In der Reihe der Reface-Keyboards von Yamaha wollen wir uns heute näher mit dem Reface YC, also der Orgelversion, und dem Reface CP, dem E-Piano, beschäftigen.

Beide Keyboards zeichnen sich nicht nur dadurch aus, dass man sie einfach unter den Arm klemmen kann, sondern sie klingen auch wirklich gut. Dabei überzeugt besonders die Orgel durch eine ungeahnte Klangqualität.

Unseren Testbericht zum Yamaha Reface CS – auch mit Video – gibt es hier!

Die Maße und auch die kleinen Tasten (37 Minitasten) verleiten schnell dazu, die Yamaha Reface YC Orgel und das Yamaha Reface CP Piano als „Spielzeug“ einzuordnen. Dies mag auch noch so sein, wenn man sich den Klang über die integrierten kleinen Lautsprecher zu Gemüte führt.

Der Eindruck ändert sich dann aber ganz schnell, wenn man sie an eine größere Anlage anschließt!

Yamaha Reface YC Test – Die Orgel        

Das Yamaha Reface YC Keyboard bietet die Emulation von 5 klassischen Orgeln: Hammond, VOX, Farfisa, Ace und Yamaha, also alles von der Tone-Wheel- bis zur Transistororgel. Zwischen den Modellen schaltet man einfach mit dem Drehregler und den Bezeichnungen: H, V, F, A und Y. Das dürfte soweit selbsterklärend sein.

Das Yamaha Reface YC von oben...
Das Yamaha Reface YC von oben…

Links daneben ist der Octave-Schalter, der Lautstärkeregler sowie der Schalter für den Leslie-Effekt. Und letzterer ist wirklich der Knaller – er wirkt unheimlich echt. Das Rotieren der Lautsprecher, das Abbremsen und das schnelle Anlaufen des Hochtonhorns (natürlich in stereo) sind gut getroffen. Schade ist nur, dass man die Umschaltung nicht per Fußschalter vornehmen kann.

Die Klangfarbe wechselt man durch Betätigung der 9 Zugriegel, wie man sie von der Hammond her kennt. Diese entsprechen ja den Obertönen einer Sinusorgel (bzw. den Pfeifenlängen einer Kirchenorgel). Natürlich sind die Regler hier nicht wie die Original-Zugriegel ausgelegt, sondern Schieberegler mit relativ kurzem Weg – aber es funktioniert und macht Spaß.

Dabei fällt erstmals ein Manko auf: Wer hat sich die schwarze Schrift auf rotem Grund ausgedacht? Das ist so gut wie gar nicht lesbar. Man kann es verschmerzen, denn man bedient die Zugriegel eher nach Gefühl oder nach optischen Gesichtspunkten (ähnlich wie bei einem grafischer Equalizer), aber trotzdem…

Übrigens: Die 9 Zugriegel gelten auch bei den Orgelmodellen, die eigentlich gar nicht über so viele Einstellungsmöglichkeiten verfügten. Tolle (und originelle) Sache.

Yamaha Reface YC Test – Effektreihe

Rechts neben den Zugriegeln finden wir eine Reihe von Effekten, wie Vibrato/Chorus (regelbar), Distortion, Hall und Percussion – letzteres wie bei einer Hammond üblich in der 4‘- und 2 2/3‘-Lage. Dies erzeugt einen kurzen (einstellbar!) perkussiven Sound vor der eigentlichen Klangfarbe, was zum typischen “klickigen” Hammondsound führt.

...und hier auch ein Blick auf die Rückseite des Yamaha Reface YC.
…und ein Blick auf die Rückseite des Yamaha Reface YC.

Die Regler sind übrigens in der Optik an die alten Yamaha Electone-Orgeln angelehnt, sehr nett.

Und das war es auch schon. Eine Bedienungsanleitung braucht’s selbst für den Einsteiger nicht.

Auf der Rückseite befinden sich die Stereoausgänge, der MIDI-Anschluss, USB; die Anschlussmöglichkeit für einen Fußschweller, der Kopfhörerausgang und ein Eingang für externe Geräte.

Yamaha Reface YC Test – Der Sound

Der Sound ist einfach zu beschreiben: Genial. Das kleine Ding klingt in jeder Stilrichtung toll. Wenn man Orgelsounds braucht, dann ist man mit dem Yamaha Reface YC bestens bedient. Mehr braucht man dann nicht. Wem die Tasten zu klein sind, der nutzt es als Soundmodul. Die eingebauten Lautsprecher sind okay, können die Klangqualität aber (wie erwähnt) nicht wirklich rüberbringen.

Yamaha Reface YC Test – Fazit

Die Yamaha Reface YC Orgel darf eigentlich in keinem Keyboard-Setup fehlen. Schon gar nicht zum momentanen Street-Preis von Euro 399,-!

Yamaha Reface CP Test – Das Piano

Sogar noch etwas einfacher aufgebaut als die Orgel ist das im typischen Rhodes-schwarz gehaltene Yamaha Reface CP. Dabei handelt es sich um ein reines E-Piano, Klaviersounds bietet das kleine Keyboard nicht.

Yamaha Reface CP Test: Vorderseite
Das Yamaha Reface CP von oben…

Links finden wir Lautstärkeregler und Oktavschalter sowie den Wahlschalter für einen der sechs zur Verfügung stehenden Klangfarben: 2 x Rhodes, Wurlitzer, Clavinet, Toy Piano und CP.

Mit einem Drive-Regler kann man leichte bis starke Verzerrungen dazu mischen, was besoners für das Rhodes und das Wurlitzer sehr schön funktioniert. Rechts daneben bietet das Yamaha Reface CP alle Effekte, die man für einen guten E-Piano-Sound braucht: Tremolo (stereo), Chorus/Phaser, Delay (analog und digital) sowie Reverb, allesamt in mehr als guter Qualität.

Die Anschlüsse des Reface CP entsprechen denen der Orgel – mit einer Ausnahme: Statt des Schwelleranschlusses finden wir hier die Möglichkeit, ein Sustain-Pedal anzuschließen, was bei einem Piano nun definitiv Sinn macht.

Yamaha Reface CP Test – Hohe Dynamik im Sound

Respekt. Die E-Piano-Clones klingen ausgesprochen gut. Dazu trägt auch die gute Dynamik der Sounds bei, die sich selbst mit den kleinen Tasten gut spielen lässt. Die Überraschung: Der CP-70 Sound, der besonders in Verbindung mit den Effekten zu überzeugen weiß.

...und das Yamaha Reface CP von der Rückseite.
…und das Yamaha Reface CP von der Rückseite.

Auch beim Reface CP sollte man nicht den Fehler machen, das Instrument nur über die eingebauten Lautsprecher zu beurteilen. Das Ding klingt über größere Boxen wirklich klasse. Das Reface CP ist vielleicht weniger spektakulär als die anderen Reface-Modelle. Wer aber in seiner Musikrichtung klassische E-Pianos-Sounds braucht, der kommt definitiv nicht an dem kleinen Keyboard vorbei, das mit rund 360 Euro sogar noch etwas preiswerter ist als die Orgelversion.

Gesamtfazit

Egal welche Musikrichtung man macht, ob Rock-, Pop-, Jazz oder Unterhaltungsmusik. E-Piano- und Orgelsounds gehören zu Grundausstattung, selbst wenn man im Elektronikbereich unterwegs ist (Jean-Michael Jarre benutzte z.B. gerne Farfísa-Sounds). Und da decken beide Reface-Versionen den Bedarf wirklich optimal ab. Und das transportabel und zu einem wirklich „tragbaren“ Preis.