Tascam DR-44 WL Test

Der neue Tascam DR-44WL ist ein mobiler 4-Kanal Recorder, der mit einer Vielzahl an Neuerungen daherkommt. Was er kann, haben wir getestet!

Der Tascam DR-44WL basiert auf dem älteren DR-40 von Tascam. Er kommt mit einer Vielzahl an neuen Funktionen und Veränderungen, wie beispielsweise der eingebauten W-Lan-Funktion, die dem Konsumenten eine Fernsteuerung per Software und eine kabellose Datenübertragung ermöglicht. Dadurch lässt sich der Recorder optimal platzieren und kann per iOS oder Android App eingepegelt und gesteuert werden.

Tascam DR-44WL: die Fakten

Das Gehäuse des Tascam DR-44WL besteht an den Seiten aus solidem Aluminium und an der Ober- und Unterseite des Gerätes aus einem Plastikgehäuse. An der Oberseite des Geräts befinden sich zwei neu entwickelte Elektret-Kleinmembran Mikrofone, die es ähnlich auch schon beim DR-40 zu finden gab. Sie werden durch einen Windschutz geschützt, um Störgeräusche beim Außeneinsatz zu eliminieren.

Der allgemeine Sound der Mikrofone unterscheidet sich zwischen dem Tascam DR-40 und dem Tascam DR-44WL kaum, dennoch gibt es einen entscheidenden Unterschied. Beim DR-40 konnten die beiden Mikrofonkapseln zwischen einer X/Y-ähnlichen Mikrofonierung und einem 90-Grad-Winkel verstellt werden. Obwohl diese Funktion bei vielen Nutzern gut angekommen ist, besitzt das Tascam DR-44WL eine fest eingestellte Mikrofonierung. Die X/Y-Anordnung ist aber im Gegensatz zum Tascam DR-40 deutlich genauer und bietet eine bessere Stereo-Ortung.

Zusätzlich führt die neue Anordnung der Mikrofone dazu, dass die Mikrofone durch eine elastische Aufhängung einen verbesserten Frequenzgang liefern sollen. Erschütterungen durch Bewegung des Recorders können dadurch allerdings nicht verhindert werden, auch wenn das Gehäuse des Tascam DR-44WL einen wirklich guten Eindruck hinterlässt.

Tascam DR-44WL: Kanalkonfiguration

Der Tascam DR-44WL kann bis zu vier Kanäle gleichzeitig aufnehmen. Die offensichtlichste Methode der Nutzung ist die beiden eingebauten Mikrofone  zu verwenden und zusätzlich zwei externe Mikrofone an den beiden XLR-Eingängen des Recorders. Alternativ kann das interne Mikrofonpaar auch zweifach aufgezeichnet werden, auf der Dopplung dann allerdings mit einer Pegelabsenkung von 10dB.

Dies ist nützlich, wenn einige Teile der Aufnahme übersteuert wurden. So lassen sich diese Stellen später im Editing ganz einfach austauschen. Außerdem ist diese Anwendung hilfreich, wenn man mit zusätzlichen Lavaliermikrofonen am XLR-Eingang des Tascam DR-44WL arbeitet, da diese häufig sehr empfindlich reagieren.

Darüber hinaus bietet der Tascam DR-44WL eine neue Funktion für Songwriter oder Musiker, die Ideen in Demos festhalten wollen. Der MTR-Modus (Multitrack-Recording) gibt die Möglichkeit eines Overdub-Aufnahmeverfahrens, indem mehrere verschiedene Spuren in Mono oder Stereo aufgezeichnet werden können. Hierbei können alle vier möglichen Inputs des Tascam DR-44WL einzeln verwendet und beliebig als Eingang der jeweiligen Spur gewählt werden.

Tascam DR-44WL: Bedienung

Das obere Bedienfeld des Tascam DR-44WL besitzt einen großen, gut lesbaren LCD-Bildschirm. Das Metering zeigt die Pegel der vier Eingangskanäle sowie das Ausgangssignal der Stereosumme im MTR-Modus. Zusätzlich werden weitere nützliche Informationen wie beispielsweise der Dateiname und ein Peak Meter angezeigt.

Tascam-DR-44WL linke Seite
Tascam-DR-44WL linke Seite mit Power-Schieberegler, Line-Out/Kopfhörer-Anschluss und Wi-Fi-Taste. Unter der Abdeckung befindet sich die SD-Karte.

Wie schon von anderen Tascam-Geräten bekannt, gibt es auch beim Tascam DR-44WL ein übersichtliches Hauptmenü, mit direktem Zugriff auf alle notwendigen Einstellungen. Die meisten Funktionen werden über das Funktionsrad und den Select-Knopf eingestellt. Die Bedienung ähnelt hierbei dem iPod der ersten Generation. Das Funktionsrad ist gerastert, um nicht den Überblick in den verschiedenen Menüpunkten zu verlieren. Die Bedienung hat sich gegenüber dem DR-40 deutlich verbessert.

Ähnlich ist es auch beim Input-Leveling. Dieses wird nicht mehr über einen Druckknopf, sondern ebenfalls über das Drehrad ausgeführt, ähnlich wie beim Sony PCM-100. Durch drücken des Input-Level-Buttons an der Seite des Tascam DR-44WL öffnet sich das dementsprechende Menü zum Einpegeln des Signals.

Tascam DR-44WL rechte Seite
Tascam DR-44WL rechte Seite mit Wählschieberegler für das externe Signal, Input-Level-Regler und Mini-USB-Anschluss.

Rot leuchtende LEDs signalisieren, welcher Kanal gerade gepegelt und im Menü angezeigt wird. Außerdem ist es möglich, die Kanäle Eins und Zwei, sowie Drei und Vier als Stereopaar gleichzeitig zu pegeln. Hierzu müssen die jeweiligen Kanäle hintereinander angewählt werden. Falls der Pegel bereits unterschiedlich ist und die Kanäle anschließend gruppiert werden, bleibt der relative Abstand der Pegelverhältnisse erhalten.

Tascam DR-44WL Kabellos

Durch das Drücken des Buttons „Wi-Fi“, der sich auf der linken Seite des Tascam DR-44WL befindet, wird die W-Lan-Funktion des Recorders aktiviert und verwandelt ihn somit in einen drahtlosen Router. Nach Download der Software/App kann man sich über die Einstellungen des jeweiligen Endgeräts mit dem Tascam DR-44WL verbinden. In der Software/App werden alle voran beschriebenen Parameter des Geräts angezeigt.

Tascam DR-44WL XRL-Anschlüsse unten
Tascam DR-44WL XRL-Anschlüsse an der Unterseite des Geräts

Auf freier Strecke hält die Verbindung zwischen Recorder und Smartphone ungefähr 25 Meter. Bei dicken Wänden oder ähnlichem verringert sich die Reichweite dementsprechend. Der Verlust der Verbindung ist nicht sehr dramatisch und man kann sich ohne Probleme, und ohne Knopfdruck wieder einwählen. Auch das Hin- und Herschalten zwischen mobilen Daten und der W-Lan-Verbindung am Smartphone hat keinerlei Einfluss auf die aktuell laufende Aufnahme.

Die gesamte Software des Tascam DR-44WL ist sehr übersichtlich aufgebaut und verfügt über jegliche Funktionen, die sich auch direkt am Gerät einstellen lassen. Es gibt nur zwei negative Punkte, die bei der Softwarelösung ins Auge fallen: Zum einen ist es nicht möglich die Kanäle Eins und Zwei separat einzupegeln, sondern nur als gelinktes Paar. Zum anderen können die Kanäle Drei und Vier nicht gelinked und nur einzeln gepegelt werden. Ein deutlicher Nachteil, wenn man etwas direkt während einer Aufnahmesituation ändern will, ohne am Recorder herumzudrücken.

Ein weiterer Nachteil der Software-Lösung ist, dass man die Signale nicht in Echtzeit abhören kann. Dies ist immer eine heikle Angelegenheit, da man keinerlei Sicherheit hat, ob das Aufnahmesignal wirklich gut ist. Ein Lösungsansatz ist, das Signal direkt per Online-Stream in der DR-Control-App abzuhören.

Leider ist diese Funktion auch bei neuestem Update noch sehr unzuverlässig. Eine andere Möglichkeit ist, eine Testaufnahme direkt auf SoundCloud hochzuladen und diese dann per Smartphone abzuhören. Alles in Allem allerdings bis jetzt eine sehr umständliche Handhabung, um sicherzugehen, ein gutes Aufnahmesignal zu haben.

Tascam DR-44WL Benutzung

Den Tascam DR-44WL Recorder erhielt ich während der Arbeit an einem Sounddesigns für einen Film. Ich musste hierfür einige Autogeräusche und Fußstapfen auf unterschiedlichen Untergründen aufnehmen. Der Tascam DR-44WL schien für mich aufgrund seiner kompakten und leichten Bauweise als gute Wahl. Zusätzlich nahm ich unterschiedliche Windprotektoren und Aufsätze mit in den Park, den ich ausgewählt hatte.

Es war ungewöhnlich voll, sodass ich eine Weile brauchte, um eine gute Isolation und das geeignete Setup zu finden. Das schwerste an meinem Equipment waren die Mikrofonstative. Ich nutzte zwei Richtrohrmikrofone, die direkt in den Tascam DR-44WL gingen. Den Recorder auf einem kleinen Dreibein-Stativ. Von dort aus, habe ich den Recorder mit meinem iPhone verbunden. Es war wirklich hilfreich, während der Aufnahmen frei herum laufen zu können und die unterschiedlichen Signale aus der Ferne einzupegeln.

Tascam DR-44WL
Tascam DR-44WL: Die eingebauten Mikrofone machen einen extrem guten Job.

Das Einzige, was störte, war eine lange Kopfhörerverlängerung, die ich für das Monitoring verwendete. Anschließend zog ich weiter zur Straße, um ein paar vorbeifahrende Autos aufzunehmen. Der gesamte Aufbau war so klein und unauffällig, dass die Fahrer der Autos nicht komisch herüberblickten und ich nicht unangenehm aufgefallen bin. Außerdem habe ich noch einige Atmosounds und unterschiedliche, eventuell nützliche Geräusche mit aufgenommen.

Zuhause exportierte und sortierte ich die aufgenommenen Signale. Viele der Autogeräusche besitzen einen erstaunlichen Low-End-Anteil und eine sehr gute Stereoortung. Panoramafahrten der Autos von links nach rechts sind deutlich herauszuhören. Die leiseren Signale wiesen einen deutlichen Anteil von Grundrauschen auf. Dies ist auch von höherpreisigen Produkten der Firma Tascam bekannt, auch wenn die Signale gut eingepegelt sind.

Obwohl man heutzutage Signale gut restaurieren kann, waren alle leisen Aufnahmen mit dem Tascam DR-44WL schwierig. Für laute Signalquellen, wie beispielsweise Züge, Flugzeuge etc. eignet sich der Tascam DR-44WL hervorragend und bietet eine sehr gute Qualität. Auch in anderen Aufnahmesituationen, wie zum Beispiel einer Hochzeit, hat das Gerät eine sehr gute Aufnahme hervorgebracht.

Tascam DR-44WL Test-Fazit

Der Tascam DR-44WL ist ein wirkliches Leichtgewicht, sehr klein und handlich. Er wird in einem stabilen Case geliefert, sodass man ihn überall mit hinnehmen kann. Die eingebauten Mikrofone machen einen extrem guten Job und sind für jegliche Art von Signalquellen geeignet, von Musik bis hin zu Soundeffekten. In einigen Fällen stellte sich sogar heraus, dass die verbauten Mikrofone ein deutlich besseres Ergebnis lieferten als die extern angeschlossenen Mikrofone.

Abschließend lässt sich sagen, dass es großartig ist, ein so handliches Gerät zu besitzen und damit jederzeit und überall Geräusche und Sounds aufnehmen zu können. Der Preis liegt bei rund 280 Euro.

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