Schallplatten digitalisieren leicht gemacht

Wir zeigen dir 5 Tipps, um beim Schallplatten digitalisieren zu den bestmöglichen Ergebnissen zu kommen.

Auch wenn Vinyl wieder schwer angesagt ist, möchte man doch häufig seine Schallplatten digitalisieren. Oft kommt es vor, dass man eine bestimmte Platte oder einen Remix nun mal nicht in digitaler Form kaufen kann. Und selbst wenn: Mit ein bisschen Übung beim Digitalisieren kann man oft bessere Ergebnisse als die angebotenen MP3s erzielen.

Wie das geht und was man bei diesem Prozess beachten muss, haben wir für euch in 5 Tipps zusammengetragen.

Tipp 1: Vorbereitung

Fangen wir beim Plattenspieler selbst an: Läuft der noch gleichmäßig? Wann wurde die Nadel das letzte Mal gewechselt? Alte Nadeln lassen die Platten meist dumpf klingen und sollten dann vorher gewechselt werden.

Schallplatten digitalisieren: Ist der Tonarm richtig justiert?
Sieht komplizierter aus, als er ist: Der Tonarm des Plattenspielers sollte vor dem Schallplatten digitalisieren richtig eingestellt werden.

Wie steht’s mit dem Gewicht des Tonarms? Schallplatten digitalisieren ist etwas anderes als das Auflegen im Club. Dort liegt in der Regel so viel Gewicht auf, dass die Nadel nicht springen kann, selbst wenn der DJ munter scratcht. Das sorgt aber oft für eine stärkere Bass-Betonung, die wir beim Schallplatten digitalisieren aber nicht haben wollen. Am besten justierst du den Tonarm noch einmal ganz genau für einen guten, neutralen Sound.

Ist der Plattenspieler geerdet? Das dünne Kabel mit der Öse, das aus dem Plattenspieler kommt, ist keine Antenne! ;) Um Brummen beim Schallplatten digitalisieren zu vermeiden, muss dieses Kabel mit einer Erdungsschraube verbunden sein.

Kommen wir zu den Schallplatten selbst: Sie sollten sauber sein. Ob du die Platten nun komplett wäschst oder nur mit einer Bürste sauber machst, hängt auch vom Verschmutzungsgrad ab. Viel im Club benutze Platten leiden nun mal und werden in der Regel nicht mit Samthandschuhen nur am Rand angefasst. Meist reicht es aber, die Platte kurz vor dem Schallplatten digitalisieren mit einer Bürste über mehrere Umdrehungen hinweg zu säubern.

Tipp 2: Interface

Schallplatten digitalisieren mit dem passenden Interface
Dieses Interface von ESI hat nicht nur einen Phono-Vorverstärker, sondern auch eine Erdungsschraube. Ideale Ausstattung zum Schallplatten digitalisieren.

Wenn du sauber Schallplatten digitalisieren willst, nimmst du am besten ein spezielles Interface dafür. Diese haben einen eingebauten Phono-Vorverstärker, sodass du nicht den Umweg über ein Mischpult oder den Verstärker-Output gehen musst. Auch eine Erdungsschraube (wie oben bereits erwähnt) ist hier Standard. Dafür gibt es dann meist keine unnötige Sonderausstattung, wodurch diese Interfaces meist auch recht günstig sind.

Auch wenn ich über eine komplette DJ-Ausstattung und Studio-Interfaces verfüge, habe ich mir für solche Fälle ein kleines Interface zugelegt, das nichts anders macht als – Schallplatten digitalisieren.

Tipp 3: Aufnahme

Da ältere Schallplatten nun mal nie ganz Knackser-frei sind, steuerst du beim Schallplatten digitalisieren am besten laut aus, lässt aber ein bisschen Headroom für die Nachbearbeitung. So hört man leise Knackser erst gar nicht und lautere lassen die Aufnahme nicht gleich clippen. Irgendwelche Plug-ins kommen bei mir während der Aufnahme nicht zum Einsatz, auch keine Kompressoren oder Limiter. Das verfälscht mir zu schnell den Sound. Wenn du aber unbedingt willst, nimm einen Limiter, der spät, aber dann heftig einsetzt. Der Limiter sollte so eingestellt werden, dass er während der Aufnahme auch bei lauten Passagen nichts macht. Er sollte lediglich dazu dienen, Übersteuerungen zu vermeiden.

Schallplatten digitalisieren: Altes Vinyl kommt in den Rechner
So digitalisiere ich meine alten Schallplatten: Der Weg in den Rechner geht direkt vom Plattenspieler über das Interface. Die DAW im Rechner ist dabei vollkommen egal.

Und auch wenn du eine ganze LP aufnimmst, empfiehlt es sich, beim Schallplatten digitalisieren dabei zu sein und zuzuhören. So kannst du dir bei lauten Knacksern direkt Notizen machen, um sie später bei der Nachbearbeitung schnell wiederzufinden und kannst bei (hoffentlich nicht vorkommenden) Sprüngen eingreifen und musst nicht hinterher von ganz vorne anfangen.

Um noch mit einem Mythos aufzuräumen: Die Wahl der DAW ist beim Schallplatten digitalisieren klanglich völlig egal. Diverse Tests mit in verschiedenen DAWs aufgenommenen Spuren haben längst ergeben, dass keine DAW den Klang beeinflusst. Das gibt aber natürlich nur solange, bis Plugins zur Bearbeitung zum Einsatz kommen. Denn die zu einer DAW gehörenden Plugins verändern den Sound bei jeder DAW durchaus unterschiedlich.

Tipp 4: Nachbearbeitung

Bist du fertig mit Schallplatten digitalisieren, müssen die einzelnen Aufnahmen meist noch ein bisschen nachbearbeitet werden. Direkt vorweg: Willst du den perfekten Klang, dann lösch die Aufnahme und setz dich wieder vor den Plattenspieler. ;) Wenn du mehrere Songs von Schallplatte digitalisiert hast, solltest du sie in der DAW teilen, um sie später direkt ansteuern zu können.

Einzelne Songs musst du trimmen, also vorne und hinten die Stille wegschneiden. Achte darauf, vorne mindestens eine viertel bis halbe Sekunde vor dem Einsetzen der Musik dranzulassen, damit beim Abspielen nichts verschluckt wird. Ausnahme sind Tracks, die nahtlos ineinander übergehen. Hier solltest du beim Teilen in der DAW darauf achten, dass eine Funktion aktiviert ist, die dafür sorgt, dass an Nulldurchgängen geteilt wird. So vermeidest du digitales Knacken, wenn du einen Track direkt anspringst.

Schallplatten digitalisieren: Knackser kommen vor!
Igitt, ein Knackser! Der kerzengerade Verlauf der Welle (roter Pfeil) sorgt für das Knacken, kann aber in großer Zoom-Stufe ganz einfach mit dem Stift-Werkzeug geglättet werden.

Wenn du laut ausgesteuert hast, musst du meist nur sehr wenige Knackser entfernen. Du erkennst sie in der Regel in der Wellenformansicht der DAW an einer sehr steilen Flanke der Welle. Ich entferne diese wenigen Clippings immer von Hand, indem ich ein Stift-Tool einsetze und sie einfach wegmale. Benutze einen großen Zoomfaktor und greife nur sehr gezielt ein, dann erzielst du die besten Ergebnisse! Ein Plugin kommt bei mir nur zum Einsatz, wenn die ganze Platte vor sich hin knackst.

Meist normalisiere ich die fertigen Tracks hinterher noch auf -0,01 dB, um allen Songs einen ähnlichen Pegel zu verpassen. Wenn du beim Schallplatten digitalisieren aber denkst, dass eine LP-Seite von ihrer großen Dynamik lebt, dann lass es lieber.

Tipp 5: Zielformat

Bei mir sind 320k-MP3s Standard, da ich finde, dass das der beste Kompromiss zwischen Klangqualität und Speicherplatz ist. Wenn ich Schallplatten digitalisiere, dann meist, um sie über einen Player im Auto zu hören. Da ich keine fahrende Disko besitze und meine Umwelt auch noch wahrnehmen will, reichen vielleicht auch 192k, aber so bin ich flexibel, wenn ich den Player doch mal woanders als im Auto benutzen will.

MP3 ist das am weitesten verbreitete Format, das von allen Playern erkannt und abgespielt wird. Auch moderne Autoradios, die nur noch einen USB-Stick brauchen, haben damit keine Probleme.

Grundsätzlich solltest du aber, gerade bei älteren Platten, die du nicht mehr so oft abspielen willst, digitale Kopien in einem Lossless-Format wie WAV, AIFF oder FLAC anlegen. Dann hast du die Möglichkeit, später immer wieder neue Versionen in mit deinem Player kompatiblen Formaten auszuspielen und musst nicht mit dem Schallplatten digitalisieren von vorne anfangen.

Bei der Sample- und Bit-Rate solltest du wieder zwischen Qualität und Speicherplatz abwägen. Das klassische CD-Format 44.1 kHz bei 16 Bit verbraucht pro Stereo-Minute rund 10MB Speicherplatz; höhere Formate benötigen entsprechend mehr Speicherplatz. Da externe 3TB-Platten inzwischen aber auch für unter 100 Euro zu kaufen sind, sollte das inzwischen kein mehr Problem sein.