Django Django, Foto: Fiona Garden

„Häufig bekomme ich von Tommy (Grace, Keyboarder) Ideen, die nach John Carpenter klingen oder etwas anderes von Vinny (Neff, Gitarrist), das einen leichten Einschlag nach Link Wray oder The Cramps hat. Es ist dann immer schwierig für mich, daraus einen funktionierenden Song für Django Django zu kreieren, der nicht merkwürdig zusammengebastelt klingt.“, sagt Dave MacLean, der Schlagzeuger und Co-Produzent der englischen Electro-Band Django Django.

„Aber häufig ist es lustig zu sehen, wie man aus schlechten Ideen einen guten Song gestalten kann. Diese Produktion beruht ein wenig auf Giorgio Moroders Blondie. Er nutzte einen leichten “Surfy Twang” über den synthetischen Bässen.”

Diese Aussage zeigt auf, welche Bands und Stilrichtungen einen Einfluss auf die Arbeit von Django Django genommen haben: neben dem typischen 90er Jahre Hip Hop auch der Acid House, sowie die Beach Boys. Und irgendwie scheint genau diese Mischung aus synthetischen Klängen den Charme einer jeden MacLean-Produktion auszumachen.

Die Arbeit für das aktuelle Django Django Album namens „Born Under Saturn“  begann in den Angelic Studios, einem Studio in der Nähe von Oxford mitten auf dem Land. Django Django und ihr Produzent Neil Comber arbeiteten zwei Monate dort und wussten den großen Aufnahmeraumsowie die große Auswahl an hochwertiger Technik und Instrumenten sinnvoll zu nutzen.

Django Django im Studio

„Es ist ein wunderbares Studio, mit einer SSL der G-Serie und vielen Neve-Kanalzügen zum Aufnehmen“, sagt Comber.

Django Django, Foto: WMG„Zusätzlich gibt es eine großartige Auswahl an alten, analogen Synthesizern. Ich glaube, auf diesem Django Django-Album sind ausschließlich analoge Synthesizer zum Einsatz gekommen. Wir haben hier einen alten Memory Moog, eine Solina, einen Jupiter und einen Juno zur Verfügung. Diese Geräte machen einen Großteil des typischen Django Django-Sounds aus.“

„Dieser Juno ist die Grundlage für jeden unserer Songs. Tommy ist für all die Arpeggios verantwortlich, die diesen John-Carpenter-Sound bringen.“, fügt MacLean hinzu.

Die Aufnahmemethodik von Django Django beschreibt Comber als einen „fortlaufenden Prozess“, der anfangs meistens mit einer 20-minütigen Jam-Session beginnt, um erste Ideen festzuhalten.

Anschließend möchte Dave meist einige paar Drum-Takes aufnehmen, dafür nutzen wir häufig auch die wunderbaren Effekte, wie beispielsweise einen alten Spring-Reverb. Dann haben wir ein paar Bass- und Gitarrenspuren und einige Synthesizer aufgenommen. Aber es ist auch häufig vorgekommen, dass wir im Endstadium die Drums ändern wollten. Dann haben wir einfach nochmal von vorne begonnen.”

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Django Django zurück in London

Bass und Synthesizer wurden ebenfalls entweder per Mikrofon oder DI-Box aufgenommen. Auch hier wurde viel Zeit investiert, um möglichst kreative Sounds zu generieren. „Den kleinen Ampeg mit dem Federhall haben wir häufig für die Aufnahmen der Synths genutzt“, sagt Comber. „Anschließend haben wir dieses Signal beispielsweise mit dem studioeigenen Eventide H3000 bearbeitet.“

Nach der Session in den Angelic Studios kam die Band mit soliden Aufnahmen nach London, aber sie hatten noch einiges an Arbeit vor sich.

Django Django im Studio, Foto:: WMG
Django Django in ihrem Studio/Proberaum in London. Von links: Jim Dixon (Bass), Vinny Neff (Gitarre), Tommy Grace (Keyboarder), Dave MacLean (Drummer/Co-Producer). Foto: WMG

„Wir kamen ein bisschen in Zeitnot und buchten uns die Urchin Studios, die ganz in der Nähe von unserem Proberaum sind. Hauptsächlich waren Jim und Vinny dort und nahmen Vocals sowie Gitarren-Overdubs auf. Es war aber mehr ein Ausbessern als ein komplett neues Recording“, sagt Comber. „Während wir in den Urchin Studios waren, arbeiteten Dave und Tommy im eigenen Studio an den Edits und den Drum-Aufnahmen. Zusätzlich nahmen wir weitere Drums auf, diese kamen aber nicht an die Aufnahmen heran, die wir bereits hatten.  Anschließend schickten wir uns gegenseitig den aktuellen Stand und konnten so neue Ideen sammeln.“

Django Django: Beinahe unheimlich

Die meisten Teile der Vocals wurden in dieser Zeit aufgenommen und sind ein Ergebnis unterschiedlicher Herangehensweisen. „Wir haben vieles über ein Tone Lux U47 aufgenommen, ein Nachbau des legendären Neumann U47.“, sagt Comber. „Es ist ein Großmembran-Kondensator und lässt die Vocals groß erscheinen. Anschließend haben wir alles bearbeitet. Die Vocals bestehen grundsätzlich aus vier unterschiedlichen Ebenen. Einmal die trockenen Vocals, dann über ein Gitarren-Effektgerät, ein Spring Reverb und die letzte Ebene über einen Flanger-Effekt oder andere Geräte, die interessante Sounds erzeugen.“

Das Ergebnis sind psychedelisch anmutende Harmonien mit einem deutlichen 60er-Jahre-Einschlag. Zusammen mit dem ebenfalls schon besonderen Instrumental entstehen beinahe unheimliche Sounds.

„Es gibt den Song „Shot Down“, der mit einer sehr monophonen Synth-Melodie beginnt und durch ein Hip Hop Drum Kit erweitert wird“, sagt MacLean. „Dann hat Jim eine Art Blues-Rock-Gitarre gespielt – dadurch erreichte der Song ein komplett anderes Level. Die Vocals gaben dem Song zusätzlich ein bisschen Beach-Boys-Feeling.

Es ist alles ein bisschen wie ‚stille Post‘, jeder gibt dem anderen etwas vor, und am Ende haben wir ein sehr bizarres Endergebnis.“

© Electronic Musician, courtesy of NewBay Media, 2015