Der SPL Crimson ist ein Monitor-Controller mit USB-Audio-Interface – oder umgekehrt. Wir testen den SPL Crimson in weiß.

Da zunehmend auf Hardware-Pulte verzichtet und die Mischfunktion der verwendeten DAW benutzt wird, sind Monitor Controller bzw. Interfaces wie der SPL Crimson ein hilfreiche Sache für ein kleines (oder vielleicht auch größeres) Studio. Aber dazu später mehr.

SPL Crimson Test: Äußerlichkeiten

SPL Crimson Draufsicht
Das Bedienfeld des SPL Crimson

Nimmt man den SPL Crimson mit seiner abgeschrägten Benutzeroberfläche aus dem Karton, dann ist man erstaunt, was das Gerät wiegt – stolze 1,7 kg. Das alleine zeugt schon von Wertarbeit. Das stabile Gehäuse steht dann aber auch felsenfest auf dem Desktop oder wo man es auch immer platziert.

Bei SPL hat man nicht nur an die Funktionalität gedacht, auch die Optik spielt eine Rolle. So gibt es den SPL Crimson in zwei Ausführungen: Schwarz und, möglicherweise für die iMac-User, in weiß.

Der nächste Pluspunkt des SPL Crimson: Die Benutzeroberfläche macht einen immens aufgeräumten und durchdachten Eindruck. Links beim Interface haben wir die Eingangssektion, in der Mitte die Schaltzentrale und rechts die Abteilung Monitor Controller.

Jedem der vier analogen Kanäle ist ein Anzeigeelement (jeweils 3 LEDS) zugeordnet, das zwar einfach aufgebaut ist, aber ausreichend Überblick verschafft.

SPL Crimson Test: der Anschlussbereich

Mit dem SPL Crimson lassen sich bis zu vier analoge Quellen gleichzeitig in die DAW transportieren. Dabei lassen sich verschiedene Signale verarbeiten: Der SPL Crimson bietet dafür zwei hochwertige Mikrofon-Preamps (2 XLR-Eingänge auf der Rückseite) mit Gain-Regler, 48V-Phantomspeisung und zuschaltbarem HiPass-Filter je Mikro. Natürlich nicht zu vergessen ist auch der USB Anschluss – mit diesem verbindet sich das Interface mit dem PC bzw. der DAW.

SPL Crimson Rückseite mit Anschlüssen
Anschlüsse des SPL Crimson auf der Rückseite

Auf der Frontseite befinden sich zwei Eingänge für hochohmige Signale, wie z.B. von einer Gitarre oder einem Bass. Der Bereich wird durch vier Line-Eingänge (z.B. für Keyboards; Klinke) auf der Rückseite abgerundet. Wichtig: Man kann nicht alle genannten Eingänge gleichzeitig verwenden, sondern nur alternativ vier davon. Sprich: 2 x Mic und 2 x Line oder 2 x DI und 2 x Line etc.

Der SPL Crimson verfügt zusätzlich über Eingänge für beispielsweise CD-Spieler (symmetrisch und unsymmetrisch) sowie iPhone, iPad, Mp3-Player. Nicht fehlen dürfen natürlich MIDI in und MIDI out und das bereits angesprochene USB.

Fazit: Die Eingänge reichen für die meisten Anwendungen im Studio aus, falls man nicht eine ganze Band oder ein komplettes Schlagzeug mit mehreren Mikrofonen gleichzeitig aufzeichnen will. In der Abteilung Audio an sich gibt man sich keine Blöße: Die Mikrofonvorverstärker arbeiten auf höchstem Niveau – die Übertragung aller Signale erfolgt extrem rauscharm.

SPL Crimson Test: digital i/o

Mit dem zusätzlichen SPDIF In/Out erhöht sich die Kanalanzahl in/out auf 6/6. So können bis zu 6 Kanäle gleichzeitig aufgezeichnet und wieder von der DAW zurückgegeben werden. Über den SPDIF-Digital in/out kann man aber auch z.B. einen CD-Spieler anschließen, um seinen Mix mit einem Referenz-Mix zu vergleichen (einfach per SPDIF-Taster zwischen beiden Versionen umschalten). Auch ist hier der Anschluss eines digitalen Effektgeräts, zum Beispiel für den Mastering-Prozess, möglich.

SPL Crimson Test: am Rechner

Die Verbindung des SPL Crimson mit der DAW erfolgt über den USB Anschluss (HiSpeed Audio). In Kombination mit einem Camera Connection Kit ist auch die Verbindung mit einem iPad kein Problem.

Der SPL Crimson lief mit Standard-(Core Audio)-Treiber sofort an unserem Test-Mac. Wenn es um kurze Latenzzeiten geht, was zum Beispiel bei Software-Instrumenten wichtig ist, empfiehlt SPL diesen spezifischen Treiber auch.

Für das beste Audio liefert SPL aber auch noch einen “Bit Accurate”-Treiber für das Interface. Dieser HAL-Treiber (“hardware abstraction layer”, ASIO-ähnlich) ist ein Bit-genauer Treiber, was ihn z.B. fürs Mastering prädestiniert. Mit diesem Treiber sind beim SPL Crimson auch Abtastraten von 176,4kHz und 192kHz möglich. Dabei wird laut SPL die Abtastraten-Konvertierung, welche beim Core Audio-/Class-Compliant-Treiber immer aktiv ist, umgangen. Das bietet eine bessere Audioqualität.

SPL Crimson Test: der Monitor Controller

Nutzt man die Mischfunktion der verwendeten DAW und verzichtet auf ein Hardware-Pult, dann kommt der Controller dafür hier gerade recht. Der Vorteil hier: Audio-Interface und Monitormixer “unter einem Dach”, alles ist im SPL Crimson bereits “verkabelt”.

Zwei Monitorpaare (sollten aktiv sein) lassen sich am SPL Crimson parallel anschließen. Speaker A verfügt über XLR-Ausgänge, Speaker B über Klinkenausgänge. Letztere sind trimmbar, so dass man die beiden Lautsprecherpaare bei Bedarf aufeinander abstimmen kann. Mit dem großen Volumeregler auf der Frontseite bestimmt man schließlich die Lautstärke, mit der man abhören will. Zwischen beiden Lautsprecherpaaren schaltet man mit dem Taster A to B um. Mit dem Dim-Taster reduziert man die Monitor Lautstärke um -20 dB.

Insgesamt vier Kanäle führen aus der DAW zurück in den SPL Crimson. Durch Druck auf den Taster 1/2 hört man den Main Mix der DAW und über 3/4 z.B. den Monitor Mix der DAW-Ausgänge 3 und 4. Mit dem Regler “Monitor-Mix” regelt man das Verhältnis der DAW-Returns und der analogen Inputs (Mic, Line, DI). Man kann das Audio also direkt latenzfrei abhören. Gute Sache! Nein, ich revidiere mich: Sehr gute Sache.

Neben den vier Ausgängen1/2 und 3/4 werden weitere zwei 5/6 direkt auf SPDIF out ausgegeben.

SPL Crimson Test: der Kopfhörer-Verstärker

Auf der Frontseite befinden sich die Klinkenanschlüsse für zwei unabhängige Kopfhörer. Diese lassen sich über die beiden Potis auf der Frontseite individuell regeln. Der SPL Crimson verarbeitet dabei Kopfhörer mit 20 Ohm bis 600 Ohm.

SPL Crimson Test: der Artist Mode

Dass man bei SPL extrem praxisbezogen arbeitet, ist bekannt. Das zeigt sich auch beim SPL Crimson wieder: Bei einer Aufnahmesession mit einem Musiker, der eine sehr individuelle Kopfhörereinstellung benötigt, geht man einfach in den “Artist Mode”.

SPL Crimson
USB-Audiointerface und Monitor-Controller mit tollen Features: SPL Crimson

Was passiert? Der Main Mix (DAW 1/2) geht ausschließlich auf Monitor A und Kopfhörer A. DAW 3/4 geht auf Monitor B und Kopfhörer B. So kann man in der DAW für die Wege 3/4 einen individuellen Kopfhörermix erstellen, ohne den Main Mix zu verändern.

Der Künstler hört das, was er hören will (z.B. seine lautere Stimme), der Engineer behält den Überblick über den Komplettmix. Mehr noch: In diesem Modus lässt sich auf der Rückseite ein (vorverstärktes) Talkback-Mikrofon anschließen, das automatisch auf Kopfhörer B geroutet ist. In diesem Modus kann man die Lautsprecherausgänge B des Interfaces auch dafür verwenden, einen weiteren Kopfhörerverstärker anzuschließen, wenn man eventuell mehr Kopfhörer anzuschließen hat (z.B. Chorsänger).

SPL Crimson Test: die Audioqualität

Der SPL Crimson mit seinen vier analogen Eingangskanälen und zwei weiteren über SPDIF erfüllt hohe Ansprüche. Performance und Qualität beim Audio ist hervorragend (24 bit/192 kHz), Latenzprobleme treten keine auf. Die Wandler erzeugen einen wirklich optimalen Sound. Rauschen ist kein Thema. Der SPL Crimson spielt da ganz klar in einer Liga mit RME und Apogee.

SPL Crimson Test: Fazit

Ein hochwertiges Audio Interface plus Monitor Controller mit hoher Audioqualität, ganz einfach über USB verkabelt. Das alles hochwertig verarbeitet mit durchdachter Benutzeroberfläche. Die ganzen Bedienelemente so großzügig und logisch verteilt, so dass die Arbeit mit dem SPL Crimson wirklich einfach ist.

Was will man also noch mehr? Und das alles zu einem Preis von rund 450 Euro. Eine wirkliche Empfehlung.