Wir brauchen keine Sounds aus der Dose – in der Natur gibt’s interessante Geräusche im Überfluss! Unser “Field Recording für Einsteiger”-Feature beweist das.

Das Thema Field Recording ist in den letzten Jahren immer häufiger diskutiert worden, gerade auch bei Einsteigern. Das ist kein Wunder, sind doch die Field Recorder mittlerweile so günstig geworden, dass es nicht nur noch Profis vorenthalten bleibt, loszugehen und eigene Sounds zu sammeln. Unser “Field Recording für Einsteiger”-Feature mit dem ausführlichen Video oben verrät dir Tipps und Tricks und zeigt, dass man sogar einen ganzen Song aus den aufgenommenen Samples bauen kann.

Field Recording für Einsteiger: Was ist Field Recording eigentlich genau?

Field Recording David nimmt ein Feld auf
Field Recording: Wir nehmen in den seltensten Fällen ein Feld auf. ;)

Field Recording darf man nicht unbedingt wörtlich nehmen, denn ein Feld nimmt damit nicht auf – oder zumindest nicht nur. Stattdessen bezeichnet man damit das Aufnehmen von Schallquellen, die man nicht innerhalb eines Tonstudios findet. Die Einsatzmöglichkeiten von Field Recording Aufnahmen sind dabei fast grenzenlos.

Ein klassisches Beispiel für Field Recording ist das Sounddesign, bei dem man die gesammelten Sounds so verändert, bis man gänzlich andere Klänge oder gar Klanglandschaften erhält. Auch im Film ist Field Recording durchaus wichtig, denn nicht alle Klangeffekte, die man für einen Blockbuster braucht, hat man eben mal so zur Hand. Da kann das Field Recording auch gute Abhilfe schaffen.

Wir wollen uns heute aber einer anderen Aufgabe widmen – wir schreiben einen ganzen Song mithilfe unserer Samples. Dafür gehen wir auf die “Pirsch” und schauen mal, was wir so finden. Kleiner Spoiler: Wir haben zum Großteil Sounds genutzt, die wirklich jeder ohne Probleme selbst aufnehmen kann!

Field Recording für Einsteiger: Was für Equipment benötige ich?

Tascam DR-44WL Field Recorder
Wir nehmen fürs Field Recording den Tascam DR-44WL

Die erfreuliche Antwort: Nicht viel! Zumeist werden kleine Mobile Recorder/Field Recorder genutzt, die es mittlerweile zuhauf gibt. Diese gibt es in allen möglichen Preiskategorien, sodass auch Leute mit geringerem Budget auf ihre Kosten kommen. Die Recorder haben alle eingebaute Mikrofone, mit denen die Sounds aufgenommen werden (manche Geräte haben auch Anschlüsse für externe Mikrofone). Als Speichermedium dient eine SD-Karte, die oft schon im Lieferumfang ist.

Mehr braucht es fürs Erste nicht. Alle zusätzlichen Features, die man noch in einem Field Recorder hat, ergeben sich durch die Nutzung. Allenfalls ein Windschutz wäre noch zu nennen. Diesen stülpt man einfach über die Mikrofone und verhindert so extreme Windgeräusche.

Bei unseren Field Recording Aufnahmen haben wir uns für den Tascam DR-44WL entschieden, den wir bereits testen konnten – klick hier! Dieser bietet unter anderem neben zwei eingebauten Mikrofonen, die mit einer hohen Klangqualität von 24-bit/96kHz aufnehmen können, weitere Eingänge für externe Mikrofone und eine Steuerung über WLAN. Insgesamt ein tolles Gerät, das uns nie im Stich gelassen hat.

Wenn wir einen Field Recorder haben, dann gehts raus!

Field Recording für Einstiger: Aufnehmen

Was kann, darf und soll man aufnehmen? Eurer Kreativität sind eigentlich keine Grenzen gesetzt, man muss einfach nur seine Augen (oder besser Ohren) aufhalten. Logisch – begebt euch und andere nicht in Gefahr und macht nichts Illegales! Das war es aber auch eigentlich schon.

Field Recording: Spielplatz mit RutscheUm euch ein paar Field Recording Ideen zu liefern: Auf einem Spielplatz haben wir eine Rutsche aufgenommen, gegen die wir geschlagen haben. Dadurch, dass wir den Tascam DR-44WL dabei IN die Röhre gehalten haben, hatten wir nicht nur den eigentlichen Schlag, sondern auch einen tollen Hall. Aber ein Spielplatz hat ja auch noch andere Geräte – so konnten wir zum Beispiel eine Schaukel aufnehmen. Die hat zwar nur ein wenig gequietscht, aber auch das konnten wir nutzen. Und das Trampolin mit dem lange nachfedernden Untergrund war natürlich klasse!

Eine andere Location war ein Feld, auf dem sich ein Wassersprenger befand. Logisch, dass wir diesen aufnehmen mussten – vor allem, weil er von sich aus einen natürlichen Rhythmus hatte. Wo es auch immer etwas auf die Ohren gibt: ein Bach (bei dem wir mit ein paar Kieselsteinen etwas nachgeholfen haben) oder eine Tierweide (mit einem sehr mitteilsamen Hund). Auch beliebt sind gut einzufangene “Einzelsounds” wie zum Beispiel ein Vorhängeschloss oder eine Kette.

Field Recording für Einstiger: Aufnahme-Tipps

Field Recording Wir klopfen auf ein Geländer
Der Windschutz ist beim Field Recording meistens im Einsatz.

Der erste und wichtigste Tipp ist wohl: Nehmt so viel auf wie möglich! Zur Not hat man drei Sounds zu viel anstatt zwei zu wenig. Erst zu Hause im Studio (da, wo es ruhig ist) kann man nämlich so richtig einschätzen, mit welchen Aufnahmen man weiterarbeiten kann.

Windschutz benutzen. Vor allen Dingen wenn man draußen ist, nehmen die Mikrofone der Field Recorder eigentlich immer Windgeräusche mit auf. Ein Windschutz schafft da schon mal erste Abhilfe. Es ist aber auch zu empfehlen, dass man sich während des Aufnehmens so hinstellt, dass möglichst viel Wind bereits vom eigenen Körper abgehalten wird. Das spart beim Bearbeiten einige Zeit.

Field Recording mit Hund
Tiere sind beim Field Recording oft tolle Sound-Lieferanten.

Externe Mikrofone benutzen. Wie schon gesagt, sind die internen Mikrofone heutzutage eigentlich alle gut bis sehr gut. Es kann jedoch nie schaden, ein externes Mikrofon beim Field Recording mitzunehmen und mit diesem die Schallquelle noch zusätzlich aufzunehmen. Field Recorder wie der Tascam DR-44WL haben genau dafür noch XLR-Anschlüsse – und die Phantomspeisung für die Mikrofone liefert der Field Recorder gleich mit. Doppelt gemoppelt hält eben besser!

Mehrspuraufnahmen. Wenn möglich, sollte man eine Mehrspuraufnahme machen und die unterschiedlichen Kanäle dann unterschiedlich laut aussteuern (ein Kanal ist etwas lauter, ein anderer deutlich leiser). So macht ein Windstoß oder ein plötzliches lautes Geräusch die Aufnahme nicht kaputt.

Field Recording für Einsteiger: Sound-Bearbeitung

Hat man (seiner Meinung nach) genügend Sounds aufgenommen, geht es nun zum nächsten wichtigen Schritt über – dem Nachbearbeiten. Hier werden aus den Aufnahmen hochwertige Samples, die man weiter benutzen kann. Und wenn eine Aufnahme mal nichts geworden ist – nicht schlimm! Dafür hat man ja genug aufgenommen. Oftmals wundert man sich jedoch, wieviel man dank der vielfältigen Bearbeitungsmöglichkeiten noch aus den Field Recording Sounds herausholen kann, also nichts vorschnell löschen.

Field Recording NI Battery 4
Wir haben die Field Recording Sounds auch in Native Instruments Battery noch nachbearbeitet.

Bei einigen unserer Samples benötigten wir jeweils nur ein kurzes Stück eines Sounds. Schließlich wollen wir ja einen Song schreiben und brauchen neben ganz “lapidaren” Sachen wie einer Bassdrum oder Snare auch Rhythmen und Grooves. In unserem Fall ist der hechelnde Hund oder der Wassersprenger so ein “natürlich groovendes” Objekt. Sowas sollte man im Hinterkopf behalten und danach Ausschau halten.

Bei vielen Sounds ist ein Grundrauschen vorhanden oder es gibt Störgeräusche, zum Beispiel von Autos. Oftmals kann man mittels Filtern oder Equalizern sehr viel dieser Störquellen entfernen, indem man einen großzügigen Hipass-Filter ansetzt. Wenn man dann doch die Höhen anhebt (beispielsweise bei unserer Grille, die wir als Shaker genutzt haben), dann ist vieles soundtechnisch wirklich brauchbar.

Field Recording für Einsteiger: Songwriting

Wir haben einige Sounds in Battery von Native Instruments geladen und uns so ein Drumset gebaut. So können wir bequem per MIDI auf alle Sounds zugreifen. Das Brückengeländer, das mit einem Knöchel und mit der Handfläche angespielt wurde, haben wir in einen Sampler gelegt. Beide Spielvarianten haben wir dann auf die Tastatur gelegt. Jetzt wirds kreativ – ihr seid gefragt. Viel Spaß beim Produzieren!

Field Recording für Einsteiger: The Best Of Both Worlds

Zum weiteren Füllen und Erstellen anderer Melodien haben wir uns zusätzlich bei den Synthesizern, die wir im Studio haben, bedient. Das hilft beim Herausarbeiten (und Einfügen) von weiteren Grooves.

Field Recording für Einsteiger: Wofür das Ganze? Ich habe doch Sample-Bibliotheken!

Field Recording manchmal darf es doch ein Feld sein!
Dieser Wassersprenger hatte quasi den Rhythmus schon im Blut – perfekt fürs Field Recording!

Kreative und eigene Sounds, die sonst keiner hat. In Zeiten von riesigen Samplelibraries, die sich jeder schnell herunterladen kann, ist das eine interessante Geschichte. Nirgendswo sonst auf der Welt wird jemand einen Shaker haben, der GENAUSO wie deiner klingt.

Mit der Zeit wirst du durch dein Field Recording eine eigene Bibliothek an Klängen und Effekten aufbauen, an der du dich bequem bedienen kannst – das sind deine eigenen Signature-Sounds!

Wir wünschen viel Spaß beim Nachmachen!

Vielen Dank an Tascam für die Unterstützung!