Presonus Studio 192 Test (Foto: Archiv)

Das Presonus Studio 192 will nicht nur ein einfaches Audio-Interface sein, sondern das zentrale Gerät eines Studios. Mit welchen Funktionen und Features es das erreichen will, erfahrt ihr im Presonus Studio 192 Test!

Der Markt an Audio-Interfaces ist ja mittlerweile beinahe unübersichtlich geworden. Große, kleine, mobile oder eher stationär ausgelegt Geräte beanspruchen dort immer wieder eine neue Nische für sich und versuchen, mit besonderen Features und anderem Workflow die Nutzer zu überzeugen. Was wäre aber, wenn ein Produkt kommt und versucht, alles in sich zu vereinen?

Presonus Studio 192 Test – Das ist dabei

Presonus Studio 192 Test: Ein Teil der Vorderseite mit der Gain-Anzeige für jeden der acht Inputs unddem leichtgängigen Regler.
Presonus Studio 192 Test: Ein Teil der Vorderseite mit der Gain-Anzeige für jeden der acht Inputs und dem leichtgängigen Regler.

Genau in diese Richtung geht die Firma Presonus aus Louisiana mit ihrem Presonus Studio 192 Interface. Das Audio-Interface mit USB 3.0-Anschluss bietet bis zu 26 Inputs und 32 Outputs. Wenn man mit der höchstmöglichen Abtastrate von 192 kHz arbeitet, stehen einem immer noch 8 Ins und 14 Outs zur Verfügung. Für Heimanwender und kleinere Projektstudios sind solch hohe Werte sicherlich nicht die allerwichtigsten – aber verfolgt man einen ganzheitlichen Ansatz (wie Presonus es tut), was die Zielgruppen angeht, so ist man mit 192kHz wirklich sehr sehr gut bedient und auch der Klassik-Produzent wird zufrieden sein.

An Features generell ist beim Presonus Studio 192 so ziemlich alles da, was man sich erhofft oder erträumt: Speaker Management ist möglich, durch ein integriertes Mikrofon gibt es eine Talkback-Funktion, und Wordclock- und ADAT-Schnittstellen sorgen für weitere Integration anderer Geräte. Lediglich die MIDI-Fraktion wird hier enttäuscht, da es keine reine MIDI-Schnittstelle gibt, sondern „nur“ ein Interface. Presonus spendiert Nutzern außerdem die Artist-Version der Studio One-DAW. Das Studio One haben wir übrigens bereits getestet: Klick hier!

Presonus Studio 192 Test – Software en Masse

Nutzer erhalten außerdem rund 4GB an Loops und Samples, die sie nach Online-Registrierung des Presonus Studio 192 herunterladen können. Das ist eine nette kleine Geste, und außerdem sind rund 20 Plugins in Studio One bereits vorinstalliert. Das ist allerdings auch schon ein kleines Muss, denn die Artist-Version selbst unterstützt gar keine externen Plugins.

Natürlich läuft das Presonus Studio 192 auch auf Systemen, die noch keinen USB 3.0-Port haben. Weitere Unterstützung gibt es sogar für das iPad. Hierfür wird das separat erhältliche Apple Camera Connection Kit benötigt, das von vielen anderen Instrumenten und Softwares auch benutzt wird. Für jeden Musiker ist das also mittlerweile eh schon Pflicht.

Aber das war noch nicht alles. Mithilfe der UC Surface-Software (für Mac, Windows und iPad) kann man kabellos und ferngesteuert beispielsweise die Preamps oder Monitormixes einstellen. Die Software ist laut Presonus selbst eher für Live-Anwendungen gedacht (denn sie funktioniert auch mit anderen Geräten), aber schaden kann sie ja nicht. Schlussendlich gibt es noch die Studio One Remote-App (Mac und Windows Phone), um Studio One 3 (nur in der Professional-Version) zu steuern. Wir sehen also: Zumindest an der Software-Front ist man wirklich gut aufgestellt und für jede Situation gewappnet.

Presonus Studio 192 Test – in der Praxis

Wie schlägt sich das Presonus Studio 192 im Studio? All die kleinen Details, an die man hier gedacht hat, machen klar, dass man hier nicht nur ein Gerät mit vielen Ein- und Ausgängen und „irgendwelchen“ Funktionen vor sich hat. Stattdessen greift hier ein Feature sinnvoll ins andere.

So würde die angesprochene Möglichkeit, bis zu drei Monitorpaare am Presonus Studio 192 anzuschließen, keinen oder nur wenig Sinn machen, wenn man diese erst umständlich am Gerät selbst auswählen müsste. Immerhin soll der Workflow nicht nur durch langatmige Einstellungs-„Torturen“ (die es leider bei einigen Geräten durchaus gibt) behindert werden. Mit der UC Surface Software geht das glücklicherweise ganz schnell und einfach, genauso wie zum Beispiel das Routen der Talkback-Option. Das ist wirklich eine sinnvolle Verbindung von Hardware und Software.

Presonus Studio 192 Test: Die Rückseite mit den sechs Inputs auf der rechten Seite.
Presonus Studio 192 Test: Die Rückseite mit den sechs Inputs auf der rechten Seite.

Die Verteilung von zwei Inputs auf die Vorderseite des Geräts und sechs Inputs aus die Rückseite hat sich auch in der Praxis bewährt. So muss der Gitarrist, der mal eben seine Gitarre aufnehmen möchte, nicht erst hinter das Presonus Studio 192 klettern. Die Projekte, die mehr Inputs benötigen, sind oftmals sowieso zeitlich länger angelegt – da ist es auch sinnvoll, dass man den Schreibtisch möglichst Kabelsalat-frei hält.

Die Inputs klingen übrigens traditionsgemäß auch nach Presonus-Inputs, was keinesfalls ein Negativpunkt ist, eher im Gegenteil. Diese zusammen mit der angesprochenen 24 bit/192kHz-Qualität des Presonus Studio 192 ergeben ein klanglich unglaublich klares Gesamtpaket, das keine Wünsche offenlässt.

Presonus Studio 192 Test – Fat Channel Suite

Auch mit dabei beim Presonus Studio 192 ist die Fat Channel-Suite, eine Reihe von Plugins, die man zum Beispiel direkt auf Monitor-Mixes legen kann. So kann man beispielsweise einem Sänger, den man gerade aufnimmt, einen Kompressor auf den Kanal legen. Die Einstellungen bzw. möglicherweise erstellte Presets lassen sich zwischen Studio One und dem UC Surface austauschen. Das ist wieder ein kleines und sehr sinnvolles Feature.

Den härteren Studioalltag sollte das Presonus Studio 192 problemlos überstehen und dem User auch kein weiteres Kopfzerbrechen bereiten. Nach Registrierung und Installation aller Treiber funktionierte das Gerät tadellos. Auch bei längeren Sessions zeigte das Studio 192 keine Ermüdungserscheinungen (die entwickelte Temperatur war zu vernachlässigen). Das Display ist, wenn man es denn mal braucht, gut und einfach abzulesen.

Presonus Studio 192 Test: Front des Interfaces
Presonus Studio 192 Test: Die Optik des Interfaces ist sauber und aufgeräumt.

Presonus Studio 192 Test – Fazit

Breit und gut gefächert, so könnte man das Presonus Studio 192 zusammenfassen. Hier hat man wirklich ein Gerät, das als die angesprochene Studio-Zentrale fungiert. Verschiedenste Rollen und Anforderungen meistert es problemlos. Dabei hat es wahrscheinlich so viele Funktionen, dass man sich schon über sehr lange Zeit sehr intensiv auseinandersetzen muss, um sie alle zu nutzen.

Gleichzeitig liegt aber auch genau da oft der Hund begraben. Kennt man eine „Seite“ eines Gerätes sehr gut, fallen einem auch nicht so gut gelungene Details auf, die man anders besser hätte lösen können. Beim Presonus Studio 192 hat man dagegen einen Weg oder einen Gedankengang, den man von Anfang bis Ende durchgezogen hat.

Dabei ist die Integration der UC Surface Software und der Studio One DAW ein ganz wichtiger Punkt. Mit diesen macht die Arbeit wirklich Spaß, weil man sich nicht durch irgendwelche Menüs klicken oder (geräteseitig) „drehen“ muss. Auch an die besagten kleinen Details, die oftmals den Unterschied zwischen „okay, funktioniert“ und „geht leicht von der Hand“ machen, hat man gedacht. Top! Für das Presonus Studio 192 gibt es eine klare Kaufempfehlung – sei es für den ambitionierten Hobbymusiker, der ein vielseitiges „All-in-One“-Gerät sucht (ausgenommen und einziger Wermutstropfen: MIDI), oder für den professionellen Produzenten, der Wert auf flexible Routingoptionen und höchste Audioqualität legt.