Studio-Monitore einstellen

Mit dem Anschließen von Studio-Monitoren ist es noch nicht getan: sie müssen auch dem Raumklang angepasst werden. Unser Feature “Studio-Monitore einstellen” erklärt, was es zu beachten gilt.

Studio-Monitore haben nur eine einzige (schwierige) Aufgabe: Sie sollen das Signal, das bei ihnen ankommt, auch genauso wiedergeben. Anders als bei “schönfärbenden” HiFi-Anlagen sollten sie ein akkurates Klangbild darstellen. So kann man Entscheidungen anhand dessen, was sich wirklich (sprichwörtlich) abspielt, treffen, und wird nicht von Schönmalerei geblendet.

Viele Studio-Monitore haben, wie dir vielleicht schon aufgefallen ist, einige Einstellungsmöglichkeiten. Aber wenn der Sound neutral wiedergegeben werden soll, wofür sind dann diese Regler da? Und, viel wichtiger, wie sollte man die Studio-Monitore einstellen?

Studio-Monitore einstellen: Welche Einstellungen gibt es?

Die handelsüblichen Einstellungsmöglichkeiten sind Level-Controls, also Lautstärke, und Tone (EQ)-Regler.

Level Controls (manchmal auch Input Gain oder Trim genannt) können Einfluss darauf nehmen, wie laut die Monitore das Signal ausgeben. Bei manchen Modellen gibt es hier eine volle Lautstärkekontrolle, die unabhängig von der Soundquelle (bspw. der DAW) funktioniert; bei anderen Modellen kann man nur in einem geringeren Maße die Lautstärke anpassen. Hier muss man dann darauf achten, wie die Lautstärke in der DAW/Audio-Interface/Monitor-Controller usw. geregelt ist.

Hier zu sehen: HF-, LF-, und Volume-Regler.
Hier zu sehen: HF-, LF-, und Volume-Regler.

Hast du mehrere Monitorpaare, sind die Level-Controls besonders hilfreich. So kann man seine „großen“ Monitore lautstärketechnisch genau an die kleinen anpassen. Diese Schwankungen können nämlich nicht nur stören, sondern auch den direkten Vergleich erschweren.

Mithilfe der Tone-Einstellungen kann man dann die Monitore an seine persönlichen Vorlieben und an den Raumklang, je nach Sitzposition, anpassen. Die Aufstellung im Raum ist oftmals die schwierigste Aufgabe für unerfahrenere Nutzer, ist aber ein wichtiger Faktor im Klang- und Response-Verhalten der Monitore.

Studio-Monitore einstellen: Kenne deinen Raum!

Ein Monitor-System besteht nicht nur aus den Lautsprechern und einem Monitor-Controller. Auch der Raum, in dem sich diese befinden, und die Position im Raum selbst haben eine Auswirkung auf das, was man hört. Kurz gesagt: Der Raum ist ein Filter. Manchmal liest man beim Positionieren der Monitore etwas wie „half-space“ oder „quarter-space“. Dies bezieht sich, akustisch gesprochen, auf die nähere Umgebung der Monitore.

Ist der Monitor weit entfernt von Reflektionsflächen wie Böden, Decken oder Wänden, dann spricht man davon, dass er in einer freiflächigen Umgebung steht. Der Schall, der vom Monitor ausgeht, wird von keinen Flächen reflektiert, und man hört nur die Lautsprecher selbst. Dabei ist natürlich zu beachten, dass nicht alle Frequenzen in alle Richtungen gleich abstrahlen; mittige und hohe Frequenzen sind weitaus gerichteter als tiefe Frequenzen.

Ist ein Monitor in der Nähe einer Fläche aufgestellt – beispielsweise einer Wand – dann befindet er sich in einer half-space-Umgebung. Somit strahlt der Sound nur noch in die Hälfte aller theoretischen Richtungen. Das hat zur Folge, dass einige Frequenzen – vor allem Bass-Frequenzen – angehoben werden können, was für eine neutrale Klangabbildung natürlich nicht erwünscht ist. Noch schlimmer ist dies, wenn er in der Nähe von zwei Flächen (quarter-space) steht. Hier können bis zu 6dB Anhebung im Bassbereich passieren.

In den Ecken des Raumes, wo zwei Wände mit der Decke oder dem Boden verbunden sind – auch „eight-space“-Locations genannt – können die Bassbereiche sogar um 9dB angehoben werden.

Natürlich sind diese Angaben nicht 1:1 auf jeden Raum übertragbar, aber man merkt, wie stark der Raum Einfluss auf den Klang haben kann. Mit dem Handbuch der Studiomonitore kann man jetzt die erforderlichen Anpassungen durchführen.

Studio-Monitore einstellen: Symmetrie ist wichtig

Vielleicht hast du schon gehört oder gelesen, dass eine symmetrische Aufstellung sehr wichtig ist. Die Idee dahinter ist, dass die Entfernung der Monitore zur Wand dahinter genauso groß sein sollte wie die Entfernung zu den seitlichen Wänden. Diese Symmetrie trifft auch auf die Einstellungen zu, die man an den Studio-Monitoren tätigt.

Bei Öffnungen nach hinten ist es wichtig, genügend Abstand zur nächsten Wand zu lassen.
Bei Öffnungen nach hinten ist es wichtig, genügend Abstand zur nächsten Wand zu lassen.

Stellt man Monitore unterschiedlich ein, führt das zu Fehlern im Stereobild und im Frequenzspektrum. Auch die Lautstärkeeinstellung sollte genau gleich sein, da ansonsten der Mix auf einer Seite lauter erscheint.

Genaue Empfehlungen und Anweisungen für die Einstellung der Monitore zu geben ist schwierig – schließlich hat jeder Nutzer unterschiedliche Monitore, Räume und Setups. Die besten Tipps zur Aufstellung und zur Einstellung der Monitore finden sich daher auch meist in den Bedienungsanleitungen der Modelle selbst. Der normale Menschenverstand sagt einem aber, dass man die Monitore möglichst NICHT in die Ecken des Raumes stellen sollte. Monitore, die außerdem eine Öffnung nach hinten haben, sollten ausreichend Platz zwischen sich und der dahinter liegenden Wand haben.

Studio-Monitore einstellen: Was ist mit dem persönlichen Geschmack?

Auch die eigenen Erfahrungen und der Hör-„Geschmack“ sollte beachtet werden. Ich finde, dass alles, was einem beim Mischen hilft, erlaubt ist. Deswegen sollte man sich zuerst gründlich mit dem Raum und den Monitoren vertraut machen: Hör dir viele professionelle Aufnahmen an, um eine Idee davon zu erhalten, wie diese in deinem Raum klingen. Auch das Gegenhören des eigenen Mixes zu diesen Songs ist immer hilfreich.

Fällt dir beim Hören auf anderen Systemen und in anderen Räumen auf, dass deine Songs im Bassbereich zu schwach sind, dann regle die Bass-Einstellungen etwas zurück. Beim nächsten Mix wird man den Bass nämlich automatisch etwas höher drehen, und man sollte ihn dann auf anderen System besser hören.

Sind dagegen die Höhen zu schrill, sollte man die entsprechenden Regler am Monitor etwas aufdrehen. Dieser kleine Boost hilft beim nächsten Mal, die Frequenzen im Mix etwas herunter zu drehen.

Die Lautstärke, mit der man abhört und arbeitet, ist ebenfalls eine Frage des persönlichen Geschmacks. Über zwei Dinge sollte man sich jedoch im Klaren sein: 1. Unsere Ohren „funktionieren“ am besten, wenn man ungefähr bei 85dB (A) SPL arbeitet. 2. Dreht man viel lauter, verkürzt das die Zeit, in der man mit diesem Pegel arbeiten kann, ohne Schädigungen davon zu tragen. Immer die Ohren schützen und nicht für zu lange mit zu hoher Lautstärke arbeiten!