Mastodon im Interview, Foto: Warner Music

Mastodon Interview: Manchmal wünsche ich mir einen Gefahrenzuschlag. Es sah zwar nicht so aus, als ob ich diesen für Mastodon brauchen würde, da die Band seit dem im letzten Jahr veröffentlichten neuesten Album “Once More ‘Round The Sun” alle Rekorde gebrochen hat, aber das Gespräch verlief doch sehr ungewöhnlich …

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Das aktuelle Mastodon-Album “Once More ‘Round The Sun”

“Once More ‘Round The Sun” ist das erste Werk von Mastodon, das es auf Platz 1 der Billboard’s Top Rock Albums Charts (und mit Platz 6 auch eine Bestplatzierung in den Billboard 200) geschafft hat. Die Videos für die Singles “High Road” und “The Motherload” wurden jeweils um die 1,5 Millionen Mal angeklickt, ersterer war für einen Grammy nominiert, während Mastodon zudem höchst erfolgreich um die Welt tourt.

Mastodon Interview – Ungewöhnliches Interview

Aber “Once More ‘Round The Sun” ist auch das pop-orientierteste Album einer Band, die bekannt ist für ihre epischen, wuchtigen Riffs und brutalen Soli der Gitarristen Brent Hinds und Bill Kelliher berstenden Tracks. Anscheinend hat das in Hinds eine, sagen wir, “interessante” Reaktion ausgelöst.

So unbehaglich die Durchführung des Interviews mit Hinds für mich war, so enthüllt er doch einen sicheren und offenen Arbeitsprozess von Mastodon, in welchem mit aufeinanderprallenden Meinungen und gereizten Gemütern die Kreativität und Brüderlichkeit innerhalb der Band nicht strapaziert wurden.

Diese Art von Teamwork sollte es öfter geben …

MASTODON INTERVIEW: MIT BILL FÄNGT ES ROSIG AN…

Gab es bei diesem Mastodon-Album gemeinsame Bestrebungen, einen den Beatles ähnlicheren Songwriting-Style zu etablieren?

Kelliher: Es ist sehr poplastig geworden, obwohl wir, egal wie man es dreht, keine Popband sind. Ich habe einen großen Teil des Albums geschrieben, und ich bin eher der Typ, der Songs im Schema Vers-Chorus-Vers-Chorus-Bridge-Solo-Chorus im Viervierteltakt schreibt.

Ich mag solche Songs – sie sind mir vertraut. Also haben wir einige Zeit mehr als sonst damit verbracht – ein paar von uns, aber egal – straffere Songs zusammenzustellen. Tatsächlich ist es schwieriger, einen Song mit wenig Riffs zu schreiben als einen mit sieben Riffs. Früher haben wir so Songs geschrieben – wir haben alle eine Menge Riffs in einen Topf geworfen.

Das war natürlich cool, aber ich glaube, dass wir jetzt, erfahrener und geschickter in unserem Handwerk, versuchen, den Ballast über Bord zu werfen und uns stattdessen auf das Wesentliche in einem Song zu konzentrieren. Ich persönlich will niemanden mit einem Haufen Riffs bombardieren, die eigentlich gar nicht dort sein müssen.

Komponierst du in einer bestimmten Reihenfolge?

Mastodon Bill Kelliher, Foto: Warner Music
Mastodon Interview: Bill Kelliher. (Foto: Warner Music)

Kelliher: Ich glaube, dass Kreativität eine richtige Zeit und einen richtigen Ort braucht. Du darfst einen Song nicht drängen oder überstrapazieren. Normalerweise kommt er, wenn er dazu bereit ist.

“Diamond in the Witch House” ist dafür ein gutes Beispiel. Der Song entstand aus einem Riff, das ich schon jahrelang gespielt hatte, und irgendwann, Backstage im Rave Ballroom in Milwaukee, kam endlich alles zusammen. Ich war begeistert, ich hatte Jahre auf diesen Song gewartet.

Wenn du einen Song bei Mastodon einbringst, der größtenteils von dir ist, wie gibt Brent dann diesem Song seine Handschrift?

Kelliher: Es ist offensichtlich, dass wir auf diesem Album nicht großartig zusammengearbeitet haben. Er steht darauf, Songs zu schreiben, die sich komplett von meinen unterscheiden. Ich denke, er nimmt es als kreative Herausforderung und macht es zu einem Wettbewerb, in dem er versucht, verschiedene Ideen in meinen Songs zu platzieren. Dabei gibt es auch mal eine kleine Auseinandersetzung.

Es ist kein Wettbewerb – es ist eher ein “Das ist meine Idee, lass es uns so spielen und vielleicht können wir versuchen, es in dieser Richtung zu öffnen.”

Ich meine, wir alle versuchen das gleiche Ziel zu erreichen und eine großartige Platte zu machen. Aber manchmal, wenn es mein Song ist, muss ich alles zusammenhalten, ohne dabei jemandem auf die Füße zu treten. Normalerweise bin ich aber freudig überrascht von dem, was Brent zu einem Song, den ich geschrieben habe, beiträgt.

Ihr seid jetzt schon seit einiger Zeit auf Tour – wie kommen die neuen Songs an?

Kelliher: Es macht tierisch Laune, dieses Album auf der Bühne zu spielen und wir bekommen die wahrscheinlich positivsten Reaktionen unserer Karriere. Die Leute singen mit, sie kennen die Texte. Es gab nicht so viele tanzbare Songs auf den letzten beiden Mastodon-Alben – sie waren eher “shoe gazey” (Anm. Subgenre des Rock, dessen Name als ironische Reaktion auf die Musiker, die den Anschein erweckten, desinteressiert auf den Boden zu schauen, geprägt wurde).

Ich habe Gänsehaut bekommen, als wir das erste Mal rausgegangen sind und “Tread Lightly” vom neuen Album gespielt haben. Dieser Song hat so einen fetten Groove, und die Leute vor der Bühne sind auf- und abgesprungen.

Mastodon Bandlogo

MASTODON INTERVIEW – … WÄHREND ES MIT BRENT EIN BISSCHEN INTENSIVER WEITERGEHT

Das neue Album betreffend…

Hinds: Ich hab es Bill ausarbeiten lassen – auf diesem Album ist nicht viel von mir enthalten. Deswegen ist es nicht sonderlich episch.

Entschuldigung, der Empfang war unterbrochen. Hast Du “nicht sehr interessant” gesagt?

Hinds: So kann man es auch sagen.

Ich habe gehört, dass Bill eine Menge Songs zu diesem Mastodon-Album beigetragen hat. Wie hast du deine eigene Handschrift zu diesem Album dazugegeben?

Hinds: Ich bin mir nicht sicher, was Du versuchst, mich zu fragen. Soll ich das Album holen, damit ich den Prozess und den Sch***, den ich schon ver****** tausend Mal erklärt habe, nicht nochmal erzählen muss? Ich schreibe Songs, Bill schreibt Songs, irgendwann treffen wir uns und jammen mit Brann (Dailor, Drums) und Troy (Sanders, Bass) in einem Raum. Und dann gehen wir ins Studio und nehmen es auf.

Wie ich schon sagte, auf diesem Album ist nicht viel von mir enthalten. Ich habe nur vier Songs geschrieben. Meine Songs gehen mehr in die Richtung von “Crack the Skye”, wenn du also in Zukunft irgendetwas über mich wissen willst: Ich schreibe eher die langen, sich aufbauenden, psychedelisch epischen Tracks, und Bill und Brann schreiben schnellere, schmissigere, trampelnde metaltypische Songs.

Mastodon Interview: “High Road” vom “Once More ‘Round The Sun”-Album:

MASTODON INTERVIEW – “ICH MAG KEINE INTERVIEWS!”

Gibt es irgendetwas bei “Once More ‘Round the Sun”, über das du lieber reden würdest?

Hinds: Es wäre schön, wenn Zeitschriften und alle Interviews vom Erdboden verschluckt würden, genauso wie Zigarettenqualm und die ganzen anderen Sch***dinge, die ich am Leben hasse. Ich mag keine Interviews, ich lese keine Interviews, ich muss nicht wissen, was Menschen über das Leben denken.

Es frustriert mich, Interviews zu geben, weil ich über Dinge reden muss, die ich immer und immer und immer wieder erklären muss. Also, nein, es gibt nichts bezüglich Mastodon, über das wir reden könnten, das mich anregen würde.

Mastodon Interview Seite 2: “Ich hasse Heavy Metal!”