert: So hat der Nutzer die Möglichkeit eigene Sounds zu laden, 8 Triggerpads, Pitch Quantisierung beim Vocoder und erweitere Zugriffsmöglichkeiten.

Zum Test stand uns das 61-Tasten-Modell des Roland Juno-DS zur Verfügung; als Alternative gibt es noch die Version mit 88 Tasten.

Roland Juno-DS Test: Die Sounds und Tonerzeugung

Der 128-stimmige Roland Juno-DS ist bis unters Dach vollgepackt mit Presets: Über 1200 Synth Patches, mehr als 30 Drumsets und 64 Performancespeicher für Sound-Sets, Sequenzen und Belegungen der neuen Phrase Pads.

Ist man bereits ein Juno-Di-User, dann wird man sich darüber freuen, dass die von dort bekannte Soundbank im neuen Roland Juno-DS übernommen wurde.

Roland Juno-DS61
Roland Juno-DS in der von uns getesteten 61-Tasten-Version

Mehr noch, die neue Piano- und Orgelsounds überzeugen vor allem auf der Bühne. Zusätzlich zu den originalen Di-Sounds und den rund 200 neuen Klangfarben kann der Roland Juno-DS Sounds von der Roland Axial-Webseite laden, wo mehr als 1000 gut programmierte Klangfarben bereitstehen. Alles in allem eine solide Sammlung für eine Workstation, perfekt für die Herstellung von Commercials und Videos sowie für den Live-und Studio-Einsatz.

Die Analogsounds klingen vielleicht etwas zu „zu digital“, was aber auch eine Eigenheit der Roland Aira-Serie ist.

Die Sound-Engine des Roland Juno-DS wurde, wie erwähnt, fast unverändert vom Di übernommen. Jedes Preset besteht dabei aus bis zu vier übereinandergeschichteten Klangfarben basierend auf gesampelten Instrumenten.

Diese können über digitale Filter, Hüllkurveneinstellungen und LFOs bearbeitet werden. Die intensive Klangbearbeitung ist allerdings bei dem kleinen Display eine Herausforderung. Aber eigentlich ist der Juno-DS ja auch nicht wirklich für die exzessiven Klangtüftler gedacht.

Roland Juno-DS88
Etwas länger: Der Roland Juno-DS ist auch mit 88 Tasten erhältlich.

Man geht davon aus, dass bei der Vielzahl von Presets stets der passende Sound dabei ist. Und will man schnell einen Sound  bearbeiten, dann kann man das mit den vier Reglern, die die wichtigsten Parameter nach vorne legen, wie z.B. Cutoff oder Attack und Release, schnell bewerkstelligen.

Will man aber trotzdem eigene Sounds entwickeln, dann lädt man sich am besten den Di-Editor herunter. Das geht alles problemlos und schnell. Interessant sich damit einen Überblick über die zur Verfügung stehenden Samples zu verschaffen. Richtig spannend wird die Synth-Option, wenn man eigene Sounds dazu lädt (WAV mit 44,1 kHz).

Roland Juno-DS Test: Effekte

Der Roland Juno-DS verfügt zudem über haufenweise Effekte. Es ist alles vorhanden vom Phaser über Phase-Shifter bis zu Chorus und Hall. Zu beachten gilt, dass einem Patch zugeordnete Effekte in einem Performance-Sound verloren gehen können, da ein Performance-Sound eigene Effekte hat. Das ist nichts Drastisches, sollte aber nicht unerwähnt bleiben.

Jeder Performance-Sound kann über bis zu 16 Parts verfügen mit allen Patch-Information und eine paar weiteren Parametern, wie Vibrato und Portamento plus Effekte. Dazu kann man das Keyboard in bis zu 16 Teile splitten und Teile dem Sequenzer zuordnen.

Die Möglichkeiten wird man auf dem LC-Display gar nicht auf den ersten Blick erkennen, aber in Verbindung mit der Editor-Sotware erschließen sich die Möglichkeiten sofort. Bleibt zu hoffen, dass Roland eine überarbeitete Version des Editors herausbringen wird, der auch die neuen Funktionen unterstützt.

Roland Juno-DS Test: Sequenzer und Phrase Pads

Abgesehen von der Möglichkeit, über einen angeschlossenen USB-Stick komplette Songs abspielen zu können, bietet der Roland Juno-DS einen 8-Spur-Pattern-Sequenzer, optimiert für den Live-Einsatz. Damit ist die Erstellung von 8teiligen Loop-Sequenzen ein Kinderspiel, die sich über die 8 Pads in Echtzeit bearbeiten lassen. Damit lassen sich unterschiedliche Songvariation erstellen und live abrufen. Und sollte sich der Gitarrist dazu hinreißen lassen, den Song einfach mal um 16 Takte zu verlängern, dann können die Pads der „Lebensretter“ sein.

Roland selbst bezeichnet den Pattern-Sequenzer als eine Art musikalischen Notizblock – und dafür eignet er sich wunderbar. Mit ein wenig Experimentierfreude kann man aber noch viel, viel mehr da herausholen.

Die Extras des Roland Juno-DS

Während der Roland Di einen Vocoder und Hall-Effekt für den Mikrofonanschluss bietet, offeriert der Roland Juno-DS eine Pitch-Quantizing Funktion für Pop-, R&B- oder EDM-Musik. Manche mögen sich daran schon sattgehört haben, aber er ist für bestimmte Genres immer noch ungemein wichtig und gehört mittlerweile wie der Verzerrer zur Grundausstattung.

Als eine Art Zugabe bietet der Roland Juno-DS Kontrollfunktionen für verschiedene DAWs, wie z.B. Apple Logic, Cakewalk Sonar und Steinberg Cubase, über die man z.B. die Transportfunktionen und andere wichtige Parameter steuern kann.

Leider werden weder Ableton Live noch Protools unterstützt. Man kann das zwar anpassen, die Arbeit ist aber ein wenig kompliziert.

Der Juno-DS unterstützt Audio über USB. Mit welcher Auflösung, das findet sich nirgendwo dargelegt, aber ich wette, dass es 44,1 /16 sind.

Roland Juno-DS Rückseite mit Anschlüssen
Ein Blick auf die Rückseite des Roland Juno-DS mit den Anschlüssen

Roland Juno-DS Test Fazit

Ich habe mir vor dem Test gar nicht angeschaut, was der Roland Juno-DS kosten soll. Dass die 61er Version unter Euro 700 liegt, das hat mich schlichtweg umgehauen. Das ist für die gebotenen Features ein fantastischer Preis. Eine preiswerte Workstation für alle Musiker, für Theater, Schulbands, normale Live-Gigs und auch im Heimstudio. Die Version mit 88 Tasten liegt bei Euro 999,-

Roland setzt damit einen Standard in puncto Preis/Leistung.

© Electronic Musician 06/2016, courtesy of NewBay Media, 2016