Auf der Suche nach kleinen Monitor-Lautsprechern, die immer eine gute Figur machen? Der Eve Audio SC203 Test zeigt, ob dieses Paar den Ansprüchen gerecht wird.

Eve Audio SC203 Test: Kompakte und minimalistische Optik.
Eve Audio SC203 Test: Kompakte und ansprechende Optik.

Das Berliner Unternehmen Eve Audio hat in gerade einmal fünf Jahren schon für ordentlich Furore gesorgt. Dank eines grundlegenden Überdenkens des Konzepts „Studiomonitore“ inklusive der Bauteile und Komponenten konnte das Team rund um Roland Stenz hochwertige aktive Studiomonitore herstellen, die sehr positiv aufgenommen wurden.

Mit den Eve Audio SC203, einem 3“ Master/Slave-System, wurde die Produktpalette erweitert. Diese kleinen Lautsprecher sind laut Homepage „für professionelle Desktop-Anwender mit räumlich begrenztem Platzangebot sowie für anspruchsvolle Home- und Gaming-Nutzer“ gedacht. Die kompakten Abmessungen und das geringe Gewicht (zusammen nicht einmal 4kg) unterstützen diese These schon einmal.

Eve Audio SC203 Test – Bewährte, neue Technik

Für die neutrale Wiedergabe der ankommenden Audiosignale (denn der Klang soll ja nichts beschönigen), die sich bei derart kleinen Geräten ja doch immer etwas schwierig gestaltet, hat man sich bei Eve Audio besondere Ideen einfallen lassen. Unter anderem wurde ein mehrschichtiges 3“-Langhub-Chassis und ein komplett neuer Hochtöner entwickelt. Die offizielle Homepage von Eve Audio bietet hier übrigens eine tolle Beschreibung der technischen Features – für alle Interessierten durchaus einen Blick wert. Die große Frage ist jedoch: haben sich diese Mühen bezahlt gemacht?

Das Frequenzspektrum ist mit 62Hz – 21kHz angegeben, was als mehr als nur sehr ordentlich angesehen werden kann. Naturgemäß geht hier noch was nach unten, aber wer dies wirklich braucht, kann immer noch einen Subwoofer dazu anklemmen.

Eve Audio SC203 Test: Frequenzspektrum (Foto: Hersteller)
Eve Audio SC203 Test: Frequenzspektrum (Foto: Hersteller)

Das, was da ist, wird auf jeden Fall neutral abgebildet, und das ist eigentlich das Wichtigste. Wie man im Video sehen kann, werden die SC203 gerne mal zum Videoschnitt benutzt. Auch dort ist eine neutrale Abhörmöglichkeit wichtig. Natürlich geht es immer noch besser, aber damit wird es auch wesentlich teurer – und auch größer. Die oben angesprochene Zielgruppe dürfte mit den Eve Audio SC203 vollauf zufrieden sein. Auch der Bereich um die Übergangsfreqenz (4,8kHz) klingt sauber und verschluckt nichts.

Eve Audio SC203 Test – Viele Wege führen ins Gerät

Eve Audio SC203 Test: Die Rückseite des rechten Speakers mit RCA, Sub-Out, USB- und Optical-Schnittstelle sowie die Dip-Schalter.
Eve Audio SC203 Test: Die Rückseite des rechten Speakers mit RCA, Sub-Out, USB- und Optical-Schnittstelle sowie die Dip-Schalter.

Ein Feature, das uns sehr gut gefallen hat, sind die vielfältigen Anschlussmöglichkeiten der Eve Audio SC203. Ein digital-optischer Input, eine USB-Schnittstelle (bis 96kHz), ein Out für einen Subwoofer sowie analog-RCAs sorgen für vielseitigen Einsatz und schnelle Verkabelung. Hier hat man mitgedacht und die kompakte Größe der Lautsprecher voll ausgenutzt, sodass sie wie geschaffen sind für unterwegs oder fürs „gerade mal dranklemmen“. Zu oft sieht man sonst gerade bei kleineren Modellen einen Mangel an Inputs, wodurch die Einsatzmöglichkeiten dann doch wieder limitiert sind. Toll!

Wie schon erwähnt, gibt es auch einen Anschluss für Subwoofer. Nutzt man diesen, kann man den DIP-Schalter, der sich ebenfalls auf der Rückseite befindet, dazu benutzen, den Hochpassfilter bei 80 Hz zu aktivieren. Zwei weitere DIP-Schalter sind für die Einstellung des Auto-Standby-Modus (Ausschalten nach 10 Minuten ohne Eingangssignal) sowie für das maximale Inputlevel gedacht. Aber wo wir schon beim Einstellen sind…

Eve Audio SC203 Test – Ein Lichtkranz zum Einstellen

Die generell ziemlich ansprechend Optik der Eve Audio SC203 wird zweifellos durch den Drehregler unterstrichen, der den rechten Lautsprecher ziert. Um ihn herum befinden sich kleine orangefarben leuchtende LEDs, die dem Nutzer Feedback über Lautstärke, Filtereinstellungen usw. geben. Das ist wirklich sehr edel ausgeführt.

Eve Audio SC203 Test: Der eindrückbare Drehregler mit LED-Kranz ist für die meisten Einstellungsmöglichkeiten verantwortlich.
Eve Audio SC203 Test: Der Drehregler mit Push-Funktion und LED-Kranz ist für die meisten Einstellungsmöglichkeiten verantwortlich.

Trotzdem steht man zunächst einmal kurz auf dem Schlauch. So viele Einstellungsmöglichkeiten – und wie kommt man jetzt an diese heran? Mithilfe einer weiteren Funktion des Reglers – der Push-Funktion. Drückt man den Regler ein, kann man dann das System beispielsweise in den Standby-Modus versetzen, den Eingang wählen sowie die Position (abgekürzt auf dem Gerät mit Pos) angeben.

Die Position steht dabei tatsächlich ganz logisch für die Abhörposition, also wo genau die Monitore stehen. Hier gibt es drei Auswahlmöglichkeiten: Flat, Desk und Console. Die Flat-Einstellung sollte genutzt werden, wenn die Lautsprecher auf gleicher Höhe wie die Abhörposition stehen, Desk, wenn sie auf einem Schreibtisch stehen, und Console, wenn die Eve Audio SC203 auf einer Meterbridge stehen. Parallel dazu sollte man die mitgelieferten Flexipads nutzen. Diese sind im „Eve Audio-orange“ ausgeführt. Mit ihnen kann man die Lautsprecher auf einen Abstrahlwinkel von 0°, 7,5° oder 15° ausrichten. Auch ganz nett: Die Lautsprecher verfügen über Stativgewinde, haben also eine weitere Aufstellungsoption.

Neben der Tatsache, dass die Flexi-Pads auch die Monitore akustisch entkoppeln (andere Hersteller liefen dieses Zubehör nicht unbedingt mit), ist es schön, dass man seitens Eve Audio sozusagen prophylaktisch gehandelt hat und man dem Nutzer etwas entgegenkommt, was die Klangoptimierung angeht. Die Low- und High-Shelf-Filter (± 3dB in 0,5dB-Schritten) sowie die Einstellung der Stereobalance schlagen hier in die gleiche Kerbe, sodass man als erfahrener Nutzer, der die Eve Audio SC203 möglichst gut anpassen will, sich wirklich intensiv mit dem System auseinandersetzen kann.

All diese Einstellungsmöglichkeiten sind dann natürlich nicht mehr intuitiv ohne einen Blick in die Gebrauchsanleitung durchzuführen. Das ist einerseits auch auf die 1-Regler-Strategie zurückzuführen, andererseits aber auch verständlich. Die Anleitung selbst ist gut und verständlich geschrieben.

Eve Audio SC203 Test – Fazit

Zum Abschluss führen wir uns am besten zunächst wieder vor Augen, für wen dieses Pärchen gedacht ist: Desktop-Anwender, anspruchsvolle Home- und Gaming-Nutzer. Ja, das mag sicherlich stimmen. Mit den Eve Audio SC203 bekommt ein solcher Nutzer neutral klingende, schnell angeschlossene und kompakte Lautsprecher, die eigentlich keine Wünsche offenlassen dürften (auch optisch).

Eve Audio SC203 Test: Mithilfe der Flexipads lassen sich die Lautsprecher entweder komplett gerade oder in einem 15°-Winkel einstellen. Ohne ein Flexipad haben die Lautsprecher bereits einen 7,5°-Winkel.
Eve Audio SC203 Test: Mithilfe der Flexipads lassen sich die Lautsprecher entweder komplett gerade oder in einem 15°-Winkel einstellen. Ohne ein Flexipad haben die Lautsprecher bereits einen 7,5°-Winkel.

Hier verkauft man sich aber noch fast unter Wert, wie mir scheint. Ich sehe eigentlich keinen Grund, wieso man die SC203 nicht auch (wie beschrieben) als Abhöre für einen Schnittplatz, eine etwas anspruchsvollere Demo, für Live-Recordings etc. nehmen könnte. Die vielfältigen Anschlussmöglichkeiten (inklusive Subwoofer) bieten hierfür nämlich durchaus die Voraussetzung.

Die angesprochene Entwicklung neuer Bauteile schlägt sich zwar wahrscheinlich auch im Preis nieder, aber die Verarbeitung und nicht zuletzt auch der tolle Klang der Lautsprecher machen die Eve Audio SC203 zu einer echten Empfehlung für alle, die auf der Suche nach einem Monitorpaar sind – und zwar eigentlich egal, wofür genau!