Tonstudio buchen: Worauf musst du achten?

Mit Homerecording kann man heute wirklich gute Aufnahmen machen, aber irgendwann will man vielleicht den nächsten Schritt gehen. Aber was musst du beachten, wenn du ein Tonstudio buchen möchtest?

Du bist ein Musiker. Vielleicht spielst du in einer Band und ihr habt schon mal eine CD aufgenommen. Vielleicht willst du die Musik, die du live schon gespielt und verbessert hast, endlich auf CD aufnehmen. Oder es ist Zeit für ein Soloprojekt.

Du hast ein kleines, cooles Homestudio, und die Aufnahmen klingen auch brauchbar – aber sie sind nicht auf professionellem Level. Zögernd entscheidest du dich also dazu, Geld zu sparen, um in ein professionelles Studio zu gehen, mit einem professionellen Toningenieur zu arbeiten, der dich und deine Musik möglichst gut repräsentiert.

Aber du willst nicht für ein schlechtes Produkt bezahlen. Wie kannst du als relativer „Laie“ ein gutes Studio und einen echten Experten von den schlechten unterscheiden? Woran erkennt man, ob ein Studio ausreichend für deine Musik ausgestattet ist? Wie das richtige Studio wählen? Finden wir es heraus.

Tonstudio buchen: Viel Equipment ist gut - aber kann man damit auch umgehen?
Tonstudio buchen: Viel Equipment ist gut – aber kann der Toningenieur damit auch umgehen?

Theoretisch muss man sich nicht mit den Details auseinandersetzen, was ein Tontechniker bei der Aufnahme macht. Dennoch ist es nicht schlecht, eine ungefähre Ahnung der Begrifflichkeiten und Methoden zu haben. Und vergiss nicht, Zeitaufwand gegen Effizienz abzuwägen – viele Dinge sind möglich, stellen aber nicht unbedingt die beste Nutzung deiner Zeit dar!

Tonstudio buchen: Nachfragen!

Diskutiere mit anderen Künstlern und Musiker aus deiner Gegend über die Studios und das Personal, das du in Erwägung ziehst. Frage sie, wo die guten Studios sind, wer die richtigen Leute sind, und wen und was man lieber vermeiden sollte. Hör dir auch die Songs der Musiker an, und finde heraus, wo die mit dem besten Sound aufgenommen wurden.

Das gibt dir einen ersten Anhaltspunkt. Du solltest aber daran denken, dass die investierte Zeit, Geld, die Qualität des Materials und das Können der Musiker einen sehr, sehr großen Einfluss auf die Musik gehabt haben. Man kann also nicht alles 1:1 vergleichen.

Tonstudio buchen: Sightseeing

Hat man die Auswahl verkleinert, dann stell eine Anfrage, ob du dir das Studio (oder auch mehrere) anschauen kannst. Es sollte eine angenehme Atmosphäre herrschen, in der du dir gut vorstellen kannst, Musik zu machen. Ein gutes Studio sollte sauber, organisiert und mit aktuellem (oder Vintage-)Gear ausgerüstet sein, das auch regelmäßig professionelle Wartung erfährt.

Lass dich nicht von einem großen Computersystem beeindrucken. Dieser Tage bietet eigentlich jedes DAW jede Funktion, die du brauchst. Stattdessen solltest du von einer guten Auswahl an Mikrofonen und Monitoren beeindruckt sein. Gute Schallwandler kann man nämlich nicht mal eben so nachbauen.

Idealerweise sollte derjenige, der dich durch das Studio führt, auch die Person sein, die später federführend bei deiner Aufnahme ist. Denn jetzt ist es Zeit für ein Bewerbungsgespräch. Vergiss nicht, du beauftragst jemanden, also kannst (und solltest) du auch Fragen stellen.

Tonstudio buchen: Das Bewerbungsgespräch

Es ist nicht das Equipment, durch das jemand zum Profi wird. Manche denken, sie sind einer, nur weil sie viel Geld in ein Pro Tools-System stecken. Ein Profi ist selbstbewusst, aber nicht arrogant, hilfreich, und DEINE künstlerische Vision und Musik ist ihm immer das Wichtigste – auch wenn er etwas vielleicht anders sieht.

Du solltest ihn zwar dazu ermuntern, auch seine Meinung zu vertreten, aber am Ende bezahlst du ihn. Hätte Bob Dylan’s erster Toningenieur gesagt „Hey Bob, du klingst irgendwie ein bisschen seltsam, ich biege deinen Pitch zurecht“, dann hätte Bob Dylan sagen sollen „Nein, danke“. Aber sei vorsichtig, denn du solltest jemanden auswählen, dessen Meinung du respektierst. Ignorierst du konsequent die Erfahrung und die Entscheidungsfreude, die ein guter Toningenieur an den Tag legt, dann…sagen wir mal so, dann könnte es einen Grund dafür geben, wieso deine Aufnahmen im Homestudio nicht so geklungen haben wie die eines Profis.

Tonstudio buchen: Ein guter Tontechniker ist bereit, dir Dinge zu erklären.
Tonstudio buchen: Ein guter Tontechniker ist bereit, dir Dinge zu erklären.

Stell eine einfache Frage wie „Ich habe gehört, einige nehmen gerne direkt mit Effekten auf, andere bevorzugen die trockene Aufnahme und erst das spätere Hinzufügen von Effekten. Was bevorzugst du?“ Was sie antworten, ist eigentlich egal, denn beides hat seine Daseinsberechtigung. Wichtig ist viel eher, wie der Toningenieur antwortet. Ist die Antwort eher etwas Herablassendes á la „Zerbrich dir da mal nicht deinen Kopf drüber, das machen wir schon“, ist das ein dickes Warnzeichen.

Erklärt er dir dagegen den Unterschied mit dem Ziel, dass du etwas dazulernst und den Aufnahmeprozess besser verstehst, dann weißt du, dass du auf dem richtigen Weg bist. „Gute“ Toningenieure wollen dir nicht ihre Meinung aufhalsen, sondern sie erklären dir Vor- und Nachteile, sodass DU eine Entscheidung machen kannst. Und ist deine Entscheidung, dass er es entscheiden soll, ist das auch völlig okay!

Tonstudio buchen: Resultate

Konzentriere dich auf Resultate. Ein Toningenieur sollte selbstbewusst sein, aber wenn sie nur darüber reden, wie großartig sie sind, kann das Ärger bedeuten. Frag sie nach ihrem schwersten Projekt, wieso es so schwer war, und was sie getan haben, damit es trotzdem funktionierte.

Die Antwort „Naja, der Gitarrist war ein Idiot“ ist nicht so gut wie „Naja, der Gitarrist hatte keine Recording-Erfahrung, und ich verlor eine Menge Zeit mit dem Erklären von Dingen“. Redet er immer wieder über persönliche bzw. personelle Probleme, dann ist es gut möglich, dass er selbst immer das Problem war. Gute Toningenieure kommen mit allen Leuten klar und haben kein Ego. So sollten Künstler übrigens auch sein, wenn sie die besten Ergebnisse erzielen möchten.

Erfahrung zählt – aber nicht immer. Manche Menschen sind geborene Toningenieure und bei ihnen klingt alles gut, während andere sich das teuerste Equipment kaufen und die Produktion am Ende „okay“ klingt. Wenn „Erfahrung“ bedeutet „das habe ich schon immer so gemacht“, dann ist es nicht das, wonach du suchst. Vielmehr geht es um die Erfahrung, dass er immer das richtige Werkzeug an der Hand hat, und immer die beste Herangehensweise für die nächste Aufgabe. Meistens fährt man besser mit den jungen Kerl, der George Massenburg wird als mit dem, der denkt, er wäre Massenburg.

Tonstudio buchen: Ohren auf

Tonstudio buchen: Klingt die Abhöre nicht gut, kann keiner verlässliche Entscheidungen treffen. (hier: Wisseloord Studios, NL)
Tonstudio buchen: Klingt die Abhöre nicht gut, kann keiner verlässliche Entscheidungen treffen. (hier: Wisseloord Studios, NL)

Hör dir Musik an, die im Studio und von dem Toningenieur gemacht worden ist, und bring eine CD mit Songs mit, die du sehr gut kennst. Frag nach, ob du diese ein paar Minuten hören kannst, sodass du einen Eindruck der Studio Monitore bekommst. Hör dir den Sound ganz genau an: Klingen sie matschig, undeutlich, haben sie mehr Bass, sind sie dünner etc.?

Falls du nicht an ein sehr hochwertiges System gewöhnt bist, sollten die Songs jetzt wesentlich umfassender und detaillierter als sonst klingen. Wichtig dabei ist aber auch: keine unnatürlichen Übertreibungen z.B. im Bass. Die Genauigkeit ist sehr, sehr wichtig; wenn der Raum und die Studio Monitore dich anlügen, kann keiner gute Entscheidungen treffen, die auch später auf allen anderen Systemen gut klingen.

Tonstudio buchen: Ein letzter Tipp

Nach zahllosen Sessions im Laufe der Jahre habe ich festgestellt: Was immer den größten Unterschied ausmacht, ist nicht das Studio, das Personal oder das Equipment – es sind die Songs, und wie gut die Musiker darauf vorbereitet sind, diese mit Emotion und Musikalität aufzunehmen.

Je besser du auf eine Aufnahmesession vorbereitet bist, desto besser. Es ist zwar wichtig, das richtige Studio und das richtige Personal auszuwählen, aber du solltest auch wirklich, wirklich aufs Aufnehmen vorbereitet sein. Alle Musiker sollten gut geprobt haben und wissen, was sie wollen. Alle Arrangements sollten fertig sein, die Instrumente in perfektem Zustand und so weiter.

Tonstudio buchen: Zeit ist Geld - vor allem, wenn man im Studio ist...
Tonstudio buchen: Zeit ist Geld – vor allem, wenn man im Studio ist…

Es ist wie als ob man einen Raum anstreicht: Die meiste Zeit fließt in die Vorbereitung – Sachen abkleben, den Boden schützen etc. Das eigentliche Streichen ist nur eine Sache von Minuten. Die Pre-Production ist also sehr wichtig, nicht nur für die Qualität der Songs, sondern auch, weil Zeit Geld ist, sobald man im Studio ist.

Stell’ sicher, dass du mit dem Studiomanager und mit dem Toningenieur und mit allen anderen Verantwortlichen redest. Alle sollten ein klares (gemeinsames) Ziel haben. Stell einen Zeitplan auf und halte fest, was du erreichen möchtest. Der Plan muss zwar vielleicht korrigiert werden, aber es ist immer sinnvoll, von Anfang an einen Plan und ein Budget zu haben.