Keith McMillen K-Mix im Test

Ein Audio-Interface darf heutzutage ja nicht mehr nur einfach Audio-Interface sein: Vielseitige und flexible Geräte für alle Situationen sind uns ja am liebsten. Der Keith McMillen K-Mix Test zeigt, ob hier eine solche “eierlegende Wollmilchsau” vorliegt.

Obwohl es bereits viele Interfaces und Controller jedweder Größe und Form für jede erdenkliche Situation gibt, ist das Keith McMillen K-Mix trotzdem noch etwas Besonderes – und zwar aufgrund seiner Features, der Flexibilität, Bauweise und der Optik.

Neben seinem Controller-Dasein (mit einer „opto-taktilen“ Oberfläche, die man auch bei anderen Keith McMillen-Produkten findet) ist der K-Mix außerdem ein 8×10 USB Audio-Interface. Auch ein programmierbarer Mixer mit internen Effekten ist integriert. Dabei sollte man sich nicht von seinen kleinen Maßen (235 x 167,5 x 40 mm bei 700g) täuschen lassen. Der K-Mix kann ohne Probleme in ein professionelles Aufnahmeumfeld oder in ein PA-System (als Hub) eingebunden werden.

Keith McMillen K-Mix Test: Das Ankündigungsvideo

Keith McMillen K-Mix Test – Standalone…oder auch nicht

Der Keith McMillen K-Mix unterstützt Audio mit 96kHz Samplerate und 24-bit Bittiefe. Mittels USB 2.0 verbindet sich das Gerät mit einem Computer und kann dann MIDI- und Audiodaten transferieren. Ein Mini-USB-Port gibt’s auch gleich mit dazu, entweder für die 5V Stromversorgung oder für den MIDI Expander (ca. 59€). Mit diesem kann man externe MIDI-Hardware ansteuern. Die Stromversorgung braucht man für den Standalone-Betrieb, wenn also gerade kein Computer zur Hand ist.

Getestet wurde der Keith McMillen K-Mix sowohl im genannten Standalone-Modus, mit Ableton Live, dem MOTU Digital Performer und auch mit einem iPad Pro. Zwar ist iOS zum Zeitpunkt dieses Testberichts noch nicht offiziell unterstützt, aber der K-Mix funktioniert mit jeder iPad-Generation. Er benötigt entweder einen USB-auf-30-pin Kameraadapter oder ein Lightning-auf-USB-Adapter. Die Windows-Kompatibilität befindet sich in Entwicklung und ist scheinbar so gut wie fertig.

Keith McMillen K-Mix Test – Die Ins und Outs

Keith McMillen K-Mix Test: Die Anschlüsse auf der Rückseite.
Keith McMillen K-Mix Test: Die Anschlüsse auf der Rückseite.

Für so ein kleines Gerät ist die Anzahl der In- und Outputs sehr großzügig ausgefallen. Von den 8 symmetrischen Inputs haben Kanäle 1 und 2 XLR-/Line-Combobuchsen, die auch mit hohen Impedanzen zurechtkommen. Diese ersten beiden Inputs bieten auch die neuen, extra entwickelten Preamps mit zwei Phantomspeisungsstärken, +12V und +48V. Dass man viel Zeit in diese Preamps gesteckt hat, merkt man. Bei den Instrumenten-Inputs hört man durchweg sehr viel mehr Höhen als sonst. Gleichzeitig sind sie trotzdem schön mit den tieferen Frequenzen ausbalanciert.

Inputs 3 bis 8 sind „nur“ Klinkeneingänge, die aber Line- und Phono-Level verarbeiten können und so auch beispielsweise für Plattenspieler geeignet sind.

Alle acht Outputs des Keith McMillen K-Mix sind Klinkenausgänge, wobei Kanal 1 und 2 als die Main-Outs dienen. Der Kopfhörer-Ausgang an der Frontseite des Geräts kann übrigens auch als Low-Frequency Speaker-Output dienen, wenn man mit dem K-Mix in Surround Sound arbeitet. Vierfach, 5.1, 7.1 und achtfache Konfigurationen sind hier möglich. Um die „Soundbühne“ zu generieren, werden Ambisonics-Algorithmen benutzt.

Keith McMillen K-Mix Test – Surround-Konfigurationen

Mithilfe der K-Mix Editor Software kann man die Surround-Mixes konfigurieren. Der Bass Management-Button ermöglicht die Festlegung der Crossover-Frequenz des Kopfhörer-Ausgangs. Jeder der vier Busse zeigt einen Marker an, der als visuelle Stütze für die ideale Positionierung der bis zu acht Lautsprecher dient.

Die Drehregler des Keith McMillen K-Mix reflektieren die Surround-Bewegung. Wenn man das Signal entlang des Kreises bewegt, folgt ein kleiner roter Punkt auf dem Controller. Bewegt sich das Signal zum Center hin, wird aus dem roten Punkt ein beleuchteter Ring rund um den Regler, der letztendlich die Signalverteilung zwischen allen Bussen anzeigt.

Keith McMillen K-Mix Test – Genügend Headroom, klarer Sound

Ich war sehr beeindruckt, was die Klarheit und den scheinbar erweiterten Headroom angeht – auch bei höheren Lautstärken, die ich sonst nicht unbedingt fürs Mixen nutze. Sehr dichte Songs mit vielen verschiedenen virtuellen Instrumenten behielten ihre klanglichen Charakteristiken. Dabei entstand auch keine „Pad-Suppe“, was ja sonst schon mal passieren kann.

Keith McMillen K-Mix Test – Der Rotary-Club

Keith McMillen K-Mix Test: Die Draufsicht zeigt die Vielzahl an Knöpfen, praktisch alle mit Mehrfachbelegung. Das erfordert ein gutes Gedächtnis - oder eine Leselupe.
Keith McMillen K-Mix Test: Die Draufsicht zeigt die Vielzahl an Knöpfen, praktisch alle mit Mehrfachbelegung. Das erfordert ein gutes Gedächtnis – oder eine Leselupe.

Mit Ausahme des Power-Knopfes hat jedes Bedienfeld auf dem Keith McMillen K-Mix mehrere Funktionen. Die vier Drehregler – zunächst für Panorama-Einstellungen gedacht – dienen für eine ganze Reihe unterschiedlicher Befehle, je nach gewähltem Modus. Bearbeitet man beispielsweise gerade Reverb-Einstellungen, dienen diese Regler dann (von links nach rechts) für das Pre-Delay, Damping, Diffusion und Decay. Das wird alles mittels einer hellblauen LED angezeigt, die am unteren Teil des Knopfes angebracht ist. Im MIDI-Modus dagegen nutzt man sie, um Plugin-Parameter anzupassen.

Betätigt man das diamantförmige Pad (neben den Regler) zusammen mit dem Shift-Button, kann man den Keith McMillen K-Mix von Mixer-Betrieb auf MIDI-Controller-Betrieb umschalten: der linke Button führt zu Mixer-Funktionen, während die restlichen drei zwischen drei verschiedenen MIDI-Bänken umschalten. Aufgedruckt sind auf diesen übrigens die normalen Transport-Symbole für die Arbeit mit einer DAW.

Keith McMillen K-Mix Test – Die Fader

Über den neun Fadern gibt es Channel-Select-Buttons, mit denen man Mute, Solo oder Bypass aktivieren oder Phantomspeisung auf den Kanal geben kann. Außerdem kann hier ausgewählt werden, welche Kanäle auf dem Kopfhörer zu hören sind, Pre- und Post-Fader-Sends können editiert und Effekte gebypasst werden – und noch vieles andere.

Wie man es auch schon fast erwarten könnte, haben die Fader unterschiedliche Funktionen. Das fängt bei Lautstärke und Input Trim an und zieht sich hin bis zum Übertragen von MIDI CC-Daten.

Generell sind die Fader ein Highlight. Jeder Fader fühlt sich gut an und hat grüne, gelbe und rote LED-Segmente, die die Fader-Position oder die Lautstärke (im VU-Metering-Modus) anzeigen. Durch die außergewöhnlich gute Reaktionsfähigkeit kann man auch Werte eintippen: So kann man dann beispielsweise im MIDI-Modus plötzliche Änderungen im Klang eines virtuellen Instruments verursachen.

Die vier vertikalen angeordneten Buttons, die sich links der Fader befinden – Shift, Bypass, Fine, VU – funktionieren zusammen mit anderen K-Mix-Funktionen. Drückt man beispielsweise die Shift-Taste und dann das Aufnahme-Symbol, schaltet der Keith McMillen K-Mix in den MIDI-Controller-Betrieb. Die Shift-Taste ist auch für das Einstellen weiterer DSP-Parameter und den Solo- und Mute-Status der Fader verantwortlich. Mit dem Bypass-Button kann man die Effekte sowohl für einen Kanal als auch global aktivieren und deaktivieren. Der Fine-Button hilft, die Fader- und Drehregler-Genauigkeit im Detail anzupassen.

Keith McMillen K-Mix Test – Noch mehr Knöpfe

Rechts der Fader gibt es noch einmal rund ein Dutzend Multifunktionsknöpfe. Im Mixer- und Interface-Modus kann man mit ihnen beispielsweise die Mains und Auxs monitoren und Gate-, Reverb- und EQ-Einstellungen für jeden Kanal vornehmen, und im Controller-Modus kann man mit ihnen MIDI-Presets aufrufen. Der aufgedruckte Text, der die Funktion des jeweiligen Buttons beschreibt, ist sehr klein, und obwohl die Beleuchtung hilft, kann das Lesen da schon mal schwerfallen. Hier hilft also entweder ein gutes Gedächtnis – oder eine Leselupe.

Die angesprochenen eingebauten Effekte (Reverb, Noise Gate, Compressor, Lowcut-Filter) klingen gut und sind ziemlich einfach zu benutzen. Jeder der acht Input-Kanäle (und der Main-Output-Bus) hat übrigens einen dreibandigen semi-parametrischen EQ.

Keith McMillen K-Mix Test: bald auch mit Windows-Unterstützung:

Keith McMillen K-Mix Test – In der DAW…

Die Integration in den MOTU Digital Performer lief super. Wie bereits erwähnt war der Transport der Daten sehr einfach. Den Trim für jeden Kanal einzustellen lief genauso einfach ab: Trim-Button drücken, Kanal auswählen, Input-Level einstellen. Im Trim-Modus gibt die farbliche LED einen guten visuellen Anhaltspunkt, wie viel man dazugeben kann, ohne dass das Signal clipt.

Reverb und andere DSP-Funktionen sind standardmäßig Pre-Fader angesetzt – will man solche Effekte also zu Synthesizern oder bereits bestehenden Spuren hinzufügen, muss man die Editor-Applikation nutzen. In dieser gibt es aber speicherbare Presets, sodass der Workflow mit der Zeit immer besser wird.

Das Editieren von Plugins im MIDI-Modus war sehr einfach, vor allem, wenn man die Lernfunktion nutzt. Generell kann man auch mehrere Parameter schnell und ohne Probleme bearbeiten – der Vorteil von vielen Knöpfen. Die Kanalfader des Digital Performers konnte ich allerdings nicht so schnell erreichen. Da musste ich noch eine App dazwischen klemmen.

Dank der Online-Videos gelang eine schnelle Integration des Keith McMillen K-Mix in Ableton Live. Die Fader brachten ein sehr schönes Gefühl zu den virtuellen Controllern.

Die Knöpfe des K-Mix können auch MIDI Note-On-Nachrichten senden, sodass man mit diesen Drumsounds triggern konnte. Wie schon erwähnt, können auch andere MIDI-Daten gesendet werden. Die Änderungen in der Software werden auch in der Hardware angezeigt (und andersherum). Im K-Mix-Editor kann man Presets ablegen und benennen, Updates für das Gerät installieren und noch vieles mehr.

Keith McMillen K-Mix Test – …und im iPad

Da die Plattform noch nicht offiziell mit iOS kompatibel ist, gestaltete sich die Arbeit mit iOS-Apps entsprechend schwer. Mit den Audio-Inputs gab es bei Garageband, Propellerhead Thor und Korg Gadget LE wenige bis gar keine Probleme, aber die Arbeit als MIDI-Controller blieb für mich unentdecktes Neuland.

Nichtsdestotrotz versicherten mir die Entwickler bei KMI, dass die volle iPad-Kompatibilität ein wichtiger Punkt ist, und ich freue mich schon auf die nächsten Entwicklungen, eine lückenlose Dokumentation und offiziellen Support in der nächsten Zukunft.

Keith McMillen K-Mix Test – Fazit

Der Keith McMillen K-Mix ist eine Klasse für sich. Es ist mit Abstand der am besten spielbare Nicht-Keyboard-Controller, den ich bisher benutzt habe. Was für ein USB 2 Audio-/MIDI-Interface mit 8×10-I/Os, Surround-Sound-Kompatibilität, DSP-Effekten, vielfarbige Touch-Controllern und Standalone- oder Computer-Betrieb fällt einem denn noch ein?! Ich würde es natürlich nie fallen lassen, aber ich kann mir vorstellen, dass das K-Mix stabil genug dafür (und für den Live-Einsatz) wäre.

Es fällt mir schwer, Negatives über den K-Mix zu sagen, angesichts der unglaublich vielen Funktionen und Features, die in diesem kompakten Gerät untergebracht sind. Kommende Updates werden unter anderem die Option enthalten, die Beleuchtung stufenweise anzupassen, und ein Signalgenerator (40 Hz bis 4 kHz) wird auch hinzugefügt.

Und so toll es auch schon für den Mac ist, ich sehe für den Keith McMillen K-Mix eine blühende Zukunft im iOS-Bereich. Mithilfe des optional erhältlichen MIDI-Expanders wird die Funktionalität des K-Mix zusammen mit dem iPad nämlich noch erweitert.

Sucht man also einen Controller mit so ziemlich allen Funktionen, die man sich sonst noch wünscht (Audio-Interface mit Surround-Kompatibilität und ein digitaler Mixer mit DSP), dann ist der Keith McMillen K-Mix eine extrem gute und preiswerte (momentaner Preis ca. 679€,-) Kombination.

Weitere Informationen zum Keith McMillen K-Mix.

© Electronic Musician 07/2016, courtesy of NewBay media, 2016