Steinberg UR22 MkII Test

Ein kleines Interface für mobile und stationäre Anwendungen mit höchster Audioqualität – das ist sicherlich ein Wunsch vieler Anwender. Wie Steinbergs Lösung diesen Ansprüchen gerecht wird, zeigen wir im Steinberg UR22 mkII Test!

Egal ob Mac, PC, im Studio oder mobil, Desktop oder Tablet: Nimmt man digital auf, benötigt man ein Interface, um die Audio- und MIDI-Daten aus und in das Gerät zu schicken. Aber braucht man wirklich mehrere Interfaces für verschiedene Geräte und verschiedene Zwecke? Vielleicht – aber vielleicht kann man ein und dasselbe Gerät für (zB) den Desktop-Computer und das iPad nehmen. Hier kommt das Steinberg UR22 mkII ins Spiel – es ist für mobile Zwecke ausgelegt und, noch wichtiger, funktioniert plattformübergreifend.

Das Steinberg UR22 mkII, ein 24-bit 2×2 Audio- und 1×1 MIDI class-compliant USB 2.0 Interface mit einer unterstützten Samplerate von bis zu 192 kHz, ist ein Update des ursprünglichen UR22. Die größten Veränderungen ist die erhöhte Audio-Performance und iOS-Kompatibilität. Außerdem gibt’s die Möglichkeit, das Gerät mit einer Powerbank oder wiederaufladbaren USB-Batterien zu betreiben, wenn es an einem iOS-Gerät angeschlossen ist.

Für mobile Anwendungen ist das natürlich wichtig, zumal einige andere Interfaces diese Funktion nicht beinhalten. So geht das Interface während eines Projektes nicht plötzlich aus, nur weil die Batterie leer ist.

Steinberg UR22 mkII Test – Der Aufbau

Das UR22 mkII ist sehr solide verbaut, das merkt man schon bei der ersten Begutachtung. Das kräftige und robuste Gehäuse aus Metall hat Maße von 159 x 46 x 159mm und wiegt fast genau 1 kg. Um das Gerät zu betreiben, sind 2,5W nötig, die das Steinberg UR22 mkII dabei über die USB-Schnittstelle bezieht.

Das Steinberg UR22 MKII in der Schrägansicht.
Steinberg UR22 MkII Test: Das robuste Metallgehäuse sorgt für Langlebigkeit.

Für die beiden Inputs vorne gibt es individuelle Peak-LEDs, sowie eine LED für den USB-Status und zur Kontrolle der Phantomspeisung. Alle sind gut lesbar positioniert und bieten einen schnellen Überblick, was gerade wo passiert. Zum genaueren Aufbau der Front gibt’s gleich mehr.

Auf der Rückseite gibt es MIDI In- und Out-Anschlüsse. Einen MIDI Thru findet man hier leider nicht, was aber angesichts der Kompakheit des Geräts verständlich ist. Zwei 1/4″-TRS-Outputs findet man hier ebenfalls, dadrüber gibt es einen On-/Off-Switch für die Phantomspeisung.

Ganz links gibt es einen normalen USB 2.0- und einen 5V Mini-USB-Anschluss. Dazwischen gibt es einen „Power Source“-Switch, mit dem man dann zwischen diesen Anschlüssen wählen kann. Bei Benutzung mit Mac oder PC kann man den Switch auf USB 2.0 stellen und das Steinberg UR22 mkII erhält über USB genügend Power. Nutzt man es mit einem iPad (mindestens ein iPad 2 mit iOS 7 oder höher), dann stellt man ihn um. Steinberg nennt das den CC-Modus.

Jedoch benötigt man dann noch ein paar zusätzliche Dinge. Da das Steinberg UR22 mkII mehr Power benötigt, als das iPad normal ausgibt, benötigt man ein normales Ladekabel oder (für echte Mobilität) eine externe USB-Batterie. Um den normalen USB-Anschluss mit dem Lightning-Port des iPads zu verbinden, ist außerdem ein Apple Camera Connection Kit oder ein Lightning-auf-USB-Adapter vonnöten. Diesen muss man dann noch separat erwerben.

Mit nur zwei gleichzeitig nutzbaren Audio-Inputs ist das UR22 mkII nicht für Situationen ausgelegt, in denen man mehrere Mikrofone benötigt (Live-Band, Schlagzeug etc.). Aufgrund fehlender ADAT-Anschlüsse o.ä. kann man die Zahl der Eingänge leider auch nicht erhöhen. Für diesen Fall empfiehlt sich jedoch ein Blick auf die anderen Modelle der UR-Serie. Positiv hervorzuheben ist jedoch die tolle Soundqualität der Anschlüsse, die man in einer solchen Preisklasse nicht unbedingt erwartet.

Steinberg UR22 mkII Test – Bedienung

Steinberg UR22 MkII Test: Das übersichtliche Frontpanel.
Steinberg UR22 MkII Test: Das übersichtliche Frontpanel.

Auf dem Frontpanel befinden sich die meisten Einstellungsmöglichkeiten des Geräts. Es gibt zwei Neutrik Combo-XLR-Anschlüsse, jeder mit einem eigenen Gain-Regler von +6 bis +60dB – mehr als genug für die meisten Zwecke. Als Preamps werden Yamahas angesehene D-PRE-Preamps mit ihrem transformatorlosen Class A-Design benutzt. Als kleinen Bonus hat Input 2 einen Hi-Z-Switch, womit man in diesen Anschluss auch direkt seine Gitarre oder seinen Bass einstecken kann.

Der Stereo-Kopfhöreranschluss hat einen eigenen Lautstärkeregler, daneben gibt es einen Output-Regler, der die Lautstärker der Line-Outputs auf der Rückseite kontrolliert. Ein dritter Regler ermöglicht ein direktes, latenzfreies Monitoring noch während des Aufnehmens. Dreht man mehr nach links, hört man mehr Direktsignal, nach rechts den Output des DAWS. So kann man ganz einfach seinen eigenen Mix erstellen – deswegen auch die gleichnamige Beschriftung.

Kurz, knapp, selbsterklärend – so könnte man die Bedienung zusammenfassen. Ein solches Konzept ist immer gut, vor allem, wenn man mal schnell etwas mitschneiden möchte, oder wenn vielleicht nicht jeder Nutzer ein ausgewachsener Interface-Profi ist.

Steinberg UR22 mkII Test – Software

Egal, mit welcher Plattform man das Gerät nutzt, Steinberg liefert Software mit. Für iPad-Nutzer gibt es einen Access Code für Cubasis LE. Diese ist unter anderem auf 4 Audio- und 4 MIDI-Spuren begrenzt, kann aber mittels In-App-Kauf auf eine volle Cubasis-Version upgegradet werden. Diese bietet dann (theoretisch) unendlich viele Spuren, zusammen mit virtuellen Instrumenten, Automation, Inter-App Audio, Audiobus-Kompatibilität und vielem mehr. Für kurze Demos und Songwriting ist Cubasis LE sicherlich ausreichend. Geht man aber größere und ernsthafte Projekte mit besserer Audioqualität an (die LE-Version unterstützt keine 24bit), ist ein Upgrade definitiv sinnvoll.

Steinberg UR22 mkII Test – Eine Übersicht über die Funktionen von Cubasis LE gibt es hier:

Nutzt man einen Laptop oder Desktop-Computer, gibt es eine Version von Cubase AI mit dazu. Zwar ist es auch wie Cubasis LE eine abgespeckte Version von Cubase, aber nicht so extrem: hier kann man gleichzeitig 32 Audio- und 48 MIDI-Spuren nutzen. Auch gibt es 24bit/192kHz-Unterstützung. Auch für etwas größere und komplexere Projekte kann man diese Version also durchaus nutzen.

PC-Anwender benötigen mindestens Windows 7 mit Service Pack 1 (oder Windows 8 und 10) mit Intel- oder AMD-Hardware; Mac-Jünger OS X 10.7 – 10.11. Mindestens 2GB RAM und 4GB freier Speicher sind das Minimum, ebenso ein CD-Laufwerk für die Installation, logischerweise ein USB-Port und eine Internetverbindung.

Steinberg UR22 mkII Test – …und hier gibt es ein Tutorial zu Cubase AI:

Natürlich ist man nicht gezwungen, Steinberg-Software zu nutzen. Dank der beigelegten ASIO-, WDM- und Core konnte ich das Steinberg UR22 mkII auch problemlos mit ProTools (Mac) und SONAR (PC) sowie mit vielen Audio-Apps auf meinem iPad 2 Mini nutzen.

Steinberg UR22 mkII Test – Fazit

Das UR22 mkII ist für Solokünstler, Songwriter, als Begleitung auf Tour oder für Fieldrecording ein sehr schönes, kleines Interface. Ich war sehr beeindruckt von der Soundqualität, insbesondere, wenn man sich den Preis (aktuell ca. 129€,-) vor Augen führt. Zudem bekommt man ein schönes Software-Bundle, wobei man, wie bereits beschrieben, das Gerät auch vollkommen problemlos mit anderer Software betreiben kann.

Auch schön sind die MIDI In- und Outs. Ohne diese wäre man doch recht limitiert, was man an einem iPad gleichzeitig machen kann. Mit ihnen jedoch kann man zum Beispiel einen MIDI-Keyboard-Part und Gesang aufnehmen, während der Bandkollege dazu Gitarre oder Bass spielt. Man sollte nur daran denken, dass sehr viel mehr als das auch nicht mehr möglich ist.

Steinberg UR22 MkII Test: Die Rückseite bietet MIDI In und Out - leider kein Midi-Thru.
Steinberg UR22 MkII Test: Die Rückseite bietet MIDI In und Out – leider kein Midi-Thru.

Die begrenzte Anzahl an Inputs ist dann auch der größte Mängel, aber das wird nicht für jeden ein Problem sein. Was da ist, klingt wirklich toll für diesen Preis. Und falls man mehr möchte, kann man sich immer noch (wie bereits gesagt) ein größeres UR-Interface zulegen.

Um die Haltbarkeit und den ein oder anderen Kratzer, den das Interface zweifellos einstecken wird, braucht man sich nicht zu sorgen. Es ist sehr strapazierfähig, und sowohl das Metallgehäuse als auch die Regler (die praktisch überhaupt nicht wackeln) sind sehr robust gebaut. Deswegen ist das Gerät zwar auch etwas schwerer und sperriger im Gegensatz zu Interfaces mit Plastik-Gehäuse, aber die Bauweise lohnt sich.

Wenn zwei Kanäle und MIDI reichen, ist das Steinberg UR22 mkII auch ein sehr gut klingendes Interface für Homerecording-Anwendungen. Die Möglichkeit der Nutzung zuhause oder unterwegs sollte aber nochmals betont werden; das wird sicherlich viele Interessierte ansprechen.